Grauenhaftes „Grusical“ mit 30 jungen Blutsaugern:
Vampire erobern die Realschule Waghäusel

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Waghäusel. Hamburg gilt als Deutschlands Musicalhauptstadt. Vielleicht schafft es das etwas kleinere Waghäusel, speziell mit seiner Schar talentierter Schauspieler und begnadeter Sänger, zur Grusicalhauptstadt? Stürmischer Beifall des Publikums bei allen vier Aufführungen unterstich, dass die Akteure auf dem besten Weg dorthin sind.
Beste Voraussetzungen bringen die jungen Künstler mit. Auch das Ambiente passt. Särge auf der Bühne, mal leer, mal mit Untoten belegt, Spinnen an den Wänden, alles gespenstisch dunkel. Etwa zwei Dutzend angsteinflößende Vampire und Vampirchen sind pro Abend zu sehen und zu fürchten. Die Blutsauger fühlen sich wohl in dem nordbadischen Flecken Neu-Transsilvanien, Zentrale der Zombies, die Knoblauch und Sonnenlicht so meiden. Unheimliche Gestalten mit Blutspuren an den Mundwinkeln, mit spitzen Eckzähnen und mit fledermausähnlichen Frisuren treiben ihr Unwesen.
Gezeigt wird im Forum der Johann-Peter-Hebel-Realschule mit „Blutwig und Ludwig“ eine durch und durch witzige, dennoch schaurige und zugleich lehrreiche Vorstellung. Die Leitung haben die beiden Musiklehrer Michael Bender und Jochen Gießer übernommen und entführen in die Welt der Finsternis und Unsterblichkeit. Die Crew der Nachtgestalten entsteigt plötzlich ihren Särgen und sucht sich unter den Lebenden die Opfer.
Erwartungsgemäß treten in diesem packenden Musical voller Humor und Spannung verschiedene Mitglieder einer Vampirfamilie auf. Zum 30-köpfigen Ensemble gehören Jungs und Mädchen der Klassen 5 bis 10, die das etwa eineinhalbstündige Musical gleich vier Mal im Foyer der Realschule zum Besten geben – jeweils vor begeistertem Publikum. Die große Besonderheit: Alle 14 diffizilen Rollen sind doppelt besetzt. Neun Songs, darunter der „Blutsong“ und der „Gruftsong“, machen das Vampir-Musical zu einem Top-Erlebnis.
Um was geht’s in dem vampirischen Stück? Der junge zartbesaitete Blutwig kann kein Blut sehen und bevorzugt stattdessen alternativen Rote-Beete-Saft. Der saugende Familienclan findet den „Vegetarier“ mehr als peinlich. In ihrer Not sucht Blutwigs Mama erste Hilfe beim großen Psychologen Zuckerzahn, doch der wird nach der ersten Behandlung selbst schwach und greift heimlich zum Saft.
Doch dann kommt die Wendung, als Blutwig den einsamen Schuljungen und Stotterer Ludwig kennenlernt und mit ihm Freundschaft schließt. Gemeinsam widmen sie sich der Musik. Dabei macht Ludwig eine interessante Entdeckung: „Wenn ich singe, muss ich nicht stottern.“ Doch das interessiert die Vampire weniger, mehr interessieren sie sich für seine Blutgruppe.
Am Ende des gruseligen Spektakels steht ein Happyend: Die kleinen Vampire suchen nachts Ludwigs Eltern im Schlafzimmer auf, ermahnen diese – freundlich und doch bestimmt -, nehmen ihnen das Versprechen ab, sich besser um ihren Sohn zu kümmern. Und ganz zum Schluss ist zu erfahren: „Der Rote-Bete-Saft schmeckt fast wie die Blutgruppe A“, stellen die gierigen Bluttrinker fest und zeigen sich schließlich einig, dass jeder das trinken darf, was er mag, „denn jeder hat das Recht, anders zu sein.“
Jeder der Künstler zeigte sich hochmotiviert, vor allem brillierten die Hauptdarsteller. Spitzenmäßig setzte sich der Stotterer in Szene. Viele helfenden Hände – von der Technik bis zur Instrumentalmusik, von den Kulissengestaltern bis zu den Maskenbildnern - trugen zum runden Gesamterfolg bei.

Autor:

Werner Schmidhuber aus Waghäusel

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