Lana Hartmann aus Böhl-Iggelheim im Interview

Lana Hartmann  Foto: Hartmann

Böhl-Iggelheim. Sie ist jung, temperamentvoll und voller Tatendrang. „Ich bin ready für die Bühne und die Welt“, sagt die aus Böhl-Iggelheim stammende und dort wohnende Sopranistin Lana Hartmann. Wir sprachen mit der sympathischen jungen Sängerin über die Zukunft des klassischen Konzertbetriebs und ihre Leidenschaft für die Oper.

Von Markus Pacher

??? Frau Hartmann, wann haben Sie ihre Leidenschaft für die Musik entdeckt?
Lana Hartmann: Obwohl ich nicht gerade aus einem musikalischen Elternhaus stamme, hatte ich schon immer gerne gesungen, war bereits mit sieben Jahren im Chor und nahm mit zehn Jahren auf meinen Wunsch hin Gesangsunterricht. Meine Mutter war anfänglich allerdings wenig begeistert, da ich als super energetischer Mensch ja bereits tausend andere Hobbys hatte. Und da ich gleichzeitig sehr emotional bin, habe ich mich schon früh auf der Bühne zuhause gefühlt. Mich fasziniert es, wenn sich der Vorhang öffnet und das Licht angeht. Das ist für mich wahnsinnig erfüllend, da hängt mein ganzes Herz dran. Gesang ist ja etwas sehr Persönliches und heute bin ich voller Tatendrang, fühle mich sozusagen „ready“ für die Welt und die Bühne.

??? Wie sieht ihr Alltag als freischaffende Künstlerin aus? Geben sie auch Gesangsunterricht?
Lana Hartmann: Neben meinem Einsatz im Sopranregister des Extrachors des Pfalztheaters Kaiserslautern und meiner Beteiligung am Projekt „Opernretter“ ergeben sich immer wieder Auftrittsmöglichkeiten wie zum Beispiel mein „Heimspiel“ am 3. Oktober an der Seite des Ensembles „Salonissimo“ im Sängerheim Böhl, für das mich der MGV Böhl verpflichtet hat. Außerdem erteile ich privat und an der Musikschule Sascha Leicht in Böhl-Iggelheim Gesangsunterricht.

??? „Opernretter“? Klingt interessant. Erzählen Sie mir bitte näheres über dieses Projekt.
Lana Hartmann: Das Projekt „Opernretter“, an dem ich seit 2021 mitwirke, bereitet mir großen Spaß. Es ist für mich ein absoluter Traumjob. Dabei sammle ich viel Bühnenerfahrung – denn regelmäßig auf der Bühne zu stehen, ist sehr wichtig für uns Künstler. Und es ist schön zu sehen, wie sich die Kinder allen Unkenrufen zum trotz für die Musik und die Oper begeistern. Bei den Vorstellungen sind die Kinder begeistert und können kaum glauben, wie laut und hoch eine Sopranstimme klingt. Neben den Vorstellungen bieten wir auch Projektwochen an. Hier arbeiten wir eine ganze Woche mit unseren Grundschulkindern. Dabei lernen sie den kompletten Opernbetrieb kennen, angefangen mit dem Bühnenaufbau und der Kostümierung, bis hin zum Theaterspiel und der Musik. Als Tourneetheater mit Sitz in Schwetzingen sind wir in ganz Deutschland unterwegs.

??? In welcher Besetzung treten Sie auf und von wem stammen die Stücke?
Lana Hartmann: Meine Chefin Tanja Hamleh erstellt die Stücke in Zusammenarbeit mit Komponisten und Textern. Unser aktuelles Repertoire besteht aus vier Kinderopern und trägt die Titel „Edgar, das gruselige Schlossgespenst“, „Aida und er magische Zaubertrank“, „Papageno und die Zauberflöte“ und „Es war einmal“ in Gestalt eines Märchen-Potpourris. Dabei handelt sich jeweils um einstündige Kinderopernarrangements, in denen Abenteuergeschichten und bekannte Opernmelodien verarbeitet werden. Die Stücke sind mit einer Sopranstimme und einem Bariton besetzt, die instrumentale Begleitung erfolgt nicht live sondern als Playback.

