Reisen, um zu arbeiten und arbeiten, um zu reisen
Thomas Mazur aus Landstuhl kehrt nach dreieinhalb Jahren von der Walz zurück

Thomas Mazur in der Kluft seiner Zunft
  • Thomas Mazur in der Kluft seiner Zunft
  • Foto: Mazur
  • hochgeladen von Stephanie Walter

Landstuhl. „Viele Wandergesellen sagen, dass es schwer ist, aufzubrechen, aber noch schwerer, heimzukehren. Da ist schon etwas dran“, so Steinmetzgeselle Thomas Mazur. Er ist nach dreineinhalb Jahren von der Walz zurückgekehrt und hat mit dem Wochenblatt über das Leben als Wandergeselle und seine Erfahrungen gesprochen.

Im zweiten Lehrjahr ist für Thomas Mazur der Wunsch aufgekommen, sich auf die Wanderschaft zu begeben. „Es war der Reiz, Neues zu sehen, neue Handwerkstechniken zu erlernen und ungebunden zu sein. Man kann sich einfach die Zeit nehmen, die Dinge zu tun, die man möchte.“ Das waren die Gründe, die letztendlich dazu geführt haben, dass er sich als Handwerksgeselle auf den Weg gemacht hat. Damit steht er in einer 800-jährigen Tradition.
Heute ist die Walz keine Pflicht mehr, sondern eine freiwillige Entscheidung, dennoch gibt es einige Vorgaben, die es während der Zeit als Wandergeselle zu befolgen gilt. Hat man den Gesellenbrief erhalten und entscheidet sich dazu, auf die Walz zu gehen, muss man mindestens drei Jahre und einen Tag unterwegs sein, man muss sich mindestens 50 Kilometer von seinem Heimatort entfernen und darf während der Wanderschaft nicht zurückkommen. Auch das Tragen der Kluft ist Pflicht.
Diese besteht aus einer Weste mit acht Knöpfen, die acht Arbeitsstunden pro Tag symbolisieren, und einer Jacke mit sechs Knöpfen, die für sechs Arbeitstage stehen. An den Ärmeln finden sich auf jeder Seite drei Knöpfe, für die drei Lehrjahre und die drei Jahre Wanderschaft. Hinzu kommt eine Schlaghose. Die Farbe der Kleidung hängt von der jeweiligen Zunft ab. Als Steinmetz trug Thomas Mazur daher die Farben Grau und Beige.
Gereist wird vor allem zu Fuß und per Anhalter mit traditionellem Gepäck und ohne Mobiltelefon. „Man soll auf andere Menschen zugehen und selbstständiger werden, unterwegs findet man so Arbeit und Unterkunft“, erklärt Thomas Mazur. Das Geld, das man in den jeweiligen Betrieben verdient, soll in das Weiterreisen investiert werden. „Man reist also, um zu arbeiten und arbeitet, um zu reisen. Eigentlich weiß man nie so genau, wo man am nächsten Tag hingeht, oder wo man schläft und viele Dinge entstehen spontan.“
Aufgenommen wurde er meistens sehr freundlich, auch wenn es manchmal Nächte gab, die er im Freien verbringen musste. „Bei kaltem Wetter ist die Reise nicht einfach, aber man lernt, damit umzugehen.“
Seine Reise hat Thomas Mazur an viele Orte geführt, ein Höhepunkt aus handwerklicher Sicht war für ihn die Arbeit am Freiburger Münster, aber auch in Ländern wie Jerusalem oder Schottland hat er gearbeitet. Dabei stand nicht nur die handwerkliche Entwicklung im Zentrum seines Alltags, sondern auch die Begegnung mit anderen Menschen. „Generell ist es so, dass man eigentlich täglich Fragen zur Wanderschaft beantwortet. Die Kluft ist ein richtiger Eisbrecher“, so Mazur.
Auf die Frage hin, welche Begegnung ihm besonders im Gedächtnis geblieben ist, erinnert er sich an seinen Besuch in Namibia. „Wir sind hier zur Regenzeit durch das Land gereist und dort eingeladen worden. Die Menschen haben sich riesig über den Regen gefreut, weil es das erste Mal seit vier Jahren war, dass es regnete. Eine Woche später sah ich in Deutschland viele Menschen, die wegen des Regenwetters schlecht gelaunt waren. Da macht man sich schon seine Gedanken.“
Auf seinem Weg hat Thomas Mazur aber natürlich auch andere Handwerksgesellen kennengelernt. Einige davon haben ihn auch auf seinem Weg zurück nach Hause begleitet. Es ist nämlich Tradition, dass man die letzten 50 Kilometer, also den Bannkreis, gemeinsam wandert. In Landstuhl wurde er von seiner Familie und seinen Freunden empfangen. „Auch wenn es meinen Eltern nicht leicht gefallen ist, dass ich so lange weg war, haben sie mich doch immer in meiner Entscheidung unterstützt. Am Anfang gab es aber schon Bedenken“, so Mazur. Er hat seine Entscheidung auf jeden Fall nicht bereut.
„Auf der Wanderschaft sieht man viel und man lernt auch viel. Die Erfahrungen, die ich gesammelt und die Freundschaften, die ich auf der ganzen Welt geschlossen habe, nimmt mir keiner mehr. Ich würde die Entscheidung, auf die Walz zu gehen, jederzeit wieder treffen“, so Mazur, der zugibt: „Man kommt mit einem lachenden und einem weinenden Auge zurück“. Das liegt wohl auch an der Freiheit, die die Zeit der Wanderschaft bietet, und das völlig andere Zeitgefühl, das Mazur beschreibt. „Man hat auf seiner Reise Zeit für sich, achtet viel mehr darauf, was man mit seiner Zeit anfängt. Die Freiheit ist etwas Besonderes, die ganze Welt steht offen und es ist egal, wann man ankommt, selbst dann, wenn man verabredet ist. Dann hinterlässt man einen Zettel und schafft es auch ohne Telefon, sich abzusprechen“.
Die Umstellung bei der Rückkehr vom Leben auf der Walz in den Alltag scheint schwierig zu sein, dennoch bewirken die gesammelten Erfahrungen auch nach der Heimkehr ein positives Gefühl. „Ich habe unterwegs gemerkt, dass man schon seine Arbeitshektik hat, aber man geht die Sache ruhiger an. Was man auf seiner Reise an Ruhe erfahren hat, hilft einem im Alltag, aber auch im Job hilft sie, richtig eingesetzt, schneller voranzukommen.“
Für seine berufliche Zukunft plant Thomas Mazur in Fulda als Steinmetz zu arbeiten und die Meisterprüfung abzulegen, aber auch das Reisen wird weiterhin ein fester Bestandteil seines Lebens sein. „Das Reisen kriegt man nach so langer Zeit aus einem Wandergesellen nicht mehr heraus“, so Thomas Mazur mit einem Lachen. (sw)

Autor:

Stephanie Walter aus Wochenblatt Landstuhl

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