Das Handwerk der Melancholie
Simon Verhoevens „Ach, diese Lücke...“ ist ein Triumph der Ambivalenz

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[b]Kann man die Leere füllen, indem man sie auf die Leinwand bannt? Simon Verhoeven wagt sich mit der Verfilmung von Joachim Meyerhoffs Bestseller „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“ an einen Stoff, der so exzentrisch wie zerbrechlich ist. Das Ergebnis ist ein Paradebeispiel für strukturelles Erzählen, das Herz und Verstand gleichermaßen trifft.

Wer die Romane von Joachim Meyerhoff kennt, weiß um die Herausforderung: Die Sprache ist der Star. Wie übersetzt man diese assoziative, humorvolle und zutiefst traurige Prosa in ein Medium, das von äußeren Konflikten lebt? Simon Verhoeven hat die Antwort gefunden, indem er sich auf die stabilste aller Erzählformen besinnt: die klassische 8-Sequenzen-Struktur, eingebettet in eine hochemotionale Drei-Akt-Anatomie.
Wie viel Raum darf die Melancholie im Kino einnehmen? Regisseur Simon Verhoeven liefert mit der Verfilmung von Joachim Meyerhoffs „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“ eine Antwort, die so klug wie berührend ist. Er verwandelt ein autobiografisches Labyrinth in ein universelles Porträt über das Erwachsenwerden und das Abschiednehmen.

München in den späten 80er-Jahren: Für den jungen Joachim (Alexander) fühlt sich die Welt wie ein zu großes Kostüm an. Er wird überraschend an einer Elite-Schauspielschule aufgenommen, doch während er dort als vermeintlicher „Klotz“ an den abstrakten Übungen seiner Dozenten verzweifelt, findet sein wahres Leben woanders statt. Er zieht in die herrschaftliche Villa seiner Großeltern Inge und Hermann – und damit in ein Paralleluniversum aus festen Ritualen, Whiskey-Sodas und einer Liebe, die keine Worte braucht.

Ein schauspielerisches Gipfeltreffen
Das Herzstück dieses Films ist das Zusammenspiel von Senta Berger und Michael Wittenborn. Es ist eine schiere Freude, diesen beiden Virtuosen zuzusehen. Berger spielt die Großmutter Inge mit einer Mischung aus aristokratischer Distanz und mütterlicher Wärme, während Wittenborn als Hermann die perfekte Verkörperung eines Mannes ist, der zwischen äußerlicher Erstarrung und innigster Vertrautheit mit seiner Frau lebt.

Gemeinsam zelebrieren sie einen Alltag, der aus der Zeit gefallen scheint. Simon Verhoeven gelingt hier das Kunststück, diese exzentrischen Figuren niemals der Lächerlichkeit preiszugeben. Er blickt mit der liebevollen Nostalgie eines Enkels auf sie, ohne die Brüche und die Einsamkeit des Alters zu verschweigen.

Zwischen Komik und tiefer Tragik

Der Film besticht durch sein rhythmisches Wechselspiel. Auf der einen Seite steht die oft absurde, fast karikaturhafte Welt der Schauspielschule, in der Joachim um seine künstlerische Identität ringt. Auf der anderen Seite die Stille der Villa, in der die Zeit stillzustehen scheint. Doch genau in diesen Kontrasten entfaltet der Film seine größte Kraft: Tragik und Komik spielen hier nicht gegeneinander, sondern verstärken sich gegenseitig.

Besonders hervorzuheben ist, wie sensibel Verhoeven mit dem Thema Verlust umgeht. Die „entsetzliche Lücke“, die der Titel beschwört – ein Zitat aus Goethes Werther –, wird im Film nicht einfach mit billigen Antworten gefüllt. Der Film hält diesen Schmerz aus. Er zeigt uns, dass Identität nicht bedeutet, die Lücken im Leben zu schließen, sondern zu lernen, mit ihnen zu existieren.

