Absturz im Tiefflug
Peter Pan’s Neverland Nightmare
- Foto: Peter Pan’s Neverland Nightmare
- hochgeladen von Uwe Marcus Rykov
Nachdem „Winnie the Pooh: Blood and Honey“ die Büchse der Pandora für billige Horror-Adaptionen von Kinderbuchklassikern geöffnet hat, folgt nun der nächste Tiefpunkt: Scott Jeffreys „Peter Pan’s Neverland Nightmare“. Wer gehofft hatte, dem Slasher-Genre würde hier eine originelle Note verliehen, wird enttäuscht. Der Film ist kein Albtraum im gruseligen Sinne, sondern ein handwerkliches Fiasko.
Die Prämisse des „Twisted Childhood Universe“ ist mittlerweile so vorhersehbar wie ermüdend: Man nehme eine unschuldige Kindheitsfigur, gebe ihr eine tragische Hintergrundgeschichte und verwandle sie in einen degenerierten Serienkiller. In diesem Fall ist Peter Pan (Martin Portlock) ein psychpathischer Entführer, der Kinder in sein „Neverland“ verschleppt – ein heruntergekommenes Versteck, das rein gar nichts mit der Magie von J.M. Barries Vorlage zu tun hat.
Wenn Schock-Effekte ins Leere laufen
Regisseur Scott Jeffrey versucht verzweifelt, durch provokante Umdeutungen zu punkten, schießt dabei aber weit über das Ziel hinaus. Dass die Fee Tinkerbell hier als entführter, traumatisierter Junge namens Timmy dargestellt wird, der von Peter mit Heroin gefügig gehalten wird, ist kein mutiger narrativer Kniff, sondern wirkt wie der plumpe Versuch, durch reinen „Edgelord“-Humor zu schockieren. Diese pseudorealistische Grausamkeit raubt der Geschichte jegliche Atmosphäre und ersetzt Grusel durch bloßen Ekel vor der Einfallslosigkeit des Drehbuchs.
Dramaturgischer Blindflug
Die Handlung schleppt sich mühsam voran. Wendy (Megan Placito) begibt sich auf die Suche nach ihrem Bruder Michael, doch die Logik bleibt dabei meist auf der Strecke. Die Einführung von Tiger Lily als beste Freundin und ein völlig deplatzierter Cameo von James Hook, der seit 15 Jahren im Keller festsitzt, wirken wie hastig zusammengeschusterte Versatzstücke, um die Fan-Checkliste abzuarbeiten.
Besonders schmerzhaft ist die visuelle Umsetzung. Anstatt das Grauen subtil aufzubauen, verlässt sich der Film auf billige Jump-Scares und eine Optik, die kaum über das Niveau einer ambitionierten Fan-Produktion hinauskommt. Martin Portlock bemüht sich zwar um eine bedrohliche Darstellung des Peter Pan, kämpft aber gegen ein Skript an, das seiner Figur keinerlei echte Tiefe verleiht.
Fazit: Bitte nicht erwachsen werden – oder einfach nicht einschalten
Peter Pan’s Neverland Nightmare ist das perfekte Beispiel für das aktuelle Problem des „Public Domain Horror“: Man nutzt bekannte Namen, um schnelles Geld zu machen, ohne eine Geschichte zu erzählen, die es wert wäre, gehört zu werden. Der Cliffhanger am Ende wirkt weniger wie eine Drohung von Peter Pan, sondern eher wie eine Drohung an das Publikum, dass weitere Fortsetzungen folgen könnten.
Dieser Film ist eine Bruchlandung ohne Sicherheitsnetz. Wer das Original von J.M. Barrie liebt, sollte einen großen Bogen um dieses „Neverland“ machen. Manche Kindheitserinnerungen sollten einfach unberührt bleiben.
Autor:Uwe Marcus Rykov aus Wochenblatt Rhein-Neckar |
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.