BriMel unterwegs
„Weinfluch“ im Zigarrenfabrikmuseum
- Uwe Ittensohn, Ariane Neunzling-Brahimi und Gjevabi Brahimi
- Foto: Brigitte Melder
- hochgeladen von Brigitte Melder
Rödersheim-Gronau. Am 17. April gab es im „historischen Zigarrenfabrikmuseum der Pfalz“ eine Autorenlesung des Speyerer Autors Uwe Ittensohn. Er las einzelne Kapitel aus seinem neuesten Krimi „Weinfluch“. Die Lesung wurde von einer Sekt- und Weinverkostung des Weingutes Grundhof aus Meckenheim und Woi not! aus Hochdorf-Assenheim begleitet. Das ehemalige „alte Schulhaus“ beherbergt heute das Sozialhistorische Zigarrenfabrikmuseum der Pfalz e.V. und bietet einen tiefen Einblick in die Geschichte der Zigarrenproduktion und deren Einfluss auf die lokale Gemeinschaft.
Am heutigen Abend fanden wie bei seiner letzten Lesung im Oktober 2025 wieder rund 50 Zuschauer den Weg hierher und somit war der kleine Raum voll belegt. Wo Ittensohn drauf steht ist auch Ittensohn drin und dementsprechend sollte es wieder eine rundum gelungene unterhaltsame Veranstaltung werden.
Bereits am Eingang wurde man von den ehrenamtlichen Mitgliedern des Museums und dem Autor sehr herzlich empfangen. Da fühlt man sich doch gleich wohl und dieses Gefühl erstreckte sich über den ganzen Abend. Frau Ariane Neunzling-Brahimi und ihr Mann Gjevabi Brahimi standen von „Woi not!“ für die spätere Verkostung bereit. Der Ausspruch von Uwe Ittensohn lautet mittlerweile „Keine Lesung ohne Wein!“ Der „Weinfluch“, sein neuester Kriminalroman, legte sich über Rödersheim-Gronau und das Zigarrenmuseum, die Handlung war jedoch ein Raub am Rhein. Im Raum herrschte eine angenehme Temperatur, wenn man dem an die 30 Grad Celsius aufgeheizten Auto entstieg. Insgesamt waren heute wieder drei Ortsbürgermeister zu Gast: Aus Meckenheim Silke Hoos (auch als Winzermeisterin), Thomas Angel aus Rödersheim-Gronau und Walter Schmitt von Hochdorf-Assenheim.
Der erste Vorsitzende des Vereins Peter Klein begrüßte die Gäste und stellte die beiden eloquenten Winzer-Damen neben sich vor. Silke Hoos stellte die verschiedenen Getränke vor und begann mit der ersten Kostprobenrunde. Sie freute sich, dass sie auch ein alkoholfreies Projekt vorstellen konnten – Woi not? Warum nicht? Uwe Ittensohn fragte in die Runde, wer denn alles bei seiner letzten Lesung hier dabei gewesen war. Etliche Finger gingen hoch. Er stellte sich als hauptberuflicher Autor vor, aber das war natürlich nicht immer so, denn bis er 2021 zu schreiben anfing arbeitete er bei einer Bank. Die Frage, ob man vom Schreiben leben kann, beantwortete er mit einem Ja, aber man müsse etwas dafür tun und jedes Jahr ein Buch herausbringen. Aus seinem 8. Band las er heute und stellte nebenbei noch seinen Vinotheken- und Wanderführer vor. Das liegt nahe, denn er befasste sich mit dem zweiten Standbein als Kultur- und Weinbotschafter im Weincampus in Neustadt/Weinstraße ausgiebig mit dem Thema Wein. Prost!
Er erzählte, dass es bei ihm üblich sei, dass verschiedene Handlungsstränge parallel folgten und er tatsächliche Namen verfremdet, so war das Publikum schon vorbereitet. Das Weinmuseum befindet sich im Historischen Museum der Pfalz in Speyer. Er las die Szene als sich ein Mensch in einer ausweglosen Situation befand, denn er hatte unheimlichen Durst, es war stockdunkel und eng. Hobbyermittler und Gästeführer André Sartorius machte eine Führung durch das Museum und wollte den Gästen eine er am ältesten erhaltenen Weinflaschen, einen Römerwein, in einem Schaukasten zeigen. Der Wein in einer mundgeblasenen Glasflasche wurde durch eine Schicht aus Olivenöl und Bienenwachs geschützt und so ist ganz unten tatsächlich etwas flüssiger geblieben. Als ein Schwabe unter den Gästen etwas wissen wollte, ging Ittensohn wieder ganz in seiner Dialekt-Rolle auf als sei er gebürtiger Schwabe und kein Pfälzer. Er ließ ein Foto der Originalflasche herumgehen. Man könne diese Flasche normalerweise besichtigen, aber momentan würde im Museum umgebaut werden.