Fazit
Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke ist ein seltenes Glück im deutschen Kino. Es ist ein ebenso sensibles wie selbstbewusstes Porträt über Selbstzweifel und die fragile Suche nach dem eigenen Platz in der Welt. Getragen von herausragenden Darsteller:innen und einem spürbaren Respekt vor der literarischen Vorlage, bleibt dieser Film noch lange im Gedächtnis, wenn das Licht im Saal schon längst wieder angegangen ist.Kann man die Leere füllen, indem man sie auf die Leinwand bannt? Simon Verhoeven wagt sich mit der Verfilmung von Joachim Meyerhoffs Bestseller „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“ an einen Stoff, der so exzentrisch wie zerbrechlich ist. Das Ergebnis ist ein Paradebeispiel für strukturelles Erzählen, das Herz und Verstand gleichermaßen trifft.[/b]

Wer die Romane von Joachim Meyerhoff kennt, weiß um die Herausforderung: Die Sprache ist der Star. Wie übersetzt man diese assoziative, humorvolle und zutiefst traurige Prosa in ein Medium, das von äußeren Konflikten lebt? Simon Verhoeven hat die Antwort gefunden, indem er sich auf die stabilste aller Erzählformen besinnt: die klassische 8-Sequenzen-Struktur, eingebettet in eine hochemotionale Drei-Akt-Anatomie.
Wie viel Raum darf die Melancholie im Kino einnehmen? Regisseur Simon Verhoeven liefert mit der Verfilmung von Joachim Meyerhoffs „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“ eine Antwort, die so klug wie berührend ist. Er verwandelt ein autobiografisches Labyrinth in ein universelles Porträt über das Erwachsenwerden und das Abschiednehmen.

München in den späten 80er-Jahren: Für den jungen Joachim (Alexander) fühlt sich die Welt wie ein zu großes Kostüm an. Er wird überraschend an einer Elite-Schauspielschule aufgenommen, doch während er dort als vermeintlicher „Klotz“ an den abstrakten Übungen seiner Dozenten verzweifelt, findet sein wahres Leben woanders statt. Er zieht in die herrschaftliche Villa seiner Großeltern Inge und Hermann – und damit in ein Paralleluniversum aus festen Ritualen, Whiskey-Sodas und einer Liebe, die keine Worte braucht.

Ein schauspielerisches Gipfeltreffen
Das Herzstück dieses Films ist das Zusammenspiel von Senta Berger und Michael Wittenborn. Es ist eine schiere Freude, diesen beiden Virtuosen zuzusehen. Berger spielt die Großmutter Inge mit einer Mischung aus aristokratischer Distanz und mütterlicher Wärme, während Wittenborn als Hermann die perfekte Verkörperung eines Mannes ist, der zwischen äußerlicher Erstarrung und innigster Vertrautheit mit seiner Frau lebt.

Gemeinsam zelebrieren sie einen Alltag, der aus der Zeit gefallen scheint. Simon Verhoeven gelingt hier das Kunststück, diese exzentrischen Figuren niemals der Lächerlichkeit preiszugeben. Er blickt mit der liebevollen Nostalgie eines Enkels auf sie, ohne die Brüche und die Einsamkeit des Alters zu verschweigen.

Zwischen Komik und tiefer Tragik

Der Film besticht durch sein rhythmisches Wechselspiel. Auf der einen Seite steht die oft absurde, fast karikaturhafte Welt der Schauspielschule, in der Joachim um seine künstlerische Identität ringt. Auf der anderen Seite die Stille der Villa, in der die Zeit stillzustehen scheint. Doch genau in diesen Kontrasten entfaltet der Film seine größte Kraft: Tragik und Komik spielen hier nicht gegeneinander, sondern verstärken sich gegenseitig.

Besonders hervorzuheben ist, wie sensibel Verhoeven mit dem Thema Verlust umgeht. Die „entsetzliche Lücke“, die der Titel beschwört – ein Zitat aus Goethes Werther –, wird im Film nicht einfach mit billigen Antworten gefüllt. Der Film hält diesen Schmerz aus. Er zeigt uns, dass Identität nicht bedeutet, die Lücken im Leben zu schließen, sondern zu lernen, mit ihnen zu existieren.

Fazit
Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke ist ein seltenes Glück im deutschen Kino. Es ist ein ebenso sensibles wie selbstbewusstes Porträt über Selbstzweifel und die fragile Suche nach dem eigenen Platz in der Welt. Getragen von herausragenden Darsteller:innen und einem spürbaren Respekt vor der literarischen Vorlage, bleibt dieser Film noch lange im Gedächtnis, wenn das Licht im Saal schon längst wieder angegangen ist.

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Autor:

Uwe Marcus Rykov aus Wochenblatt Rhein-Neckar

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