??? Wie haben Sie die Coronazeit überstanden?
Lana Hartmann: Blöderweise fiel der Ausbruch der Pandemie genau in die Zeit, als ich gerade mein Musikstudium an der Hochschule für Theater und Musik Rostock beendet hatte. Mein erstes Projekt „Operation der Künste“ in Berlin, an dem ich im Februar/März 2020 die Rolle der Marcellina in der Mozart-Oper „Die Hochzeit des Figaro“ übernehmen sollte, fiel der Pandemie zum Opfer. In dieser Zeit fanden wenige Vorsingen statt und die Bewerbungen liefen dann nicht persönlich, sondern per Video ab, was ich als wenig angenehm empfand. Schließlich entschied ich mich, die Zeit zu nutzen, um Kulturmanagement zu studieren - was ich zunächst als Verrat an meinen Idealen empfand, sozusagen, als würde ich aufgeben wollen. Denn eigentlich wollte ich ja von Kindheit an nichts anderes, als Sängerin werden. Im Nachhinein hat sich das Zusatzstudium, das ich demnächst mit meiner Masterarbeit abschließen werde, gelohnt: Es hat mir andere Blickweisen auf den Kulturbetrieb ermöglicht, die sich im Künstleralltag als sehr nützlich erweisen: Wie stelle ich Programme zusammen, wie organisiere ich Konzerte, wie komme ich an Fördergelder etc.

??? Was geben Sie jungen Musikern mit auf den Weg, um ihr Lampenfieber in den Griff zu bekommen?
Lana Hartmann: Wichtig ist es, sich nicht klein zu machen und sich von dem Druck nach Perfektion, der in unserer Branche zuweilen unüberwindbar groß erscheint, zu befreien. Mit anderen Worten: Man sollte sich von der Vorstellung, dass alles perfekt sein muss, lösen. Sonst macht man sich ständig selbst fertig und baut negative Emotionen auf. Für mich ist der mentale Aspekt von großer Bedeutung: Sich immer wieder bewusst machen, dass man über ein großes Potenzial verfügt und nicht ständig den Fokus darauf ausrichtet, was noch nicht funktioniert. Mit der sogenannten EFT-Technik schaffe ich es, mich mental richtig einzustellen.

??? EFT-Technik? Was darf man darunter verstehen?
Lana Hartmann: EFT steht für Emotional Freedom Technique und ist eine einfache und sehr wirkungsvolle Methode, um Ängste und Stress zu reduzieren. Es ist leicht anwendbar und basiert auf dem Abklopfen verschiedener Akkupunkturpunkte wie zum Beispiel dem Handrücken. Dabei geht man durch negative Emotionen und wandelt sie in positive Energien um.

??? Zum Abschluss noch eine Frage, die momentan in der Klassikszene heiß diskutiert wird. Viele sprechen vom Aussterben des klassischen Konzerts im Allgemeinen und der Oper im Besonderen. Wie lautet ihre Prognose?
Lana Hartmann: Für mich ist die Oper die Verbindung aller Kunstformen. Nirgendwo sonst sind Themen wie Liebe, Hass und Tod so präsent. Themen, die immer noch genauso aktuell sind wie in früheren Zeiten. Nur müssen wir versuchen, dem jungen Publikum die Hemmschwellen zu nehmen, müssen neue Wege finden, um den klassischen Konzertbetrieb aufzulockern, ihm seine Steifheit und seine strenge Etikette zu nehmen und für jedermann zugänglich zu machen. Eine Schwelle, die meiner Meinung nach mit Hilfe neuer Formate durchaus überwindbar ist.

Vita

Lana Hartmann ist in Böhl-Iggelheim aufgewachsen und hat im Hannah-Arendt-Gymnasium in Haßloch ihr Abitur gemacht und danach ein Gesangsstudium an der Hochschule für Theater und Musik Rostock absolviert. Dort hat sie ebenfalls Kenntnisse in Bühnentanz, Steppen und Fechten erworben. Erste Bühnenerfahrungen konnte sie unter anderem im Pfalztheater Kaiserlautern und im Theater Vorpommern sammeln. Zur Zeit ist sie deutschlandweit mit dem Projekt „Opernretter“ unterwegs, das Grundschulkinder für das Musiktheater begeistern möchte.

Konzert

Wer Lana Hartmann live erleben möchte, erhält dazu am Montag, 3. Oktober, um 15 Uhr im Sängerheim in Böhl Gelegenheit, wenn sie mit dem aus Mitgliedern des Orchesters des Nationaltheaters Mannheims bestehenden Ensemble „Salonissimo“ eine kurzweilige Operetten-Gala gestaltet. Gastgeber ist der MGV 1856 Böhl. Der Eintritt kostet 17.50 Euro inklusive Kaffee und einem Stück Kuchen. Karten gibt es im Vorverkauf jeweils Sonntag von 11-13 Uhr im Sängerheim, Schulgässchen 3, in Böhl. Eine telefonische Kartenreservierung ist auch unter der Nummer 0160 3277150 möglich. 

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Autor:

Markus Pacher aus Neustadt/Weinstraße

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