Interview mit Wolfgang Stegmüller von den Astronomiefreunden 2000
Grundstein gelegt: In Waghäusel entsteht eine neue Sternwarte

Hier entsteht die neue Sternwarte
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Waghäusel. Am Samstag wurde in Waghäusel der Grundstein zum Bau einer neuen Sternwarte gelegt. Wer baut da, braucht man so einen Bau überhaupt und was bringt diese neue Einrichtung der Allgemeinheit - Wochenblatt-Redakteurin Heike Schwitalla sprach darüber mit Wolfgang Stegmüller, dem Ersten Vorsitzenden des Vereins Astronomiefreunde 2000 Waghäusel.

???: Die Astronomiefreunde bauen eine Sternwarte. Wie und warum kam es zu dem Bau? Erzählen Sie kurz die Geschichte zu dem Projekt.
Wolfgang Stegmüller: Sicher hat jeder Sternfreund den Traum einer eigenen Sternwarte, und sei es nur ein kleines Gartenhäuschen, das er für sein Hobby nutzen kann. Ohne Sternwarte muss man immer seine Instrumente auf- und abbauen. Dadurch entsteht eine natürliche Grenze der Instrumentengröße. Alles muss so klein sein, dass es noch transportabel ist.Auch wir Astronomiefreunde Waghäusel tragen uns schon lange mit dem Gedanken an eine Sternwarte. Konkret sind wir nun seit fünf Jahren mit der Planung zu Gange. Dabei haben sich die baulichen Konzepte mehrfach geändert, bis wir beim heutigen Konzept angekommen sind.

Der Traum von der eigenen Sternwarte

???: Sagen Sie ein paar Worte zum Standort – wo wird gebaut und warum an dieser Stelle?
Stegmüller: Die Sternwarte entsteht außerhalb der Mauern des Eremitagegeländes aber immer noch in fußläufiger Distanz zur Waghäuseler Eremitage. Unser Verein hat seine Vereinsräume in einem der Kavaliershäuser, die um den Zentralbau der Eremitage angeordnet sind. Wir wollen die Sternwarte als Beobachtungs-Außenposten nutzen. Das heißt in den Vereinsräumen können wir zum Beispiel im Rahmen eines Vortrags auf die kommende Beobachtung einstimmen und danach fußläufig die Sternwarte aufsuchen. Auch in unserer Jugendarbeit ist die räumliche Nähe der beiden Gebäude von großem Vorteil.

Die Erhabenheit des funkelnden Sternenhimmels

???:Ist eine Sternwarte im Zeitalter von Internet und Multimedia überhaupt noch zeitgemäß?
Stegmüller: Gegenfrage, ist Reisen und in den Urlaub fahren in Zeiten von Google Street-View und Google Earth noch zeitgemäß? Ich weiß, diese Gegenfrage ist provokant, trifft den Nagel aber auf den Kopf. Man kann sich noch so viel im Internet ansehen. Manchmal sind die Bildeindrücke sogar schöner als in der Live-Beobachtung, aber kein Internet der Welt kann die Eindrücke und die Erhabenheit des funkelnden Sternenhimmels in einer dunklen Nacht auch nur ansatzweise wiedergeben. Das mag Ihnen möglicherweise fremd erscheinen, aber nur dann, wenn Sie noch nie eine sternklare Nacht unter freiem und dunklen Himmel erlebt haben. Die Seele schwingt sich auf und Sie fangen ganz von alleine über philosophische Dinge an zu sinnieren. Das wird Ihnen vor dem Bildschirm Ihres Computers im Leben nicht passieren. Probieren Sie es einfach einmal aus. Der Blick zum Sternenhimmel kostet nichts außer ein wenig Zeit und der Bereitschaft, sich diesem Abenteuer zu öffnen.

???: Was kostet der Bau und wer trägt sie Kosten?
Stegmüller: Die Baukosten werden mit allem drum und dran, also Gebäude und technischer Ausstattung, bei rund 80.000 Euro liegen. Von der Stadt Waghäusel erhalten wir einen Investitionskostenzuschuss in Höhe von 15 Prozent, also rund 12.000 Euro. Den Rest muss der Verein selbst stemmen. Zur Finanzierung haben wir zahlreiche örtliche und regionale Unternehmen mit Blick auf ein Sponsoring angesprochen, viele haben sich dankenswerter Weise bereit erklärt, uns zu unterstützen. 
Außerdem läuft seit rund zwei Jahren eine Spendenkampagne zur Finanzierung der Sternwarte. Über 100 Spenden mit einem sagenhaften Gesamtvolumen von über 21.000 Euro sind seither eingegangen. Dafür sind wir sehr dankbar. Als Dankeschön erhält jeder Spender eine Sternpatenschaft und natürlich eine Spendenbescheinigung für das Finanzamt, denn unser Verein ist Gemeinnützig. Eine Sternpatenschaft eignet sich auch sehr schön als Weihnachtsgeschenk - Weihnachten ist nah!
Mit seiner Spende schenkt uns jeder Spender nicht nur das so dringend benötigte Geld, sondern auch sein Vertrauen und seine Wertschätzung unseres Handelns. Dafür sagen wir von Herzen "Danke!"
Natürlich haben wir versucht an öffentliche Fördergelder zu kommen. Das war leider nicht möglich.

???:Wann ist die Fertigstellung geplant?
Stegmüller: Wir rechnen mit einer ungefähr einjährigen Bauzeit. das hängt aber auch ein wenig von der Finanzlage ab. Da aktuell noch etwas Geld fehlt könnte es sein, dass wir gegen Ende hin ein wenig nach Kassenlage bauen müssen. Wir sind aber nach wie vor eifrig daran, um Spenden und Sponsoren zu werben. Mit Glück und Eifer werden wir die Einweihung der Sternwarte im Spätjahr 2019 feiern können.

Es werden noch Spenden für den Bau gesammelt

???:Wird die Sternwarte der Öffentlichkeit zugänglich sein, wie ist der Betrieb geplant? Wird es Veranstaltungen/Programm geben?
Stegmüller: Wir machen schon sehr viel für die Öffentlichkeit. Da gibt es unsere monatlichen öffentlichen Sternführungen, immer am ersten Freitag im Monat. Natürlich laden wir zu besonderen Himmelsereignissen ein. So geschehen im Juli zur Mondfinsternis und im August zur Nacht der Sternschnuppen mit überaus großer Resonanz aus der Bevölkerung. Eines der Hauptziele der Sternwarte Waghäusel ist es, unsere Öffentlichkeitsarbeit noch attraktiver zu machen, um damit noch größere Teile der Bevölkerung zu erreichen und die Faszination für das Weltall weiter zu geben. Unserer Vereinsjugend (50 Kinder und Jugendliche) wird mit der Sternwarte die Möglichkeit für eigene Beobachtungsprojekte geschaffen. Die Astronomie ist eine sehr interdisziplinäre Wissenschaft. Über die Astronomie wollen wir unsere vielen jungen Mitglieder für Naturwissenschaften interessieren. Vielleicht wird der eine oder die andere dadurch ein naturwissenschaftliches Studium in Erwägung ziehen.

???: Vielen Dank für das interessante Gespräch.
Stegmüller: Vielen Dank für die Gelegenheit, unsere Sternwarte und das Bauprojekt vorzustellen.

Infos zur Spendenaktion und zum Verein

Wer sich über den Verein und die Arbeit der Astronomiefreunde informieren möchte und weitere Details zur Spendenaktion nachlesen will, findet auf der Internetseite des Vereins alle wichtigen Auskünfte.

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Wolfgang Stegmüller

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