BriMel unterwegs
Vernissage „Zwischen“ Himmel und Peter Brauchle
- Von links nach rechts: Christian Straube, Magret Gerdes-Pfeiffer, Gunda Schmulder und Peter Brauchle
- Foto: Brigitte Melder
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Wachenheim. Am 25. Oktober fand in der Wachenheimer Ludwigskapelle eine geradezu himmlische Vernissage statt. Bereits die silbern glänzende große Skulptur Richtung Eingang war richtungsweisend, was einen erwarten würde. Sonntags 11.15 Uhr in der Kapelle, in der das ansässige Standesamt von Wachenheim geschlossen war, denn bereits seit Dienstag wurde hier fleißig gearbeitet. Zuerst musste das Inventar des Standesamtes mit Hilfe des Bauhofes ausgeräumt werden. Danach sollte die Ausstellung aufgebaut werden. Und dann passierte es! Der „Herr der Skulpturen“, Peter Brauchle, wurde beim Ausladen jäh ausgebremst: Ein Muskelfaserriss machte ihm einen Strich durch die Rechnung. Nach einem kurzen Zwischenstopp beim Orthopäden war an schweres Heben und Tragen nicht mehr zu denken. Doch ans Aufgeben dachten alle nicht! Er behielt die „Oberaufsicht“ und koordinierte den weiteren Aufbau, während seine Frau Doris und Tochter Katerina gemeinsam mit den tatkräftigen Helfern des Kulturvereins Wachenheim (www.kulturverein-wachenheim.de). die Skulpturen in die Kapelle trugen. So war Teamarbeit gefragt – der Bildhauer gab die Richtung vor, und alle anderen packten an!
Nach all der Aufregung umso beeindruckender zu sehen was Peter Brauchle an wundervollen Skulpturen zum Thema „Zwischen“ erschaffen hat. Und wie man bei dem Dialog erfuhr, war „Zwischen“ in vielerlei Hinsicht zu entdecken zwischen Raum und Form, zwischen Material und Bewegung, zwischen dem Sichtbaren und dem, was offenbleibt.
Der Kulturverein beschreibt es so: Brauchles Arbeiten bewegen sich im Spannungsfeld von Material, Raum und Bewegung. Seine Skulpturen erzählen nicht alles – sie lassen Zwischenräume entstehen, fordern den Blick heraus und laden dazu ein, Formen immer wieder neu wahrzunehmen. Das „Dazwischen“ wird dabei zum eigentlichen Ort der Begegnung: zwischen Skulptur und Raum, zwischen Wahrnehmung und Vorstellung, zwischen dem, was sichtbar ist, und dem, was sich einer eindeutigen Deutung entzieht. Die besondere Atmosphäre der historischen Ludwigskapelle schafft dabei einen spannenden Dialog zwischen Architektur und zeitgenössischer Bildhauerei. Manchmal liegen Schmerz und Zuneigung ganz nah beieinander. Zwischen Dunkelheit und Geborgenheit, Verletzlichkeit und Nähe entstehen Räume, in denen Kunst berührt, bewegt und zum Innehalten einlädt. „Schmerz“ und „Zuneigung“ sind zwei Skulpturen, zwei Empfindungen und ein Raum für Begegnungen.
Peter Brauchle wurde 1970 in Weil am Rhein geboren, machte von 1987 bis 1990 eine Ausbildung zum Steinbildhauer in Mainz und ist seit 1997 als freischaffender Künstler in Lustadt selbständig. Peter Brauchles Arbeiten befinden sich unter anderem im öffentlichen Raum und in privaten Sammlungen in Deutschland und Europa. Etliche Preise und Wettbewerbe gewann er im Bereich Kunst am Bau, Kunstausstellungen, Kultursommer Rheinland-Pfalz und in Bildhauersymposien. Mitgliedschaften pflegt er beim BfB Baden-Württemberg, BBK Rheinland-Pfalz, Pfälzische Sezession und „apk“ Arbeitsgemeinschaft Pfälzer Künstler.