Nächster Handlungsstrang auf der Parkinsel in Ludwigshafen mit einem Telefonat zwischen Kriminalkommissar Frank Achill und Bernd Scherer vom Kriminaldauerdienst. Eine Wasserleiche wurde angeschwemmt, man solle sofort kommen. Die Badegäste wollten ihre Bandhandtücher am Strand auslegen und dann so was.
Weiter ging es im Buch mit der Museumsführung. Auf dem Platz des Römerweines stand eine billige Rieslingflasche. Nanu? Des Rätsels Lösung war, dass der Römerwein gerade als Leihgabe auf dem Weg nach Wien sei. Was haben der Römerwein mit dem nun ausgeschenkten Wein gemeinsam? Sie sind beide alkoholfrei. Nach der langen Zeit hat sich der Alkohol abgebaut und es befindet sich auch keine Weinsäure mehr darin. Das konnte man bei einer Untersuchung vor mehr als 100 Jahren feststellen.
Eine Unterhaltung zwischen Museumsdirektor Brahms und der stellvertretenden Projektverantwortlichen Susanne Merckator folgte, wobei man beunruhigt war, dass sich der Transporteur noch nicht gemeldet habe. „Wir hätten diese Leihgabe nicht bewilligen sollen! Ist das Exponat sicher?“ Man bedenke, dass diese wertvolle Flasche mit einem Werttransportunternehmen so gelagert wurde, dass es keinerlei Erschütterungen gibt. Die Lesung war wie immer humorvoll gestaltet, Uwe Ittensohn ist nach so vielen Lesungen Profi in dem Metier und glänzt immer wieder mit seinem Repertoire an Dialekten. Im Kunsthistorischen Museum in Wien saßen drei Verantwortliche dafür, der Sicherheitschef, die Transportfirma und der Projektleiter. Uwe Ittensohn hat Kontakt zu einer waschechten Wienerin, die seine Romane immer liest und ihn hier beim Wiener Dialekt seiner Figuren beriet. Übergabe des Staffelstabs von alkoholfreiem und alkoholischem Wein und dann eine Pause, in der Uwe Ittensohn umringt war von Fans, die natürlich ihr Buch signiert haben wollten. Die Pause dauerte notgedrungen etwas länger. Von den Vereinsmitgliedern wurden immer wieder kleine Backwaren kredenzt und von den Winzern Wein. Mittlerweile herrschte auch eine sehr lockere Stimmung unter den Zuschauern.
Es konnte weitergehen mit einem kleinen Rückblick auf sein Buch „Klostertod“ während der Coronazeit, in dem auch Honig eine Rolle spielte. Das war der zündende Funke, der ihn zum Imker werden ließ. Aus dem einen Bienenstock in seinem Klostergarten sind mittlerweile fünf geworden. Seinem Protagonisten André Sartorius fallen die Kriminalfälle sozusagen immer vor die Füße und die russische Auslandstudentin Irina hat von Anfang an ihre Rolle in den Büchern. Uwe Ittensohn kam zurück zu seiner Lesung, in der nun der Mann vom Beginn (Geldtransportfahrer) mit Durst und Dunkelheit feststellt, dass er in einem Kofferraum gefangen liegt. Zur Rekonstruktion des Falles lieh sich André Sartorius in einem Baumarkt einen typgleichen Transporter aus. Irina sollte fahren und er setze sich in den Frachtraum. Der frischgebackene Bürgermeister der Stadt Speyer, Professor Dr. Alexander Schubert, war bis vor kurzem noch Direktor des Historischen Museums der Pfalz. Er beriet und unterstützte mit seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Ittensohn bei seinem Roman. Uwe Ittensohn bezieht Betroffene in seine Romane immer mit ein und bekam bisher immer tolle Unterstützung. Wieder ein Sprung nach Wien zu Professor Haberleitner, bei dem ein Erpresserschreiben eingegangen ist. Den Brief las Ittensohn natürlich mit echtem Wiener Schmäh. Zwei Millionen Euro gegen eine Flasche Wein im Wert von vier Millionen Euro sind doch ein Schnäppchen. Fragen aus dem Publikum wurden beantwortet und noch zwei Weinrunden standen aus. Mit einem gewissen Zeitdruck wurden sie kredenzt, denn die Lesung war eigentlich schon beendet. Mit einem „Absacker“ und viel Applaus wurde die Lesung beendet. Aber natürlich gab es für die Mitwirkenden noch eine kleine Präsentübergabe. (mel)
Autor:Brigitte Melder aus Böhl-Iggelheim |
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.