BriMel unterwegs
Bibliotheks-Lesung von Krimiautor Harald Schneider
- Harald Schneider inmitten der Büchereihelferinnen
- Foto: Brigitte Melder
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Mutterstadt. Am 22. Oktober fand in der Gemeindebücherei Mutterstadt eine höchst unterhaltsame und besondere Lesung mit dem Schifferstadter Krimiautor Harald Schneider statt. Er stellte seinen neuesten 26. Band mit dem Titel „Burgentrauma“ vor, was auch das 20-jährige Bestehen des „Palzkiversums“ bedeutete. Für alle, die noch nicht in den Genuss kamen, die Bücher von Harald Schneider zu lesen sei gesagt, dass seine fiktive Hauptfigur Kriminalhauptkommissar Reiner Palzki ist und daher der Name.
Die Gemeindebibliothek war prall gefüllt mit ca. 40 Personen. Frau Bauer, die Leiterin der Bibliothek begrüßte die krimibegeisterten Gäste, die hoffentlich mit keinem „Trauma“ nach Hause gehen, sondern mit strahlenden Gesichtern. 26 Bände gibt es mittlerweile mit gut recherchiertem Wissen, denn darauf legt Harald Schneider Wert. Es erwartet die Gäste ein spannender Regionalkrimi mit Lokalkolorit. Harald Schneider, 1962 in Speyer geboren, wohnt in Schifferstadt und arbeitete 20 Jahre lang als Betriebswirt in einem Medienkonzern. Seine Schriftstellerkarriere begann während des Studiums mit Kurzkrimis für die Regenbogenpresse. Der Vater von vier Kindern veröffentlichte mehrere Kinderbuchserien. Seit 2006 hat er in der Metropolregion Rhein-Neckar-Pfalz den skurrilen Kommissar Reiner Palzki etabliert, der abseits seines mittlerweile 26. Falls »Burgentrauma« auch in zahlreichen Ratekrimis in der Tageszeitung Rheinpfalz und verschiedenen Kundenmagazinen ermittelt. Schneider erreichte bei der Wahl zum Lieblingsautor der Pfälzer den 3. Platz bei der Wahl „Lieblingsautor der Pfälzer“ hinter Sebastian Fitzek und Rafik Schami im Rahmen der Aktion „Die Pfalz liest für den Dom“ (Europäische Stiftung Kaiserdom, Zentrum für Kultur- und Wissensdialog der Uni Koblenz-Landau und der Rheinpfalz). 2023 wurde er in den PEN Deutschland berufen. Zur heutigen Lesung gab es auch einen Büchertisch und nach 45 Minuten Lesung dürfte man sich später am frisch zubereiteten Buffet mit Fingerfood bedienen. Dank an die Damen, die das so schön organisiert haben. Das Licht ging aus und der gedankliche Ausflug in die Pfalz startete mit Harald Schneider, der auch gleich kommentierte, dass man ja hier zum Hören und nicht zum Sehen sei.
Ein bisschen Realität haben wir mit dem Burgentrauma schon mit Kindheitserlebnissen bei Burgenbesuchen und Wanderungen im Pfälzer Wald. Das Thema „Burgen“ hat ihn schon immer fasziniert. Er beklagte, dass von Jahr zu Jahr die Schrift in den Büchern kleiner werde, denn alle Verlage müssten sparen. Deshalb gab es heute für ihn eine Weltpremiere mit dem persönlichen Tablet, das ihm seine Tochter eingerichtet hat. Da er dafür bekannt ist, ständig bei seinen Lesungen in Bewegung zu sein, kann er sich ein Auf- und Abziehen seiner Lesebrille nicht leisten. Harald Schneider heute also ganz modern mit Tablet.
„Endlich Urlaub!“ rief er. Die ganze Familie ist im Haus, auch die Schwiegermutter, die gleich loskeifte. Na, das konnte ja ein toller Urlaub werden. Er hatte doch glatt vergessen, dass er einen Tagesausflug zur Burg Lichtenberg zum Mittelaltermarkt versprochen hatte.
