Modernisierung der Karlsruher Stadthalle verzögert sich erneut
- Archivbild: Im Sommer 2026 sollen wieder Veranstaltungen in der Stadthalle stattfinden
- Foto: Stadt Karlsruhe, Monika Müller-Gmelin
- hochgeladen von Jo Wagner
Karlsruhe. Seit Jahren - immerhin zieht sich die Modernisierung schon seit 2017 - wird an der Karlsruher Stadthalle (Blick in die Geschichte hier: https://stadtlexikon.karlsruhe.de/index.php/De:Lexikon:ins-1232) modernisiert/umgebaut, ist die Halle also dicht. Seit über 7 Jahren! Statt dem angekündigten Start im Frühjahr 2026, erfolgte nun die nächste Hiobsbotschaft: Die Stadthalle geht erneut später in Betrieb - frühestens im Sommer! Zur Erinnerung: 2012 wollte man die Stadthalle im Eingangsbereich aufhübschen, doch das Brandschutzkonzept war ein Hindernis! Nächste Entscheidung: Säle modernisieren. Dann dauerte es bis 2016, bis der Gemeinderat der geplanten Erneuerung der Technik zustimmte. Eingeplant wurden damals 58 Millionen Euro!
Längere Bauzeit & höhere Kosten
Auch Karlsruhe hat offenbar sein "Stuttgart 21", das deutlich länger braucht & deutlich teurer wird. Zur Erinnerung: Die Stadthalle - Säulenvorhalle von 1915 - ging nach umfangreichem Umbau 1985 als "top-modern" wieder an den Start, war gut gebucht und funktional, doch der jetzige Umbau wird offenbar zur unendlichen Geschichte - auch mit Blick auf die Kosten, die nun schon über 158 Millionen Euro betragen, eine weitere Steigerung nicht ausgeschlossen. Im aktuellen Haushaltsplan 2026/2027 ist ein Budget von rund 158.749.000 Euro enthalten, doch es wird teurer! (Blick in die Planung - Stand 2019 - unter https://lighting-architects.com/project/die-stadthalle-karlsruhe-aesthetische-und-technische-aktualisierung/)
Weitere technische Prüfungen erforderlich
Im Zuge der Prüf- und Einregulierungsphase der eines Tages modernisierten Stadthalle Karlsruhe zeigen sich weitere technische Herausforderungen, die zusätzliche Arbeiten erforderlich machen, informierte nun die Stadt Karlsruhe. Die Wirtschaftsbürgermeisterin und Aufsichtsratsvorsitzende der Messe Karlsruhe, Gabriele Luczak-Schwarz, und Karlsruhes Baubürgermeister Daniel Fluhrer informierten mit dem Gesamtplaner der "SSP AG" und dem "Projektsteuerer BMP" die Mitglieder des gemeinderätlichen Begleitgremiums "Modernisierung Stadthalle" über den aktuellen Sachstand - und vor allen Dingen über die neuen Herausforderungen beim Projekt - auch in Sachen Kosten! Hintergrund: Bei "sicherheitsrelevanten Anlagen" seien "Nachjustierungen" notwendig, bevor der Veranstaltungsbetrieb aufgenommen werden könne.
Im Klartext: "Nachjustierungen" sind nötig bei den Entrauchungstüren: Bei Funktionsprüfungen der Brandschutz- und Entrauchungsanlagen wurde festgestellt, dass sich einzelne Antriebe von Entrauchungstüren derzeit nicht vollständig "entsprechend der planerischen Vorgaben" öffnen. Jedoch seien diese Türen zentraler Bestandteil des Sicherheitskonzepts des Gebäudes, da sie im Brandfall eine gezielte Entrauchung der betroffenen Bereiche ermöglichen. Diese Anlagen müssten daher zuverlässig im Zusammenspiel funktionieren.
Die notwendigen Abstimmungen und technischen Anpassungen erfolgen nun mit den beteiligten Firmen. Die hierfür notwendigen Arbeiten sowie anschließenden Funktionsprüfungen führen jedoch zu weiteren Abstimmungs- und Prüfprozessen im Projekt. Über weitere Kosten, oder eine eventuelle Übernahme der Kosten durch Planer oder Ausführende macht die Stadt Karlsruhe jedoch keine Angaben!
Weitere Prüfungen technischer Anlagen
Parallel zu den Entrauchungsanlagen werde das Zusammenspiel aller gebäudetechnischen Systeme überprüft. Eine zentrale Rolle spiele dabei die "Brandfallsteuermatrix", bei der getestet werde, ob sämtliche sicherheitsrelevanten Anlagen im Ereignisfall wie vorgesehen zusammenarbeiten. Die Überprüfung fand in Kalenderwoche 8 (16. - 22. Februar) statt. Die daraus abgeleiteten Arbeiten wurden abgestimmt und werden nun umgesetzt. Solche Nachschärfungen seien "in der Inbetriebnahmephase nicht ungewöhnlich", betont die Stadt Karlsruhe. Darüber hinaus wurden die akustischen Anforderungen in den Veranstaltungssälen geprüft. Die Messungen würden bestätigen, dass die vorgesehenen Zielwerte erreicht oder teilweise übertroffen werden. Aktuell erfolgten noch Feinabstimmungen zu weiteren Optimierungen.
Inbetriebnahme verzögert sich
Vor dem Hintergrund der laufenden zusätzlichen technischen Abstimmungen und Prüfungen werde die Terminplanung für die Inbetriebnahme der Stadthalle fortgeschrieben - mit anderen Worten: verzögert sich! Die Stadt Karlsruhe versucht, in der Pressemitteilung dieses Thema abzuschwächen, in dem erläutert wird, dass bei Projekten dieser Größenordnung und Komplexität sich einzelne technische Herausforderungen häufig erst in der Phase der Inbetriebnahme und Sachverständigenprüfungen zeigen würden.
Zur Erinnerung: Wir sprechen nicht von Raketentechnologie oder einem Tunnel durch die Alpen, sondern von der schlichten Modernisierung einer Veranstaltungshalle, die gerade mal rund 35 Jahre alt ist - und kein römisches Amphiteater ist. Schon peinlich genug, dass die Wiedereröffnung so oft verschoben wurde und die Preise quasi davonliefen: Für den so oft beschriebenen angestrebten internationalen Standort ist ein solches Fiasko kein Aushängeschild!
In Abstimmung mit der Messe Karlsruhe werde an der Vorbereitung erster Veranstaltungsformate gearbeitet. Nun wird als Zeithorizont voraussichtlich Sommer 2026 angepeilt!
Kostenentwicklung
Doch auch die genannten 158 Millionen Euro (Stand heute) werden nicht das Ende der Fahnenstange sein, denn da baut die Stadt Karlsruhe schon vor. Zur Erinnerung: 2021 sprach die Stadt noch von 135 Millionen Euro, vier Jahre später klingt es dann so: Aufgrund von Ereignissen, "die so nicht vorhersehbar waren", aber für ein Projekt dieser Größenordnung nicht unüblich seien, sowie weiterhin offener und zu bewertender Herausforderungen, könne derzeit noch keine abschließend belastbare Gesamtkostendarstellung vorgelegt werden. Eine Aussage mit enormer Sprengkraft bei der aktuell leeren Haushaltskasse!
Infos: https://www.karlsruhe.de/themen/modernisierung-stadthalle
Autor:Jo Wagner |
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