Trotz des zum Teil stürmischen regnerischen Wetters kamen die kunstinteressierten Gäste aus nah und fern, wollten sich dieses besondere Ereignis nicht entgehen lassen. Die Kapelle war voll wie wahrscheinlich schon lange nicht mehr. Magret Gerdes-Pfeiffer und Gunda Schmulder hatten sich gut vorbereitet, um im Dialog mit Peter Brauchle interessante Fragen zu seinen Arbeiten und Gedanken zu stellen, die der sympathische Künstler gerne beantwortete. Aber was wäre eine Vernissage von Peter Brauchle ohne seinen Freund und Wegbegleiter Christian Straube, der mit seiner Akustikgitarre für die musikalische Untermalung auf höchstem Niveau sorgte.
Unter den Gästen befand sich das Ehepaar Kaeshammer aus Fußgönheim. Ernst Kaeshammer kennt Peter Brauchle seit vielen Jahren und hatte in der Fußgönheimer Scheune vor 30 Jahren eine Ausstellung für ihn beim Kulturverein Fußgönheim organisiert. Das Paar Rist aus Wachenheim lebt in London, der in Amerika geborene Freund lebt in Berlin, gemeinsamer Treffpunkt Wachenheim, wo sie diese wundervolle Ausstellung besuchten. Die Mutter von Ursula Rist hatte 11 Jahre lang den Kulturverein geleitet. Der Bildhauer Christian H. Friederichs war eigens aus dem Kraichgau zur Vernissage gekommen. Salvatore Perna, ebenfalls Bildhauer, besuchte die Ausstellung gemeinsam mit seiner Gattin. Und selbst aus Athen hatten sich Besucher auf den Weg nach Wachenheim gemacht, um die Ausstellung zu erleben. Viele Blicke gingen nach oben, denn viele Skulpturen ragten nach oben, eine war sogar fast 5 Meter hoch.
Christian Straube führte mit seinem melodischen Gitarrenspiel in die Vernissage ein. Die Begrüßung übernahm die stellvertretende Vorsitzende des Kulturvereins Wachenheim Isabel Lübke mit einer wundervollen Ansprache. Es erfüllt sie im Namen des Vereins mit Stolz und Demut, dass sie bis heute die Tradition der Kunstausstellungen in der Ludwigskapelle fortsetzen können. Sie sind stolz, mit Peter Brauchle wieder ein Mitglied der ältesten Künstlervereinigung Deutschlands, die „Pfälzische Sezession“, ausstellen zu dürfen.
Der Kulturverein Wachenheim lernte Peter Brauchle im vergangenen Jahr bei der Bannerausstellung der Pfälzischen Sezession in Wachenheim kennen. Anlässlich ihres 80-jährigen Bestehens hatte die Künstlervereinigung den Schritt in den öffentlichen Raum gewagt und damit bewusst zur Auseinandersetzung mit Kunst eingeladen. Ganz nach dem Motto: „Man muss die Museen verlassen, um Kunst zu den Menschen zu bringen.“ Aus dieser Begegnung entwickelte sich schließlich die Verbindung, die den Weg für die jetzige Ausstellung ebnete. Alle am Aufbau Beteiligten spürten, welch unglaubliche Kraft und Inspiration von seinen Skulpturen ausgeht. Kunst fordert uns heraus, unsere gewohnten Sichtweisen zu verändern und sie bringt Menschen miteinander ins Gespräch, auch dann, wenn wir ein Kunstwerk ganz unterschiedlich wahrnehmen. „Zwischen“ nennt Peter Brauchle seine Auswahl, ein kleines Wort, das im wahrsten Sinne des Wortes einen großen Raum öffnet. Dankesworte und Bewunderung für den Aufbau an das Brauchle-Team, Peter Nonnenmacher, den Mann für Technik, Aufbau und Medien, Uli Wekel und auch den Bauhof-Mitarbeitern, die die Kapelle für die Skulpturen ausräumen mussten. Überhaupt lobte sie das ehrenamtliche Engagement und dankte allen Helferinnen und Helfern des Vereins. Sie lud die Gäste ein, nach dem Dialog ein Glas Sekt zu trinken, sich auszutauschen und auch beim Betrachten der Skulpturen den Blickwinkel zu ändern. Wer weiß was man dazwischen sieht?!
