BriMel unterwegs
Der Teufel mit den drei goldenen Haaren
- Florian Kaiser in Action
- Foto: Brigitte Melder
- hochgeladen von Brigitte Melder
Böhl-Iggelheim, OT Iggelheim. Am 3 Mai hatte das Theater Carnivore im Kreativhaus h6, Haßlocher Straße 6, ein Gastspiel. Und auch noch das Artcafé hatte geöffnet mit leckeren Kuchen und mehr. Heute hatte neben den Ausstellern im Innenbereich die Fotografin Kimberley Koch mit „Fellkinder-Fotografie“ ihren Stand im Freien aufgebaut. Herzallerliebste Hundefotografien sind ihre Leidenschaft und sie freut sich immer auf ein Hundeshooting.
Um 16 Uhr waren im Garten Bänke aufgebaut. Florian Kaiser ist ein „Selfmademan“ und hatte Regie, Organisation, Kasse und das gesamte Entertainment unter sich. Die Bänke standen im Schatten, denn die Sonne schien. „Der Teufel mit den drei goldenen Haaren“ ist ein Märchen und Florian Kaiser macht Kinder froh und Erwachsene ebenso. Vier Kinder und dreimal so viele Erwachsene wollten sich verzaubern lassen und dem brillanten Schauspieler bei seinem Spiel zuschauen. Er war ein bisschen aufgeregt, aber Lampenfieber ist normal.
Zusammenfassung: Es war eine Aufführung unfrei nach dem Text der Brüder Grimm. Das Glückskind ist ein Findelkind. Kaum ist es geboren, versucht der König zum ersten Mal, es umzubringen. So ist das als Glückskind. Aber weil es eben ein Glückskind ist, so gibt es beim zweiten Versuch des Königs eine Hochzeit statt einer Beerdigung. Wer jetzt denkt, damit ist das Märchen zu Ende, irrt. Hier geht es erst richtig los. Der König schickt das Glückskind in die Hölle, um ihm drei goldene Haare vom Kopf des Teufels zu holen. Was sollen wir bloß von solch einem König halten. Natürlich geht alles gut aus. Außer für den König vielleicht. Und beim Teufel wird es natürlich höllisch spannend.
Ein Märchen über Mut, Hilfsbereitschaft und die schlimmen Folgen der Habsucht. Erzählt von einem, der sich hinreißen lässt und hin und wieder abschweift.
Ein Märchen für Groß & Klein – empfohlen ab 5 Jahren.
Spieldauer: ca. 45 Minuten ohne Pause
Autor: Brüder Grimm, Florian Kaiser
Regie: Florian Kaiser
Kostüm: Florian Kaiser, Marcela Snášelová
Es spielt: Florian Kaiser
Motiv: Theater Carnivore®
Das Kind kam also mit einer Glückshaut zur Welt und ihm wurde prophezeit, dass es im 14. Jahr die Tochter des Königs heiraten wird. Florian Kaiser stellte das Glückskind plastisch vor im Regenanzug, der mit einem „Regenguss“ überschüttet wurde. Wunderschön waren seine Interaktionen mit dem Publikum. Er ist Schauspieler durch und durch. König Ludwig legte das Kind in eine Schachtel. Florian Kaiser fragte die Kinder, ob sie sich vorstellen könnten in eine Schachtel – hier eine Kiste – passen würden und nahm an einem Kind Maß. Zurück zur Geschichte warf der König die Schachtel mit dem Kind drin in den Fluss. Angeschwemmt wurde es bei einer Mühle, deren Müllerehepaar sich des Jungen annahmen. Florian Kaiser erzählte so bildlich vorstellbar, dass man eigentlich nur seiner Mimik und Gestik zuschauen brauchte. Als der König vom überlebenden Glückskind erfuhr, schickte er ihn mit einem versiegelten Brief zur Königin los. Darin stand „Wer den Brief bringt soll auf der Stelle umgebracht und begraben werden.“ Das Glückskind machte sich auf den Weg durch den Wald und stieß auf einer Lichtung auf ein Gebäude. Die Frage, um was für ein Haus es sich hierbei handeln könnte, versuchten die Kinder zu erraten. Ein Kind war besonders aufgeweckt und clever, schien die ganze Geschichte bereits zu kennen. Natürlich kam das Glückskind an ein Räuberhaus, wo zu dem Zeitpunkt nur eine alte Frau ihn aufnahm. Die heimkehrenden Räuber wollten ihn zuerst töten, entschieden sich aber für einen gefakten Brief, der grammatikalisch zu wünschen übrig ließ. „Wer diesen Brief überbringt soll auf der Stelle die Königstochter heiraten!“ Als der Brief tatsächlich die Königin erreichte, wunderte sie sich zwar über die vielen Schreibfehler, wollte aber nicht widersprechen. Florian Kaiser wollte bis dahin ein Feedback, ob es dem Publikum gefallen hat. Eindeutige Antwort „JA“. Der König kam nach Hause und freute sich ganz und gar nicht über die Entwicklung. Er wollte seinen zukünftigen Schwiegersohn auf die Probe stellen mit einer schier unlösbaren Aufgabe: „Bringe mir drei goldene Haare des Teufels!“ Das Glückskind kannte keine Angst und machte sich auf den Weg, kam an furchteinflößenden Wächtern und einem Fährmann vorbei, die alle drei Fragen hatten, die er noch nicht beantworten konnte, aber mit Antworten zurückkommen wollte. Ganz toll verfiel Florian Kaiser beim Fährmann in pfälzischen Dialekt, auch das konnte er beispielhaft. Der Eingang zur Hölle liegt am gegenüberliegenden Fluss und bei Speyer wäre das ja der Rhein. Er kam tatsächlich beim Teufel zuhause an, aber der war nicht da, sondern nur die Ellermutter (im Niederdeutschen bedeutet die Ellermutter die Großmutter), die sich ihm annahm und damit er nicht vom Teufel entdeckt wurde, in eine Ameise verwandelte. Der Teufel roch es trotzdem und rief „Ich rieche Menschenfleisch!“. Der Teufel ließ sich vor Müdigkeit in den Schoß der Ellermutter fallen und schnarchte. Dabei riss sie ihm nach und nach jeweils ein goldenes Haar aus als er vom Zupfen aufwachte. Sie habe nur schlecht geträumt antwortete sie und stellte ihm die drei Fragen vom Glückskind. Der Teufel war not amused, aber die Ellermutter befreite das Glückskind aus ihrer Rockfalte, gab ihm die drei goldenen Haare und ihm seine menschliche Gestalt zurück. Er hatte sich die drei Antworten gemerkt und machte sich auf den Rückweg. Die Wächter machten ihn dank der Antworten reich und der Fährmann hatte in dem Stück eine tragende Rolle. Das Glückskind konnte heiraten und der geldgierige König durfte für den Rest seines Lebens Fährmann spielen. Ende gut, alles gut und wenn sie nicht gestorben sind, leben sie noch heute. Den Applaus hatte sich dieser charismatische im Dauereinsatz befindliche Schauspieler redlich verdient. Der vierjährige Zuschauer Moritz hatte ihm zwar fast die Show gestohlen, aber so einem aufgeweckten Kind kann man gar nicht böse sein, denn durch solche selbstbewussten lebhaften Kinder lebt so eine Märchenerzählung. (mel)
Autor:Brigitte Melder aus Böhl-Iggelheim |
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