Radsport
Materialkauf in den 1960er- und 1970er-Jahren
- Die Ankunft der 5 - tägigen Protestfahrt 2019 über 758 km von Offenbach/Queich bis zur "Urania" in Berlin - mit meiner treuen Colnago! ZDF Frontal 21 berichtete:
- Foto: Claus Wulff
- hochgeladen von Rudi Birkmeyer
Die frühere Radsportszene
In den sechziger und siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts war die Versorgung mit Rennmaterial und kompletten Rennmaschinen eine spannende Angelegenheit. Eine komplette Rennmaschine fand man in den örtlichen Fahrradgeschäften nur äußerst selten. Schon eine einfache Anfrage nach einem Schlauchreifen führte häufig zu Kopfschütteln – viele Radhändler jener Zeit kannten diesen Begriff schlichtweg nicht.
So war der Radsportnachwuchs auf zentrale Großhändler angewiesen, etwa auf Stier in Stuttgart, Brügelmann in Frankfurt oder Fleck in Mannheim. Auch bei Bim Diederich in Luxemburg fand man ein vollständiges Sortiment an Rennradausrüstung. Wer dort einkaufte, musste jedoch Geduld mitbringen: Frühmorgens stand man im Laden, und erst am späten Nachmittag konnte man mit seinen „Schätzen“ die Heimfahrt antreten.
Eine kleine Sensation war damals der Brügelmann-Katalog. Zum ersten Mal konnte man darüber seine Ware per Versand – damals noch über die Deutsche Bundespost – bestellen. Für viele junge Rennfahrer war das wie ein Blick in eine neue Welt des Radsports.
Marken wie Rickert, Fleck, Peugeot, Guerciotti und Concorde waren in den frühen Jahren besonders begehrt. Später sorgte der Rahmenbauer Walther aus Offenburg für Aufsehen, weil er seine Rahmen vollständig ohne Muffen fertigte. Unter den deutschen Herstellern galt Bauer nach dem Krieg als der bedeutendste Produzent von Renn- und Tourenrädern.
Ich erinnere mich noch lebhaft an die Trainingsfahrten mit dem deutschen Jugendbesten von 1969, Walter Geil. Walter war mächtig stolz auf sein Rennrad der Marke Bauer. Oft fuhr er auf den damals noch verkehrsarmen Straßen in Schlangenlinien und sang dabei aus voller Kehle: „Ein Schlauer fährt Bauer!“ – ein Bild, das mir bis heute in Erinnerung geblieben ist.
Werkstätten, Gemeinschaft und Leidenschaft
Theo Mühlfriedel, Heiner Geil und Heinz Wittner richteten für den großen Mörlheimer Radsportkader in ihren Anwesen kleine Werkstätten ein. Dort konnten die jungen Rennfahrer ihre Räder reparieren, umbauen und pflegen – und gelegentlich auch einen dringend benötigten Schlauchreifen erwerben.
Aus der Werkstatt des umtriebigen Radsportoriginals Heiner Geil entstand dank seines Sohnes Gerhard Geil ein richtig großes Fahrradgeschäft in einem ehemaligen Lebensmittelmarkt – ganz in meiner Nähe in Offenbach.
Das Geschäft Radsport Geil besteht bis heute und ist inzwischen fest etabliert: modern, hervorragend sortiert und stark im Geschäft. Es ist schön zu sehen, dass die Leidenschaft und der Unternehmergeist dieser Familie bis in die Gegenwart wirken – eine Verbindung zwischen den Pionierjahren des Radsports und der heutigen Zeit.
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Der Traum vom Colnago
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Ein Colnago war damals der Traum eines jeden jungen Rennfahrers – doch für die meisten blieb er unerschwinglich. Diesen Traum konnte ich mir erst viele Jahre später erfüllen, am 29. September 1999: Für 3.749 DM, ausgestattet mit edlen Campagnolo-Komponenten, erwarb ich meine blaue Colnago Mega Master.
Seither begleitet sie mich treu auf meinen Fahrten durch die Südpfalz – und manchmal sogar auf längeren Touren, etwa nach Berlin oder Erfurt, wenn es um ein politisches Anliegen geht, wie etwa gegen die unglaubliche Doppelverbeitragung bei Direktlebensversicherungen durch die Krankenkassen.
Technik im Wandel der Zeit
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An den ersten Rennrädern waren die Schaltgriffe noch am Unterrohr angebracht. Um ein paar Gramm Gewicht zu sparen, bohrte ich damals sogar die Schalthebel aus – eine heute kaum vorstellbare Maßnahme. Wenn man bedenkt, was die Räder damals wogen, im Vergleich zu den heutigen Leichtgewichten!
Die Entwicklung der Fahrradtechnik in den letzten Jahrzehnten ist schlicht beeindruckend. Moderne Rennmaschinen sind so leicht und präzise, dass sie beinahe von selbst zu laufen scheinen. Doch jedes jener alten, schweren Räder besitzt einen unverwechselbaren Charakter – und erzählt von einer Zeit, in der Leidenschaft, Gemeinschaft und handwerkliche Improvisation den Radsport prägten.
Autor:Rudi Birkmeyer aus Offenbach |
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