Herxheim hat ein „neues“ Denkmal: Der Marienbrunnen
Offiziell unter Denkmalschutz

Bei der Brunnengrabung
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Herxheim am Berg. Im Mai kam, auf Wunsch des Ortshistorikers Eric Hass, die oberer Denkmalschutzbehörde aus Mainz nach Herxheim am Berg, um zu beurteilen, ob der vor genau 30 Jahren von Eric Hass wiederentdeckte Marienbrunnen, die Anforderungen eines „Baudenkmals“ erfüllt.
Jan Landschreiber, zuständiger Denkmalexperte von der unteren Denkmalschutzbehörde der Kreisverwaltung Bad Dürkheim, und Dr. Leonie Köhren von der oberen Denkmalbehörde (Inventarisierung) in Mainz prüften beim Ortstermin die zusammengestellten Unterlagen des Marienbrunnens und beurteilten vor Ort auch den historischen Dorfbrunnen mit seinem unterirdischen Brunnengang. Der seit Dezember 2020 neu ausgeleuchtete Schachtbrunnen mit seinem fast 27 Meter langen Seitenstollen überzeugte die beiden Prüfer auch durch seine besondere Bauausführung und Brunnengeschichte, sodass der Marienbrunnen nun seit Juni offiziell als „Einzelbaudenkmal“ anerkannt wurde.
Was ist das Besondere an dem Marienbrunnen?
Die Fachleute überzeugte die Einzigartigkeit dieses ursprünglich rund 11 Meter tiefen, mit Sandsteinen gebauten Brunnenschachtes aus dem Baujahr 1858 aufgrund der Tatsache, dass dieser einen unterirdischen Brunnengang besitzt. Der ungefähr 27 Meter lange, fachlich sauber ausgemauerte Brunnengang ist zudem mit Bodenplatten ausgelegt und wurde etwa ein Meter hoch und einen halben Meter breit ausgemauert. In der Mitte des Stollens verläuft auch eine Wasserrinne hin zum eigentlichen Brunnenschacht. Dieser begehbare Brunnengang ist bergmännisch ausgedrückt ein „Seitenstollen“ und wurde einst unter Anleitung von Bergleuten aus Imsbach zusammen mit Herxheimer Bürgern gebaut. Außerdem findet man in dieser besonderen Brunnenanlage noch einen etwa 9 Meter langen Dränagekanal, der in Gemeindeunterlagen aus der Bauzeit auch als „Dohl“ bezeichnet wird. Anhand von Gemeinderechnungen in Jahresabrechnungsbänden kann man heute noch belegen, wer einst die Grabungsarbeiten bei diesem Bauprojekt ausgeführt hat und wie lange daran gebaut wurde, ebenso wer z. B. die Pumpe, die Steine, den Brunnentrog, das Holz und die anderen Baumaterialien geliefert hat. Ziel des außergewöhnlichen Brunnenbaus war es nämlich den Hofbrunnen des Nachbarn gegenüber trocken zu legen und dessen Brunnenwasser in den Gemeindebrunnen abzuleiten.
Da Georg Heinz im heißen Sommer 1858, als alle übrigen Gemeinde- und Hausbrunnen im ganzen Dorf ausgetrocknet waren, sein Brunnenwasser an die notleidenden Dorfbewohner sehr teuer (10 Liter für heute umgerechnet ca. 20 Euro) verkaufte, entschloss sich die Gemeinde, mit dieser aufwendigen Brunnenanlage dem Wasserverkäufer das Brunnenwasser zu entziehen und so dem untragbaren „Wassernotstand“ ein Ende zu setzen. Dies gelang auch und daher ist der Marienbrunnen sicher landesweit der einzige Dorfbrunnen, den einst eine Ortsgemeinde gezielt baute um einem seiner Bürger buchstäblich das Brunnenwasser abgegraben.
Bis 1991 war von dem Brunnen nichts mehr zu sehen, da dieser unter Kopfsteinpflaster abgedeckt war. Aufgrund der Tatsache, dass an dieser Stelle der Schnee nie länger liegen blieb und man hier immer einen schneefreien Kreis sah, vermutete Eric Hass, dass sich darunter ein Brunnenschacht verbergen könnte. Im Sommer 1991 wurde das Kopfsteinpflaster entfernt und der Brunnenschacht unter einer Holzabdeckung entdeckt. Der Herxheimer Maurer Andreas Kulali mauerte daraufhin den ursprünglich als Pumpenbrunnen gebauten Marienbrunnen mit einem schönen Sockel und Brunnenkranz hoch, wodurch der Originalschacht gut zu sehen war. Am 8. September 1991, auf den Tag genau 133 Jahre nach seiner Ersteinweihung, wurde der Brunnen in einer kleinen Feierstunde von Verbandsbürgermeister Gottfried Nisslmüller, Bürgermeister Karl Schlipp und Eric Hass nochmals eingeweiht.
Der Marienbrunnen bekam übrigens 1858 diesen Namen, weil die bayerische Königin Maria gerade ihr Namensfest hatte. Da die Pfalz zu dieser Zeit zum Königreich Bayern gehörte, wollte man mit der Namensgebung, wie es aus den geschichtlichen Unterlagen hervorgeht, die „Landesmutter“ ehren.
Im Jahr 2013 wurde zudem ein herausnehmbares Schutzgitter eingebaut und die erste Beleuchtung installiert, sodass man per Knopfdruck den Brunnenschacht und den Eingang zum Seitenstollen, durch den noch heute kontinuierlich ca. 1800 Liter Wasser pro Stunde in den Marienbrunnen fließen, gut sehen kann.
Neben dem Marienbrunnen konnte der Heimatforscher Eric Hass in seiner mittlerweile 35-jährigen Tätigkeit für die Ortsgemeinde Herxheim am Berg bereits 2006, die ebenfalls von ihm entdeckte jüdische Mikwe (Ritualbad) und 2012 die Karsthöhle als zu offizielle „Denkmäler“ erklären lassen. ps

Autor:

Franz Walter Mappes aus Bad Dürkheim

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