25 Jahre nach 9/11: Wie der 11. September Ramstein verändert hat

Erinnerung an die Tage nach 9/11: Der heutige Bürgermeister Ralf Hechler trägt beim Trauermarsch am 14. September 2001 einen Kranz der Stadt Ramstein-Miesenbach. Drei Tage zuvor hatten die Terroranschläge in den USA die Welt erschüttert – und auch Ramstein in einen Ausnahmezustand versetzt. | Foto: Montage: Erik Stegner, KI-unterstützt | Fotos: Ralf Hechler; Courtesy of the Prints and Photographs Division, Library of Congress/frei
  • Erinnerung an die Tage nach 9/11: Der heutige Bürgermeister Ralf Hechler trägt beim Trauermarsch am 14. September 2001 einen Kranz der Stadt Ramstein-Miesenbach. Drei Tage zuvor hatten die Terroranschläge in den USA die Welt erschüttert – und auch Ramstein in einen Ausnahmezustand versetzt.
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Ramstein-Miesenbach. Der 11. September 2001 war für Ramstein weit mehr als ein Terroranschlag Tausende Kilometer entfernt. Unmittelbar danach wurde die Air Base abgeriegelt, die Sicherheitsstufe massiv erhöht und die Zufahrten streng kontrolliert. Am 12. September bildeten sich am West Gate zeitweise Rückstaus von bis zu vier Stunden. In der Folge spielte die Air Base eine wichtige Rolle bei der amerikanischen Reaktion auf die Anschläge und der Operation Enduring Freedom. Ralf Hechler hat diese Tage als Zeitzeuge in Ramstein erlebt. Genau 25 Jahre später blickt der langjährige Bürgermeister im Gespräch mit Wochenblatt-Redakteur Erik Stegner zurück: auf die gespenstische Stille unmittelbar nach den Anschlägen, die gemeinsame Trauer mit den Amerikanern und darauf, wie der 11. September das Sicherheitsgefühl und die Wahrnehmung Ramsteins verändert hat.

Hallo Herr Hechler, wo waren Sie am 11. September 2001, als Sie von den Anschlägen in den USA erfuhren?
Ralf Hechler: Ich war damals selbstständig und hatte ein Sportgeschäft in Ramstein. Mein Bruder Stefan rief mich an und sagte, ich solle sofort den Fernseher einschalten. Zunächst war von einem Unfall die Rede. Dann sah ich in meinem Geschäft live, wie die zweite Maschine in den Turm flog. So etwas brennt sich ins Gedächtnis ein. Man weiß noch genau, wo man war. Das ist ähnlich wie bei der Flugtagkatastrophe von Ramstein am 28. August 1988. Auch solche Momente vergisst man nicht.

Wann wurde Ihnen damals bewusst, dass dieser Tag auch für Ramstein eine Zäsur sein würde?
Ralf Hechler: Das war, glaube ich, jedem klar. Es war nicht nur für Ramstein, sondern für die ganze Welt und die Wertegemeinschaft eine Zäsur. Was wir gesehen haben, war einfach unvorstellbar. Als dann bestätigt wurde, dass es ein Terroranschlag war, war klar: Die Welt wird nicht mehr so sicher sein wie zuvor. Auch für uns hier. Wir haben gespürt, dass sich unser bisheriges Sicherheitsgefühl verändern würde.

Wie haben Sie die ersten Tage danach in Ramstein erlebt – was änderte sich unmittelbar?
Ralf Hechler: In den ersten Tagen nach dem Anschlag war Ramstein wie gelähmt. Es herrschte eine gespenstische Stille, fast wie in einer verlassenen Westernstadt. Der Flugplatz wirkte zunächst wie ausgeschaltet: alles aus, niemand da, mucksmäuschenstill. Dann, ein paar Tage später, lief der Flugbetrieb rund um die Uhr an. Wir wussten: Jetzt verändert sich etwas Grundlegendes, es geht los mit der Vergeltung. Gleichzeitig herrschte in der Gemeinde große Trauer. Wir haben die Kerwe abgesagt, am 14. September gab es einen Trauermarsch. Wir haben mit den Amerikanern getrauert und mitgeweint. Es war eine furchtbare Zeit und eine furchtbare Situation.