Anschließend spielte Christian Straube noch ein ganz besonderes Stück, das zu Herzen geht. Der Musiker lebt teils in Speyer, teils in der Schweiz, ist Komponist und als Lehrbeauftragter an der Zentralschweizerischen Hochschule Luzern tätig und schreibt neben seinen Stücken auch Musik fürs Theater. Magret Gerdes-Pfeiffer und Gunda Schmulder standen bereits mit dem auf eine Gehhilfe gestützten Peter Brauchle am Stehtisch, um ihn mit Fragen zu „löchern“ und Einblick in die Gedankenwelt von ihm zu bekommen.
Peter Brauchle bedankte sich, dass er nach seinem Unfall keinen einzigen Schritt mehr machen musste, da ihm der Verein alles abgenommen hatte, wofür er sehr dankbar war, denn unter anderem mussten ja die schweren Stahlplatten in die Kapelle geschleppt werden. Die beiden Damen sahen sich als Impulsgeber und Magret Gerdes-Pfeiffer fragte zuerst einmal „Möchtest du zwischen uns stehen oder ist neben uns ok?“ Er antwortete „Zwischen ist überall, das ist ok“. Daraufhin erst mal Gelächter im Publikum. Sie standen vor der Signaturplatte von ihm, die auch viel über seine Werte aussagt. Hier stehen seine Werke von den Anfangszeiten bis zu aktuellen Werken. Schauen wir uns die Werke an, sehen wir mitunter, dass nicht alle wohnzimmergeeignet sind, dafür gibt es dann Kunst im Öffentlichen Raum, wo ungefähr 20 seiner Kunstwerke zu finden sind. Wenn wir uns die alle ansehen wollten wären wir lange unterwegs, so weit verstreut liegen sie. Seine Geburtsstadt Weil am Rhein liegt im Dreiländereck und sei etwas für Grenzgänger und sie wollte von ihm wissen, ob er sich auch als Grenzgänger sieht. Damals war er noch zu klein, aber das Leben hat ihn geprägt. Gunda Schmulder richtete an ihn Fragen wie zum Beispiel zu dem 2,10 Meter hohen Kunstwerk „Emotion“. Es sei ein statischer Aufbau, maskulines Machtgefühl darzustellen und das hat sich im Laufe der Zeit etwas geändert. Von der Körperlichkeit zurückgehen in das Zwischen, was eine Mittellinie trägt und für zwei Seiten steht. Zwischen ist die Zwischenlinie, die er zeigen wollte. Er hat einen Zwischenraum geschaffen, den man verändern kann, mal größer, mal kleiner.
Gemeinsames Entdecken und zwischen den Skulpturen durchlaufen konnte anschließend beginnen. Die Skulpturen hatten allesamt kurze einprägsame Bezeichnungen wie Emotion, Cheval, Fügung, Prägung, Pferd, Schmerz, Zuneigung, Kopf, Momentum, Aufbruch oder Vogelfrei. Man stand davor, horchte in sich hinein und versuchte zu entdecken, was der Künstler ausdrückt. Zwischen Zwischenräumen, zwischen den Skulpturen, das Zwischenmenschliche und in der Zwischenzeit Wiedersehen, Umarmungen und ein Glas Sekt.
Im Rahmen der „Wachenheimer Unterwelten“ ist die Ausstellung am Samstag, 14. November, von 17 bis 21 Uhr zu einer besonderen Abendöffnung zugänglich. Finissage ist am Sonntag, 15. November 2026, 17 Uhr und die Ausstellung dazwischen ist Fr. 17 - 19 Uhr, Sa. 15 - 18 Uhr und So. 11 - 18 Uhr zu besichtigen. (mel)
Autor:Brigitte Melder aus Böhl-Iggelheim |
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