Kurzfassung: Kommissar Palzki gönnt sich Überstundenabbau und besucht mit seiner Familie den Mittelaltermarkt auf Burg Lichtenberg. Doch der Ausflug nimmt eine düstere Wendung, als sein Sohn mit der vermeintlichen Replik des berühmten Mauritiusschwertes spielt - und eine Expertin bezweifelt, dass es sich nur um eine Kopie handelt. Kurz darauf wird sie tot aufgefunden. Palzki beginnt zu ermitteln und taucht vom Trifels bis zur Hardenburg nicht nur tief in die Welt der Pfälzer Burgen ein, sondern auch in ein raffiniertes Netz aus Diebstahl, Betrug und Machtgier um die Reichsinsignien des Heiligen Römischen Reiches.
Man erlebte bei der Lesung nicht nur Passagen aus dem Buch, sondern erfuhr auch etwas über die Regionalgeschichte, die darin benannte Burg Lichtenberg sowie die Reichsfestung Trifels, Burg Nanstein und die Hardenburg. Jede Menge Realpersonen sind in seinen Palzki-Krimis „verarbeitet“, weit über 100 Personen mittlerweile. In seinem im Frühjahr erscheinenden 27. Krimi „Kurpfalzkoma“ ist auch dem LKA-Präsidenten von Baden-Württemberg Andreas Stenger eine Rolle zugedacht.
Die Wiener Hofburg kam in dem Krimi vor, denn dort sollte das Originalschwert liegen. Für kleine Aufheiterungen sorgten die „Verschreiber“ von Wörtern, so dass es eine äußerst lebhafte Lesung wurde. Die nächste Leiche wurde gefunden und Palzki war wieder mitten im Geschehen, obwohl er sich ja eigentlich im Urlaub befand. Aber auch Kommissar Palzki hat ein Privatleben, das er mit seiner Nachbarin Frau Ackermann zum Besten gab. Eine kurze Szene von dieser schnellsprechenden Dame, die einen mit Staunen erfüllte. Wie kann ein Mensch nur so schnell reden?! Es folgte wie angekündigt die Pause mit Buchsignaturen, Gesprächen und allerlei Leckereien.
Nach der Rückkehr, die sich etwas hinzog, stellte er erstaunt fest, dass ja noch alle da waren. Logisch! Er erzählte, dass er auch Kinderbücher schreibt und Kinderlesungen hält, Weitere Informationen unter www.palzki-kids.de Während der Coronazeit hatte er etwas Interaktives gemacht, da musste sich jeder irgendwie umstellen. Im Krimi war man nun am Trifels angekommen, wo man auch mit dem Autor Michael Landgraf verabredet war. Kleiner Werbeblock für seinen neu erschienenen Bildband „Wo die Pfalz am schönsten ist“ vom Gmeiner-Verlag. Die Rheingalerie als Einkaufstempel kommt in seinem Krimi vor, wo er einen Massagesessel ausprobiert. Authentische Beschreibungen sind ein Muss für Harald Schneider, also ist bis auf die Leichen fast alles real.
Zum Abschluss erzählte er noch eine lustige Geschichte mit einem geplatzten Gummi. Nicht was Sie jetzt denken, denn es handelte sich um ein Unterhosengummi. Vor 80 Zuschauern ist das tatsächlich passiert. Und wie er diese Lesung inklusive Kreppband-Behelfslösung auf der Toilette beschrieb – ich habe den Hardcore Epilierer für Masochisten erfunden – war einfach zum Brüllen. Frau Bauer überreichte ihm ein Weinpräsent nach diesem modernen Heimatkundeunterricht und wünschte weiterhin viel Erfolg. Und er wusste auch schon, wo sein Krimi 2028 spielen würde, nämlich bei der Landesgartenschau, wo neue Recherchen und neue Akteure hinzukommen. (mel)
Autor:Brigitte Melder aus Böhl-Iggelheim |
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