Was hat der 11. September für Ramstein und das Verhältnis zwischen Stadt, Bevölkerung und Air Base dauerhaft verändert?
Ralf Hechler: Es wäre falsch zu sagen, dass sich seit dem 11. September alles verschlechtert hat. Die Amerikaner mussten die Sicherheitsvorkehrungen deutlich erhöhen und sich dadurch zwangsläufig ein Stück weit abschotten. Es wurde diskutiert, ob Soldaten in Uniform noch öffentliche Geschäfte besuchen sollten. Später wurden auch die auffälligen amerikanischen Militärkennzeichen durch unauffälligere Nummernschilder ersetzt, um die Soldaten aus der möglichen Schusslinie zu nehmen und ihre Familien zu schützen. Die Sicherungsanlagen rund um die Air Base wurden ausgebaut, die Amerikaner haben sich verständlicherweise etwas eingeigelt.
Aber trotz dieser Maßnahmen hat sich am Zusammenleben grundsätzlich nichts geändert. Viele Amerikaner leben weiterhin in Ramstein und Umgebung. Zwischenmenschlich ist man nach den Anschlägen zunächst sogar enger zusammengerückt. Gleichzeitig blieb die Sorge, dass auch hier ein sogenanntes weiches Ziel getroffen werden könnte. Es gab beispielsweise Evakuierungen nach Bombendrohungen und auch einen Milzbrandalarm. Es bestanden immer wieder Bedenken, dass Anschläge auch im zivilen Bereich passieren könnten. Solche Sorgen kehren erfahrungsgemäß zurück, wenn sich die internationale Lage zuspitzt – wie zu Beginn des Ukrainekriegs oder des Irankriegs.

Wenn Ramstein wankt, wankt eine ganze Region

Die Air Base hat seit 9/11 international weiter an Bedeutung gewonnen. Wie hat sich das auf Ramstein als Stadt ausgewirkt?
Ralf Hechler: Ob der 11. September der entscheidende Wendepunkt war, würde ich so nicht sagen. Zu dieser Zeit lief bereits das Verlagerungsprogramm von Rhein-Main nach Ramstein, das bis 2005 abgeschlossen wurde. Frachtverkehr aus Frankfurt wurde nach Ramstein verlagert, weitere Kapazitäten gingen nach Spangdahlem.
In der breiten Öffentlichkeit wurde die besondere internationale Rolle der Air Base aus meiner Sicht erst Jahre später richtig deutlich, etwa durch die Afghanistan-Luftbrücke oder die Ukraine-Konferenzen. Hinzu kommt, dass durch soziale Medien und eine breitere Berichterstattung heute viel stärker wahrgenommen wird, welche Rolle die Air Base international spielt.
Das zeigt sich auch daran, wie unser Ort wahrgenommen wird. Jeder kennt uns. Wenn wir irgendwo hinkommen, heißt es oft: „Ramstein kenne ich.“ Früher war es die Flugtagkatastrophe, später waren es die militärischen Einsätze. Bekannt ist auch, dass Ramstein ein NATO-Standort ist und hier sowohl das Hauptquartier des Allied Air Command der NATO als auch das Hauptquartier der U.S. Air Forces in Europe – Air Forces Africa beheimatet sind. Dadurch steht Ramstein stärker im Fokus als andere Gemeinden, die eine solche Einrichtung nicht vor der Haustür haben.

25 Jahre später: Gibt es für Sie ein Ramstein vor dem 11. September 2001 und ein Ramstein danach?
Ralf Hechler: Jein. Das Verhältnis zwischen der Ramsteiner Bevölkerung und den amerikanischen Soldaten und ihren Familien ist ohnehin von einem ständigen Wechsel geprägt. Viele bleiben nur zwei oder drei Jahre hier, manche kommen später wieder – wie aktuell der neue General. Dann kennt man sich schon, das macht Gespräche leichter.
Im Kern sind wir aber immer gut miteinander ausgekommen – in Krisen und schweren Momenten genauso wie bei schönen Anlässen. Natürlich gibt es auch Menschen, mit denen man weniger anfangen kann. Aber das ist wie im richtigen Leben. Das war vor dem 11. September so und ist auch danach so geblieben. Eine grundlegende Veränderung im Zusammenleben durch den Terroranschlag sehe ich deshalb nicht.
Verändert hat sich aber das Sicherheitsgefühl, und zwar weltweit. Seit dem 11. September wissen wir, dass von einem Tag auf den anderen etwas geschehen kann, das man sich vorher nicht vorstellen konnte. Darauf mussten sich Ramstein, die Gesellschaft und letztlich die ganze Welt einstellen. est

11. September 2001: Die Anschläge in den USA

Am 11. September 2001 entführten 19 Terroristen des islamistischen Netzwerks Al-Qaida vier Passagierflugzeuge in den USA. Zwei Maschinen wurden in die Türme des World Trade Centers in New York gesteuert. Beide Hochhäuser stürzten wenig später ein.

Ein weiteres Flugzeug traf das Pentagon bei Washington. Eine vierte Maschine stürzte nach dem Widerstand von Passagieren und Besatzungsmitgliedern bei Shanksville im US-Bundesstaat Pennsylvania ab.

Bei den Anschlägen kamen 2.977 Menschen ums Leben – die 19 Attentäter nicht mitgerechnet. Die Ereignisse veränderten die internationale Sicherheits- und Außenpolitik grundlegend.

Bereits am 12. September erklärte die NATO erstmals in ihrer Geschichte grundsätzlich den Bündnisfall nach Artikel 5. Nachdem die Urheberschaft der Anschläge geklärt war, trat diese Entscheidung Anfang Oktober in Kraft. Damit begann auch für militärische Standorte wie Ramstein eine neue Phase ihrer sicherheits- und verteidigungspolitischen Bedeutung.

Autor:

Erik Stegner aus Landstuhl

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