Mit der Bibel nach Amerika – die bewegende Geschichte eines Auswanderers aus Friedelsheim
- Ein Brief von Johannes Risser 1883.
- Foto: Sammlung Deutsches Auswandererhaus
- hochgeladen von Reiner Bohlander
Von Reiner Bohlander
Friedelsheim/Bremerhaven. Als Johannes Risser im Jahr 1832 seine Heimat Friedelsheim verlässt, nimmt er nicht viel mit. Seine Frau Katharina, die acht Kinder, seinen Glauben – und die Hoffnung auf ein freieres Leben. Was folgt, ist eine Reise voller Entbehrungen, die beinahe tragisch endet und heute Teil einer besonderen Ausstellung im Bundesrat ist.
Das Deutsche Auswandererhaus Bremerhaven erzählt dort derzeit in der Ausstellung „16/16 Geschichten“ sechzehn Lebenswege, die stellvertretend für die deutsche Migrationsgeschichte stehen. Rheinland-Pfalz wird durch den mennonitischen Prediger Johannes Risser vertreten, dessen Wurzeln eng mit Friedelsheim verbunden sind.
Die Überfahrt nach Amerika dauert zwei Monate. An Bord des Segelschiffs „Elizabeth“ gerät die Familie schnell an ihre Grenzen. In Briefen an seinen Schwager schildert Risser eindringlich die Sorgen um seine jüngste Tochter. Seine Frau wird durch die Seekrankheit so geschwächt, dass sie das Baby nicht mehr stillen kann. Die Rettung kommt unerwartet: Der Kapitän hat eine Ziege an Bord und versorgt das Kind täglich mit Milch. So überlebt das Mädchen die gefährliche Atlantiküberquerung.
In den Vereinigten Staaten findet die Familie schließlich eine neue Heimat. Johannes Risser berichtet begeistert von der Religionsfreiheit und dem Zusammenhalt der mennonitischen Gemeinden. Später zieht die Familie weiter nach Ohio, wo Risser Land erwirbt und seine Arbeit als Prediger fortsetzt. 1845 veröffentlicht er sogar eine Schrift über den Glauben und die Taufe der Mennoniten.
Die Geschichte steht zugleich für ein wichtiges Kapitel der Pfälzer Vergangenheit. Seit dem 17. Jahrhundert lebten Mennoniten in Friedelsheim. Weil ihre Glaubensüberzeugungen – darunter die Erwachsenentaufe, Gewaltlosigkeit und die Trennung von Kirche und Staat – vielerorts auf Ablehnung stießen, wanderten im 18. und 19. Jahrhundert zahlreiche Gemeindemitglieder nach Nordamerika aus.
Heute bewahrt das Deutsche Auswandererhaus die Briefe der Familie Risser als wertvolle Zeitzeugnisse auf. Sie geben einen seltenen Einblick in die Gedanken und Hoffnungen eines Pfälzers, der mit seiner Familie den mutigen Schritt über den Atlantik wagte.
Die Ausstellung im Bundesrat ist noch bis zum 31. Oktober zu sehen und kann im Rahmen von Führungen besucht werden. Sie zeigt insgesamt 16 bewegende Lebensgeschichten aus der Sammlung des Deutschen Auswandererhauses und macht deutlich, dass Migration seit Jahrhunderten zur deutschen Geschichte gehört.
Autor:Reiner Bohlander aus Frankenthal |
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