Kinder- und Jugendfarm Landau: Hier gestalten Kinder ihren eigenen Spielort
- Die Kinder- und Jugendfarm am Fuße des Ebenbergs bietet Raum für Spiel, Natur und Begegnung.
- Foto: Kinder-und Jugendfarm Landau
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Landau. Ein etwa zwölfjähriger Junge steht bei der Apfelernte auf der Kinder- und Jugendfarm und sagt, dass er noch nie einen Apfel oder eine Karotte geschnitten habe. Gemeinsam mit Dagmar Flörchinger schneidet er dort zum ersten Mal einen Apfel. Für die Vorsitzende des Vereins Kinder- und Jugendfarm Landau zeigt dieser Moment beispielhaft, wie Kinder auf der Farm praktische Erfahrungen sammeln: „Alles, was man kann und was man lernt, gibt einem Freiheit.“
Die Kinder- und Jugendfarm liegt am Fuße des Ebenbergs auf dem Gelände einer ehemaligen Schrebergartensiedlung. Sie ist ein pädagogisch betreuter Abenteuerspielplatz und zugleich ein offener Treffpunkt. Kinder zwischen sechs und 14 Jahren können im offenen Betrieb ohne Anmeldung kommen. Dieser findet dienstags und mittwochs außerhalb der Schulferien sowie einmal im Monat freitags jeweils von 15 bis 18 Uhr statt. Jüngere Kinder sind in Begleitung ihrer Eltern oder Erziehungsberechtigten willkommen.
Engagement macht stark
„Das geht uns alle an!“ ist eine Initiative des Bundesverbandes kostenloser Wochenzeitungen. Das Ehrenamt ist eine wichtige Stütze unserer Gesellschaft. Deshalb präsentiert der Bundesverband kostenloser Wochenzeitungen (BVDA) seit Jahren bundesweit die „Woche des bürgerschaftlichen Engagements“ - in diesem Jahr von 11. bis 20. September.
Die Wochenblätter, die Stadtanzeiger und der Trifelskurier der SÜWE sind jährlich mit Artikeln aus den Lokalredaktionen beteiligt, um das Ehrenamt an der Basis zu unterstützen.
Ein Spielplatz, der sich verändert
Für Flörchinger ist die Farm mehr als ein gewöhnlicher Spielplatz. „Wir verändern den Platz gemeinsam mit den Kindern“, sagt sie. Hütten werden gebaut, umgebaut und teilweise wieder abgerissen. Im Garten pflanzen die Kinder Gemüse und ernten später, was gewachsen ist. Sie machen unter Anleitung Feuer, arbeiten mit Holz und entwickeln eigene Spielideen.
Eine große Murmelbahn lässt sich immer wieder neu zusammensetzen. Kleinere Hütten entstehen nach den Vorstellungen der Kinder. Unterstützt werden sie dabei von einem ehrenamtlichen Helfer, der Architekt ist und einmal pro Woche beim Hüttenbau hilft. Gemeinsam mit ihm hat ein Junge eine neue Hütte konstruiert.
- Beim Hüttenbau können Kinder eigene Ideen entwickeln und gemeinsam umsetzen.
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Auf dem Gelände gibt es außerdem einen Garten, eine Kreativwerkstatt, Bereiche für freies Spiel und Bewegung sowie einen Hang mit Seilen zum Klettern. Eine Lehmhütte mit Kaufladen und zwei Holzpferde laden zu Rollenspielen ein. Der Ort ist nicht fertig eingerichtet, sondern verändert sich mit den Kindern.
„Jeder Mensch möchte mithelfen und mitgestalten, egal, wie groß oder klein er ist“, sagt Flörchinger. Kinder erfahren auf der Farm, dass ihre Ideen zählen und aus ihren Vorstellungen etwas entstehen kann.
Ausleihen, zurückgeben und teilen
Im offenen Betrieb können die Kinder kreativ werden, werkeln, gärtnern oder einfach frei spielen. Was sie tun, entscheiden sie selbst. Zum Konzept gehört auch eine sogenannte Pfandausleihe.
Wer sich beispielsweise einen Ball, ein Fahrzeug, einen Tischtennisschläger oder eine Handpuppe ausleihen möchte, hinterlegt dafür einen persönlichen Gegenstand. Das kann eine Haarspange, ein Armband oder ein kleines Spielzeug sein. Sobald das ausgeliehene Material zurückgebracht wird, erhalten die Kinder ihr Pfand wieder.
So lernen sie, mit den Dingen sorgfältig umzugehen, Vereinbarungen einzuhalten und Verantwortung zu übernehmen. „Die Kinder lernen, etwas von sich zu geben, Verantwortung für ausgeliehene Dinge zu übernehmen und wieder aufzuräumen“, erklärt Flörchinger.
Auch die Ernte aus dem Garten wird geteilt. Wenn viele Kinder auf der Farm sind, reicht ein Apfel nicht für alle. Dann bekommt jedes Kind ein Stück. Die Kinder müssen gemeinsam überlegen, wie die vorhandenen Früchte verteilt werden. Teilen, Rücksichtnahme und das Finden eigener Lösungen entstehen dabei ganz selbstverständlich im Alltag.
Raum für eigene Erfahrungen
Die Farm gibt den Kindern Freiraum, ohne auf Regeln zu verzichten. Sie können hämmern, sägen, schnitzen und unter Anleitung auch mit Feuer arbeiten. Dabei sammeln sie Erfahrungen im Umgang mit Werkzeugen und Materialien und lernen, Gefahren einzuschätzen.
