Blinden-Wanderwoche: Blinde meistern den Pfälzerwald
- Die Teilnehmer der Blinden-Wanderwoche erkunden bei sechs Touren die Südpfalz und den Pfälzerwald. Ausgangspunkt ist das Turnerjugendheim in Annweiler.
- Foto: Wintergerst
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Sie wandern dieselben Wege wie sehende Menschen – bewusst ohne vereinfachte Strecken. Die Blinden-Wanderwoche rund um Annweiler räumt mit Vorurteilen auf und zeigt, dass Inklusion auch im Pfälzerwald selbstverständlich sein kann.
Von Erik Stegner
Annweiler. Das Turnerjugendheim in Annweiler wird vom 17. bis 24. Juli zum Ausgangspunkt einer besonderen Wanderwoche. 25 blinde und sehbehinderte Teilnehmer starten von dort zu sechs Touren durch den Pfälzerwald und die Südpfalz – auf denselben Wegen wie sehende Wanderer.
Annweiler als idealer Standort
Organisiert wird die Wanderwoche von Wanderführer sowie Natur- und Landschaftsführer Rudi Wintergerst aus Rheinzabern. Nach der Premiere im vergangenen Jahr in Kandel wurde die Veranstaltung nach Annweiler verlegt. Wintergerst bezeichnet den neuen Standort als ideal. Das Turnerjugendheim biete die Möglichkeit, die gesamte Gruppe mit ihren Begleitpersonen unter einem Dach unterzubringen. Von dort aus seien zudem viele Wanderziele in der Region gut erreichbar. Die Teilnehmer wohnen während der gesamten Woche im Turnerjugendheim und starten von dort täglich zu ihren Wanderungen.
- Den Wald mit allen Sinnen erleben: Während einer Wanderung erkunden die Teilnehmer einen mächtigen Baum auch durch Tasten und Fühlen.
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Keine Sonderwege für Blinde
Viele der Teilnehmer sind blind, andere schwer sehbehindert. Die meisten bewegen sich auf den Wanderungen selbstständig. Je nach persönlichem Bedarf werden sie von einem Lebenspartner, einer Begleitperson oder einem Blindenführhund unterstützt. „Blinde sind im Wald viel sicherer, als man meint“, sagt Wintergerst. Mit der Wanderwoche möchte der 71-Jährige auch ein verbreitetes Vorurteil abbauen. Blinde und sehbehinderte Menschen seien keineswegs hilflos oder auf das Zuhause beschränkt. Sie bewältigten Touren, die sich nicht von den Wanderungen sehender Menschen unterscheiden. Entscheidend sei nicht die Einschränkung, sondern die passende Unterstützung. Jeder blinde Mensch habe andere Bedürfnisse. Manche orientierten sich mit kurzen verbalen Hinweisen, andere über Berührungen oder eine Führleine.
Normale Touren statt Sonderprogramm
Auf dem Programm stehen Wanderungen zum Storchenzentrum Bornheim und in die Queichwiesen, auf dem Richard-Löwenherz-Weg rund um Annweiler, zum Orensfels und zur Landauer Hütte, durch die Weinberge der Südpfalz, auf dem Schusterpfad bei Hauenstein sowie zu den Burgen Trifels, Anebos und Münz. Die Tagesetappen sind zwischen acht und 15 Kilometern lang und entsprechen bewusst ganz normalen Wanderungen. Speziell angepasste oder verkürzte Strecken gibt es nicht. An den Wochenendtouren nehmen im Durchschnitt rund 20 Personen teil. Unter der Woche wächst die Gruppe mit Begleitpersonen und Studenten auf etwa 30 Teilnehmer an.
- Prominente Unterstützung: Der ehemalige rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (Zweiter von rechts) führte im vergangenen Jahr eine Tagesetappe der Blinden-Wanderwoche.
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Leitfaden für Wandervereine
Begleitet wird die Wanderwoche an den Werktagen von Studenten der Technischen Universität Kaiserslautern. Gemeinsam mit Wintergerst beobachten sie, welche Unterstützung sich auf den Touren bewährt und worauf Wandervereine beim Umgang mit blinden und sehbehinderten Menschen achten sollten. Aus den Erfahrungen soll ein praxisnaher Leitfaden entstehen, der Wandervereinen Hilfestellung gibt und Berührungsängste abbauen soll. Ziel der Kooperation ist es, inklusive Wanderangebote künftig einfacher und selbstverständlicher zu machen.
Mehr als eine Wanderwoche
Für Wintergerst ist die Veranstaltung weit mehr als ein Freizeitangebot. Er möchte zeigen, dass blinde und sehbehinderte Menschen aktiv am gesellschaftlichen Leben teilnehmen und auch anspruchsvolle Wanderungen meistern können. „Wandern ist für alle da und niemand sollte ausgeschlossen sein“, lautet seine Überzeugung. Nach der Premiere im vergangenen Jahr in Kandel soll die Blinden-Wanderwoche künftig an wechselnden Orten stattfinden. Darüber hinaus plant Wintergerst weitere inklusive Wanderveranstaltungen in der Pfalz. Kontakt zu Rudi Wintergerst
Die sechs Touren der Blinden-Wanderwoche
- 18. Juli: Storchenzentrum Bornheim und Queichwiesen, 8 Kilometer, 25 Höhenmeter
- 19. Juli: Richard-Löwenherz-Weg, 12,4 Kilometer, 490 Höhenmeter
- 20. Juli: Orensfels, Landauer Hütte und Walddusche, 15 Kilometer, 480 Höhenmeter
- 21. Juli: Durch die Weinberge der Südpfalz, 9 Kilometer, 220 Höhenmeter
- 22. Juli: Schusterpfad bei Hauenstein, 14 Kilometer, 389 Höhenmeter
- 23. Juli: Trifels, Anebos und Münz, 11 Kilometer, 320 Höhenmeter
Autor:Erik Stegner aus Landstuhl |
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