Sonderausstellung im Heimatmuseum Graben-Neudorf
„Schön war die Zeit…“ - Einblicke in die "wilden 50er"

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Graben-Neudorf. „Schön, so schön war die Zeit“, heißt es in einem alten deutschen Schlager. Aber sie waren manchmal auch ganz schön hart, die so genannten „wilden 50er Jahre“ - vor allem wenn man sie als Kind erlebt hat, erinnert sich Irmtraud Brecht und hat deshalb eine Ausstellung über die Jahre vor und während des Wirtschaftswunders zusammengestellt, die ab sofort für etwa ein Jahr im Heimatmuseum Graben-Neudorf zu sehen ist.

Musiktruhe und Kartoffelferien

Wie man in Graben-Neudorf die Zeit von Nierentisch, Sammeltasse, Rock'n'Roll und Gelsenkirchener Barock erlebt hat, will sie zeigen und hat dafür zahlreiche original Exponate gesammelt und liebevoll in einem Raum des Heimatmuseums drapiert. Von der Schulbank und dem alten Lederranzen bis hin zur Musiktruhe und den ersten Nylonstrümpfen, von den Sammeltassen auf der Kaffeetafel bis hin zum Eierlikör in der „rollenden Hausbar“. Zum Leben erweckt werden die gezeigten Gegenstände durch kurze schriftliche Erklärungen und einen Abriss der wichtigsten historischen Ereignisse des 50er Jahre. Aber auch ihre ganz eigene Geschichte erzählt die Kuratorin: Vom Vater der 1945 aus dem Krieg kam und bei der Bahn Karriere machte, von der Landwirtschaft, bei der die ganze Familie nach Arbeit,  Schule und während der Ferien mithelfen musste. "Das war oft anstrengend, aber wir hatten eine schöne Kindheit - so ganz ohne Fernsehen und mit einer Mutter, die immer für uns da war und uns gerne Märchen vorgelesen hat", berichtet Irmtraud Brecht im Rahmen der Vernissage am Freitag.

Ehrliche Einblicke

„Wir wollen zeigen, dass es nicht immer so war, wie es heute ist“, bringt Museumsleiter und Vorsitzender des Heimat- und Museumsvereins Guido Herzog den Sinn der Ausstellung und des Museums auf den Punkt. „Auch wenn die Vergangenheit nicht immer die oft beschworene `gute, alte Zeit` war.“ Bürgermeister Christian Eheim, der der Ausstellungseröffnung am Freitagabend beiwohnte, dankte dem Verein und der Kuratorin für ihr großartiges Engagement und betonte, dass es viele Parallelen zwischen den 50er Jahren und der Gegenwart gebe: „Damals kamen Millionen von Flüchtlingen in unser Land, mussten untergebracht und integriert werden, die Wohnungen waren knapp, man befand sich in einer Zeit der Weichenstellung – das ist heute nicht viel anders.“

Aber dann kamen die Wunder:  Das von Bern im Fußball und das oft beschworene konjunkturelle „Wirtschaftswunder“ – man genoss den Luxus, die Mode, begann zu verreisen und das Leben zu genießen. Auch das zeigt die Ausstellung: Von den Chianti-Korbflaschen aus Italien als Regaldeko bis hin zum exotischen Wandschmuck aus Keramik. Halbstarke mit Jeans und Pomade im Haar, flotte Mädchen im Petticoat, Bertelsmann Buchclub, Bowle und selbst eingekochte Marmelade - so zeichnet die kleine aber feine Ausstellung ein detailverliebtes Bild des deutschen Alltags der 50er Jahre.

Sonderausstellung ab sofort geöffnet

Etwa ein Jahr lang wird die Ausstellung über die 50er Jahre im Heimatmuseum Graben-Neudorf – in der Karlsruher Straße 47 – zu sehen sein, jeden ersten Sonntag im Monat von 14 bis 17 Uhr. Auch zum Straßenfest in Graben am Wochenende ist das Heimatmuseum mit der Sonderausstellung am Sonntag, 2. September, geöffnet.

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