- Kinder können auf der Farm kreativ werden und eigene Ideen umsetzen.
- Foto: Kinder-und Jugendfarm Landau
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Die Kinder sollen nicht nur vor möglichen Risiken geschützt werden, sondern auch entdecken, was sie selbst können. Dazu gehört, ihnen etwas zuzutrauen und ihnen Raum für eigene Entscheidungen zu geben.
Auch kleine Erlebnisse können dabei wichtig sein. Bei einem Tiertag mit Eseln beobachtete ein etwa vierjähriger Junge lange, wie ein Tier Gras zupfte. „Er hat den Esel so intensiv beobachtet, dass ich dachte, das wird er sein Leben lang nicht vergessen“, erzählt Flörchinger.
Tiere zu Besuch und Lernen mit allen Sinnen
Eigene Tiere gibt es auf der Farm nicht. Ein- bis zweimal im Monat finden jedoch Tiertage statt. Dann bringen Tierbesitzerinnen und Tierbesitzer unterschiedliche Haus- und Hoftiere mit. Die Tiere befinden sich in einem abgegrenzten Bereich. Die Kinder können sie beobachten, Kontakt aufnehmen und Fragen zu Haltung und Bedürfnissen stellen.
Teilweise geht es auch mit Lamas, Ponys oder Eseln auf eine gemeinsame Wanderung. Die Kinder erfahren dabei, woher ein Tier kommt, was es braucht und wie sein Verhalten zu verstehen ist.
Die Kinder- und Jugendfarm ist BNE-zertifiziert. BNE steht für Bildung für nachhaltige Entwicklung. Im Grünen Klassenzimmer werden Themen wie Getreide, Brot, Energie und Bäume behandelt. Im Kurs „Vom Korn zum Brot“ lernen Kinder beispielsweise verschiedene Getreidearten kennen und erfahren, wie aus Korn Brot entsteht.
Die Kurse verbinden Wissen mit praktischen Erfahrungen und sprechen dabei alle Sinne an. Im Unterschied zum Unterricht in der Schule gibt es keinen Notendruck.
Bei jedem Wetter draußen
Die Farm ist ein Ganzjahresbetrieb. Auch Regen, Schnee und Kälte gehören zum Konzept. Kinder sollen Wetter nicht nur aus Erzählungen oder Bildern kennen, sondern mit dem eigenen Körper erleben.
Bei schlechtem Wetter bieten die Hütten Schutz. Dann gibt es warmen Tee, Geschichten, Holzarbeiten oder gemeinsames Backen. „Wir leben mit den Kindern ein normales Leben, das für viele heute nicht mehr selbstverständlich ist“, sagt Flörchinger.
Viele Kinder hätten einen stark durchgeplanten Alltag. Die Farm biete ihnen einen Ort, an dem sie frei spielen, eigene Entscheidungen treffen und sich mit anderen auseinandersetzen könnten. Sie können erleben, wie sich Regen anfühlt, wie Bewegung wärmt oder wie kalte Hände und Füße am Feuer wieder warm werden.
Ehrenamt trägt die Farm
Getragen wird die Kinder- und Jugendfarm vom gleichnamigen Verein. Ehrenamtliche kümmern sich um das Gelände, den Garten und handwerkliche Arbeiten. Unterstützung wird außerdem bei der Fahrzeugwartung, beim Sponsoring, beim Datenschutz und bei der Öffentlichkeitsarbeit gesucht. Auch Menschen, die gern im Garten arbeiten oder handwerklich helfen, sind willkommen.
„Dafür muss man kein Profi sein“, sagt Flörchinger. Wichtig sei vor allem die Bereitschaft, sich in einer Gemeinschaft einzubringen. Die ehrenamtlich Aktiven sind zwischen 18 und 80 Jahre alt.
Im vergangenen Jahr besuchten nach Angaben der Vorsitzenden rund 6000 Menschen die Farm. Bei einem Tiertag mit Ziegen und Schafen wurden innerhalb von drei Stunden etwa 230 Besucherinnen und Besucher gezählt.
Finanziert wird die Farm vor allem über Spenden und Förderanträge. Hinzu kommen Mitgliedsbeiträge sowie Einnahmen aus Kindergeburtstagen und Ferienangeboten. Der offene Betrieb soll kostenlos bleiben. Flörchinger wünscht sich eine verlässlichere Finanzierung und mindestens eine pädagogische Stelle. Es gebe viele Anfragen, gleichzeitig seien die Möglichkeiten des Vereins begrenzt.
„Gönnen Sie Ihren Kindern und sich selbst eine Auszeit“, sagt Dagmar Flörchinger. Auf der Kinder- und Jugendfarm können Familien den Alltag hinter sich lassen, draußen sein, eigene Ideen entwickeln und gemeinsam etwas gestalten.
Herbstferienprogramm
Am 14. und 15. Oktober 2026 bietet die Kinder- und Jugendfarm jeweils von 10 bis 14 Uhr Kurse für Kinder von sechs bis 14 Jahren an. Beim Erntedanktag wird mit Obst und Gemüse aus Feld und Garten gekocht und gebacken. Am 15. Oktober bauen die Kinder eine Pflanzenpresse aus Holz. Zeit für freies Spiel und Erkundungen gehört ebenfalls dazu.
Weitere Informationen und die Anmeldung gibt es unter www.kinderundjugendfarm-landau.de.
Autor:Annina Ksionsek aus Landau |
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