Kirche zieht sich aus Trifels-Gymnasium in Annweiler zurück
- Wie es mit dem Evangelischen Trifels-Gymnasium in Annweiler weitergeht, hängt nun von einer möglichen Übernahme durch das Land Rheinland-Pfalz ab.
- Foto: Archiv/PS
- hochgeladen von Erik Stegner
Nach Informationen des SWR hat die Landessynode für das Ende der kirchlichen Trägerschaft gestimmt. Nun soll das Land Rheinland-Pfalz die Schule übernehmen.
Von Erik Stegner
Annweiler am Trifels. Die Evangelische Kirche der Pfalz zieht sich offenbar als Träger des Evangelischen Trifels-Gymnasiums (ETGA) in Annweiler zurück. Nach Informationen des Südwestrundfunks (SWR) hat die Landessynode am Donnerstag beschlossen, die kirchliche Trägerschaft der Schule aufzugeben. Das Gymnasium soll demnach möglichst zum Schuljahr 2027/28 in staatliche Trägerschaft übergehen. Sollte das Land Rheinland-Pfalz die Schule nicht übernehmen, droht nach Angaben des SWR sogar die Schließung des Gymnasiums. Eine offizielle Mitteilung der Evangelischen Kirche der Pfalz lag zunächst noch nicht vor.
Entscheidung nach monatelanger Debatte
Die Entscheidung fiel während der Frühjahrstagung der Landessynode in Speyer. Seit Monaten wurde über die Zukunft des einzigen evangelischen Gymnasiums der Pfalz diskutiert. Schüler, Eltern, Lehrkräfte sowie zahlreiche Kommunalpolitiker hatten sich wiederholt für den Erhalt der kirchlichen Trägerschaft eingesetzt. Noch am Dienstag hatten Landkreis Südliche Weinstraße, Verbandsgemeinde Annweiler, die Städte Annweiler und Landau sowie der Protestantische Kirchenbezirk Landau in einer gemeinsamen Stellungnahme an die Synodalen appelliert, an der Schule festzuhalten. Die Unterzeichner bezeichneten die kirchliche Trägerschaft als „sinnvoll, möglich und bezahlbar“.
Kirche verweist auf Sparzwang
Die Landeskirche begründet den Schritt mit ihrer angespannten finanziellen Lage. Nach eigenen Angaben müsse sie jährlich bis zu 1,5 Millionen Euro für den Betrieb der Schule aufbringen. Sinkende Mitgliederzahlen und rückläufige Einnahmen hätten den Sparzwang in den vergangenen Jahren deutlich verschärft. Mehrere Synodale verwiesen dem Bericht zufolge darauf, dass die Landeskirche bis zum Jahr 2035 rund 60 Millionen Euro einsparen müsse. Der Speyerer Dekan Arne Dembek erklärte laut SWR, Verzicht und das Aufgeben von Aufgaben seien notwendig, wenn die Kirche langfristig überleben wolle.
Argumente der Befürworter ohne Erfolg
Befürworter eines Verbleibs in kirchlicher Trägerschaft hatten zuletzt darauf verwiesen, dass der tatsächliche Zuschussbedarf deutlich niedriger ausfallen könnte als von der Landeskirche angenommen. Nach Berechnungen der Schulleitung sollte dieser bis 2029 auf rund 315.000 Euro sinken. Zudem hatte der Landkreis Südliche Weinstraße seine finanzielle Unterstützung deutlich ausgeweitet. Die Mehrheit der Synodalen folgte dieser Argumentation jedoch nicht. Maßgeblich sei auch ein Beschluss aus dem vergangenen Jahr gewesen. Demnach sollte die Schule nur dann in kirchlicher Trägerschaft bleiben, wenn dies kostenneutral möglich sei.
Enttäuschung bei Schülern und Eltern
Die Entscheidung löste bei vielen Vertretern der Schulgemeinschaft Enttäuschung aus. Vor Beginn der Sitzung hatten nach Angaben des SWR rund 40 Schüler, Eltern und Lehrkräfte vor dem Tagungsort in Speyer demonstriert. Auf ihren Plakaten war unter anderem zu lesen: „Bildung ist kein Kostenpunkt – sie ist ein Versprechen.“ Die stellvertretende Elternsprecherin Monika Doppler-Meyer zeigte sich laut SWR erschüttert über die Entscheidung. Man habe sich mehr Mut und Solidarität mit den Kindern gewünscht. Auch Schülersprecherin Paulina Martin äußerte Sorgen um die Zukunft der Schule. Schulleiter Steffen Jung befürchtet, dass viele Schüler durch die Entscheidung Vertrauen in die Kirche verlieren könnten.
Zukunft weiter offen
Trotz des Synodenbeschlusses ist die Zukunft des Trifels-Gymnasiums noch nicht endgültig geklärt. Entscheidend wird nun sein, ob das Land Rheinland-Pfalz bereit ist, die Schule zu übernehmen. Nach Informationen des SWR enthält der Beschluss eine Klausel, wonach das Gymnasium geschlossen werden könnte, falls keine staatliche Übernahme zustande kommt. Für die rund 700 Schülerinnen und Schüler bedeutet das weiterhin Unsicherheit.
Autor:Erik Stegner aus Landstuhl |
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.