BriMel unterwegs
Kollektive Begeisterung mit Tom & Maria Kollektiv
- Tom & Maria Kollektiv
- Foto: Brigitte Melder
- hochgeladen von Brigitte Melder
Forst. Am 24. Juli fand das zweite Sommerkonzert 2026 vom „Tom & Maria Kollektiv“ im Innenhof des Weingutes Eugen Müller statt. Heute in der Besetzung Maria Blatz (Gesang und Klavier), Tom Keller (Gesang, Akustikgitarre), Stefan Kahne (Gitarre und Gesang), Christian Herzberger (Geige) und last but not least Thomas Lui Ludwig (Schlagzeug und Percussion). Für dieses herausragende Quintett gibt es nur Superlative und es zu beschreiben trifft nicht den Live-Abend, aber ich versuche es.
In dem mediterranen Ambiente des Weingutes Müller mit seiner Blumenpracht aus Schmucklilien, unter Pavillons vor der Sonne geschützt und mit leckeren Speisen und Getränken versorgt fühlte sich schon einmal wie Urlaub an. Nach dem Herrgottsacker am 05.06. heute also in das idyllische Weindorf Forst. Eine große Bühne nahm den gesamten Eingangsbereich in Beschlag; zu erreichen war das Event nur durch eine Tür. Die Sonorous-Veranstaltungstechnik aus Meckenheim sorgte für den richtigen Klang und die Nebelmaschine funktionierte auch. Den besten Platz hatte man in der Frontreihe im Liegestuhl. Das Stammpublikum in ausgelassener Stimmung kommt nicht nur aus dem Umkreis, sondern teilweise von ziemlich weit her: Norderney, Sansibar, Schweiz, Saarland und Bad Bergzabern, um nur ein paar zu nennen.
Kurz bevor es um 19.30 Uhr losging wurden erstmal die vielen bekannten Fans umarmt und ein kleiner Small Talk gehalten. Aber dann gings los und die Band betrat die Bühne. Tom begrüßte das Publikum in diesem wunderschönen Hof und freute sich, in viele bekannte Gesichter blicken zu dürfen. Er lobte den Wettergott, dass es ein so wundervoller Sommertag heute war, denn in den letzten Jahren hatten sie immer gebibbert. Im ersten Set höre man durchweg eigene Songs und im zweiten Set würden Coversongs im ganz eigenen Stil gesungen. Mit dem Prosit „Zum Wohl die Pfalz“ erhoben alle im Publikum ihr Glas und die Band eröffnete mit dem Song „Fallen Kings“. Wer die Band noch nicht live erlebt hat staunt dann nicht schlecht über diese unglaubliche Stimmgewalt von Tom und Maria, die mit ihrer glockenreinen Stimme alle Tonarten beherrscht und bis zum „Atemstillstand“ halten kann. Toms beeindruckende Stimme gepaart mit den außergewöhnlichen Geigenklängen machen dann schon Lust auf mehr. Sie lieben es, wenn das Publikum mitsingt. „Eine Studie belegt, dass 20 Minuten singen das Immunsystem um 60 % verbessert“, meinte Tom, der die Moderation des Abends übernommen hatte. „I still reach out“ als Refrain wurde vom Publikumschor dann gerne bis zum Ende mitgesungen und mitgeklatscht. Tom stellte seine Musikerkollegin und -kollegen kurz vor. Stefan Kahne spielte auf seiner Gitarre wie ein junger Gott mit einer rasanten Saitenfingerfertigkeit, die Al Di Miola in nichts nachstand. „Happy to share my life with you“ folgte und man sah ringsum in strahlende glückliche Gesichter. „Macht ihr etwas für die Gesundheit?“ wollte Tom bezüglich Chortätigkeit wissen und das Publikum lachte. Ein Solopart von Christian Herzberger auf seiner Geige versetzte einen kurz nach Irland, wo die Geige fester Bestandteil der Bands ist. Bei „Don’t know anything“ waren die Geige und Chris wie ein zusammengeschweißtes Paar verbunden. Schön, wenn man noch eigene Songs schreibt und nicht alles gecovert wird und man sich beim Texten Gedanken macht. Beim Song „Thinking of you “ wurde Schlagzeuger Thomas Lui Ludwig explizit vorgestellt als Königin oder Kammerzofe, der jedoch eher dem Schauspieler Bruce Willis in besseren Zeiten ähnelte. Als nächstes kam der eigene Song „Thinking of you“ von Maria Blatz, den sie nach der Begegnung mit einer Frau schrieb, deren Zwillingsschwester verstorben war. Es war ein anspruchsvolles Stück voller Emotionen. Das Publikum setzt mit einem gigantischen Chor den Höhepunkt und Tom Keller ging auf dieses, sein Publikum zu, um ihm näher zu sein. Stefan Kahne tauschte seine E-Gitarre gegen die Akustikgitarre von Tom ein, denn nun sollte ein eigenes Stück von ihm präsentiert werden. Der Beginn klang spanisch, nein, war nur Spaß. „Now we can let go“ mit Gitarre, Gesang und Christian Herzberger an der Geige vollendeten die Performance. Tom sinnierte „Let it go“, man müsse loslassen. Zum Thema Angst, die Urangst ist die Angst vor dem Tod. Er hat Verbindung nach oben und einen Wettbewerbsvorteil, denn er weiß, dass es ihn gibt. Egal, welcher Religion man angehört, sollte man Angst gegen Freude am Leben austauschen und einfach ausschalten. Er kam auf das WM-Fußballspiel zurück, wo die Spanier ein Kollektiv bildeten, auch Deutschland sollte wieder als Kollektiv zusammenarbeiten. Das war sein „Wort zum Sonntag“, meinte er schmunzelnd. „Lass die Ängste los!“ Maria hat einen Song geschrieben als es ihr nicht ganz so gut ging. „Storymaker“ sang und spielte sie am Klavier, Tom saß dieses Mal am Cajon. Nach Beginn einer falschen Tonlage zeigte sich Lui Ludwig als wahrer Spaßvogel indem er meinte „Falsche Tonart fürs Schlagzeug?“ Für seine Soloeinlage am selbigen erhielt er tosenden Applaus. Das Lieblingsstück von Tom Keller „Where you belong“ – wo du hingehörst und von wo du kommst. Es ist ein romantischer ethischer Klaviersong und ein wahrer Ohrenschmaus vom Duett, das einen bis ins Mark berührte. Es war eine wahre Sinfonie. Jeder einzelne Musiker und die Musikerin gaben alles und das mit einer Leichtigkeit, die Freude bereitete. Es war ein sinfonisches Konzert mit Ausnahmemusikern für alle Sinne.
Im zweiten Set nach der Pause gab es „Mezzanine“ der Band Massive Attack mit einem exorbitanten Gitarrenpart von Stefan Kahne wie nicht von dieser Welt, der die Gäste zum Jubeln brachte. „Ihr müsst an eurer Gesundheit arbeiten!“ kam dann wieder der Wunsch nach Mitmachen von Tom Keller und das klappte super beim nächsten Song von Phil Collins „In the air tonight“, aber in einer vollkommen anderen Version, kaum wiederzuerkennen. Es wurde getanzt, gesungen und gelacht. Was will man mehr von einem Konzertabend der Extraklasse?! (mel)
Autor:Brigitte Melder aus Böhl-Iggelheim |
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