Pflege eines schönen alten Brauchtums
Maibaum-Aufstellung mit Musik in der Wiesentaler Ortsmitte

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Wiesental. Die Maibaumaufstellung in Wiesental und das Maifest auf dem Marktplatz haben sich zu einem wichtigen kulturellen Termin im Jahresreigen etabliert. Einen, wie es heißt, schönen alten Brauch pflegen der Handwerk- und Gewerbeverein und der Musikverein „Harmonie“. In der Ortsmitte von Wiesental steht auch 2019 ein Maibaum, wie schon vor über 100 Jahren. Allerdings sieht er diesmal etwas „verstrubbelt“ aus, was von Betrachtern beanstandet wird. Als Frühlingssymbol reicht die Tradition der Maibäume in Deutschland ins 13. Jahrhundert zurück.
In alten Kulturen sahen die Menschen darin ein Gleichnis des Lebens und seiner Gesetze. Die Römer weihten den Monat Mai der Göttin des Wachstums und der Fruchtbarkeit, die Maia hieß und dem Monat ihren Namen gab. Exakt am 1. Mai feierte man ihr Fest: mit einer Baumaufstellung und mit ausgelassenen Tänzen. Brauchtumsforscher sehen sogar einen Zusammenhang mit dem irischen Beltanefest. Die Männer fällten einen hohen Baum, die Frauen flochten den Kranz und die Bänder.
Zum 1. Mai haben früher die Orts-vereine den Eingangsbereich ihrer Stammlokale mit Maibäumen verziert. Und auf dem damaligen Marktplatz, dahinter noch der alte Friedhof, stand so um 1920 eine mindestens 20 Meter hohe geschälte Tanne mit grünem Wipfel und einem daran hängenden Kranz, an dem Bänder flatterten, wie auf einer alten Fotografie zu sehen ist. Irgendwann kam das Ende des Wiesentaler Maibaums.
1986 und - nach einer Pause – wieder 2007 ließ der Handwerk- und Gewerbeverein Wiesental, wie er damals verkündete, „einen alten schönen Brauch aufleben“ und präsentierte in der Ortsmitte wieder einen schmucken Maibaum.
In Süddeutschland ist die feierliche Aufstellung eines Baumstammes auf dem Dorfplatz üblich. Das spezielle Brauchtum im Mai mit dem damit verbundenen Dorf- oder Stadtfest, das in der Regel am letzten Tag des Aprils oder am 1. Mai stattfindet, ist noch stark verbreitet.
Daneben gibt es mitunter den Brauch, dass die jungen unverheirateten Männer eines Dorfes vor den Häusern unverheirateter Frauen kleinere Maibäume sogenannte „Maien“, als „Gunstbeweis“ aufstellen. Das war früher auch in Wiesental so gebräuchlich, dass junge Burschen am Haus ihrer Freundin oder Angebeteten einen Baum anbrachten. Meist handelte es sich um geschmückte Birken, wobei die Farbe der Bänder ursprünglich eine besondere Bedeutung besaß.
2019 hatte der Handwerk- und Gewerbeverein mit seinem Vorsitzenden Peter Bonsch, der die Gäste begrüßte, das Brauchtum gewürdigt und allen Beteiligten für die Vorbereitungen gedankt. Die Voraussetzungen für die komplikationslose Platzierung des Maisymbols schuf das Zimmerergeschäft Machauer, das den langen Baum mit Hilfe eines Krans sicher und souverän stellte.
Am unterhaltsamen Programm wirkten die Blasmusik-Orchester aus Kirrlach und Oberhausen mit, die „Töne Bruhrains“, die Feuerwehrkapelle Sulzfeld und das Wiesentaler Jugendorchester, die allesamt viel Beifall und Lob für ihre jeweiligen imposanten Auftritte bekamen.
Der Andrang am Vorabend des 1. Mai überraschte. Mehrere hundert Menschen hatten sich auf dem Marktplatz zur Aufstellung eingefunden. Schnell waren die Zelte des Musikvereins und vor allem die Bänke und Stehtische im Freien belegt.
Nach dem Grußwort des Stadtoberhaupts Walter Heiler und dem gelungenen Fassanstich feierten die Wiesentaler und die Besucher aus der Nachbarschaft feste das Fest. Am Tag darauf war ein „Parkfest & Radlertreff“ angesagt, der ebenso großen Zuspruch fand. Dank einer perfekten Organisation durch den Musikverein und den Gewerbeverein wurden der 1. Mai und der Vorabend erwartungsgemäß wieder zu einem überzeugenden Erfolg.

Autor:

Werner Schmidhuber aus Waghäusel

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