Landrat mach sich ein Bild vom Zustand der Wälder in Östringen
Problemkind Wald

Dezernent Prof. Dr. Jörg Menzel, Östringens Bürgermeister Felix Geider, Landrat Dr. Christoph Schnaudigel, Abteilungsleiter Bernd Schneble, Revierleiter Jochen Kaiser und Forstamtsleiter Martin Moosmayer (von links nach rechts) machen sich in Östringen ein Bild von der dramatischen Situation der heimischen Wälder.
  • Dezernent Prof. Dr. Jörg Menzel, Östringens Bürgermeister Felix Geider, Landrat Dr. Christoph Schnaudigel, Abteilungsleiter Bernd Schneble, Revierleiter Jochen Kaiser und Forstamtsleiter Martin Moosmayer (von links nach rechts) machen sich in Östringen ein Bild von der dramatischen Situation der heimischen Wälder.
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Östringen. Die Dürre im vergangenen Jahr hat den Wäldern im Landkreis Karlsruhe massiv zugesetzt. Nicht nur die Eschen, Fichten und Kiefern, sondern auch die Buchen, die vorherrschende und naturnaheste Baumart im Kreis, haben unter der extremen Trockenheit der vergangenen Jahre und insbesondere im Jahr 2018 stark gelitten. Bei seinem traditionellen Waldbesuch am Mittwoch, 21. August, machte sich Landrat Dr. Christoph Schnaudigel ein Bild von der Lage am Beispiel des Östringer Gemeindewaldes.

Als typischen Wald des Kraichgaus bezeichneten Dezernent Prof. Dr. Jörg Menzel, Forstamtsleiter Martin Moosmayer, Abteilungsleiter Bernd Schneble und Revierleiter Jochen Kaiser den knapp 1000 Hektar großen Kommunalwald mit 85Prozent Laub- und 15 Prozent Nadelholzbeständen. Die aktuelle Waldschadenssituation bereitet den Forstleuten aber auch in dieser Region, die durch einen kälteren Mai und regelmäßige, wenn auch unterdurchschnittliche Niederschläge im bisherigen Jahr geprägt wurde, Sorgen. „Dass die Buche so stark auf Trockenheit reagiert, hat niemand erwartet. Buchen, die Anfang 2018 noch gut aussahen, sind durch die Dürre in den darauffolgenden Sommermonaten schlichtweg verdurstet. Eine Rolle spielt dabei sicherlich, dass die Jahre davor sehr niederschlagsarm waren und die Bäume dadurch schon geschwächt waren. Der trockene Sommer 2018 hat ihnen dann den Rest gegeben und wir mussten ein massives, plötzliches Absterben beobachten – unabhängig von Schädlingen wie dem Buchen-Borkenkäfer und dem Buchen-Prachtkäfer, der die Situation noch zusätzlich verschlimmert“, erklärten die Fachleute dem Landrat.

Die Folgen sind weitreichend: Wegen der Verkehrssicherungspflicht muss ständig geschaut werden, welche Bäume zu beseitigen sind, da deren Krone und Äste zu brechen drohen. Diese latente Gefahr, vor der die Waldbesucher geschützt werden müssen, erhöht auch das Risiko für die Forstmitarbeiter, wenn sie abgestorbene Bäume fällen müssen. „Durch die gravierenden Dürre-Schäden im ganzen Landkreis plus den Schädlingsbefall hat die Arbeitsbelastung enorm zugenommen. Im Hardtwald beispielsweise ist der Jahreseinschlag dreimal so hoch wie in den vergangenen Jahren. Dies bedeutet nicht nur einen wirtschaftlichen Verlust, weil Schadholz geringere Erlöse erzielt, sondern der Wald speichert auch weniger CO2“, fassten die Forstmitarbeiter die Folgen zusammen.

Muss der Baumbestand wegen Dürreschäden, Schädlingsbefall oder infolge von Unwetterereignissen reduziert werden, spricht man von zufälliger Nutzung. Am Beispiel von Östringen lässt sich die dramatische Entwicklung verdeutlichen. Vor dem Jahr 2015 lag der Anteil der zufälligen Nutzung bei 10 Prozent, in den Jahren 2015 bis 2018 bei 30 Prozent und zum aktuellen Zeitpunkt beträgt sie bereits 50 Prozent. „Eine nachhaltige Bewirtschaftung ist damit nicht mehr gegeben und wir müssen entsprechend handeln, um den Wald in Zeiten des Klimawandels für die Zukunft zu sichern“, betont der Leiter des Kreisforstamtes Martin Moosmayer.

Auch für Bürgermeister Felix Geider ist oberste Priorität, den Wald in seiner Vielseitigkeit für künftige Generationen zu erhalten. In Östringen hat man bereits entsprechende Maßnahmen ergriffen. Als Beispiel konnte er Landrat Dr. Christoph Schnaudigel die Anbaufläche an der Kreisstraße nach Mühlhausen zeigen. Hier haben Stadt und Forstverwaltung dreijährige Elsbeeren gepflanzt. „Die Elsbeere ist eine seltene Baumart in unserer Region, die mit der tonhaltigen Erde an diesem Standort im Gegensatz zu anderen Arten sehr gut zurechtkommt. Diese Baumart ist eine Hoffnungsträgerin angesichts der sich verändernden klimatischen Bedingungen. Stadt und Forstverwaltung haben insgesamt 7000 Elsbeeren auf insgesamt drei Hektar neu gepflanzt“, berichteten Bürgermeister Felix Geider und Forstamtsleiter Martin Moosmayer. Als eine der eichenreichsten Gemeinden im Landkreis wird Östringen aufgrund der geologischen Voraussetzungen auch die Eichennaturverjüngung zukünftig konsequent weiter vorantreiben.

Auf Gemarkung der Stadt Östringen befinden sich Versuchsflächen der forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Freiburg zur Erprobung. „Sie dienen einerseits der Erprobung der Qualität verschiedener Herkünfte und andererseits der Erprobung von trockenheitsresistenteren Baumarten. Hier werden zum Beispiel die Eigenschaften von Wald-Kirschen getestet oder auch wie verschiedene Weißtannen-Herkünfte auf diese für sie extremen Bedingungen (exponierte Lage, Südausrichtung) reagieren“, berichtete Revierleiter Jochen Kaiser. Es braucht zusätzliches Wissen über neue Herkünfte dieser heimischen Baumarten, um die Wälder in Zeiten des Klimawandels vital zu halten, waren sich die Anwesenden einig. Dabei betonte Bürgermeister Geider, dass die kommunalen Waldbesitzer in dieser Situation nicht allein gelassen werden dürfen und der anstehende Waldumbau einen finanziellen Kraftakt bedeutet, der von Land und Bund stärker unterstützt werden muss. ps

Autor:

Jessica Bader aus Ludwigshafen

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