BriMel unterwegs
Theater Carnivore präsentierte herzallerliebst „Das Eselein“
- Florian Kaiser verkörperte "Das kleine Eselein"
- Foto: Brigitte Melder
- hochgeladen von Brigitte Melder
Böhl-Iggelheim, OT Iggelheim. Was war das für ein kurzweiliges Familienstück, das der Regisseur und Schauspieler Florian Kaiser im Garten vom Kreativhaus h6 präsentierte! Die 45 Minuten vergingen viel zu rasch. Es war unbeschreiblich gut, aber der Reihe nach.
Am 3. August füllten sich die bereitgestellten Sitzbänke mit großen und kleinen Zuschauerinnen und die Jüngsten bekamen sogar rote VIP-Decken zur Verfügung gestellt, worauf sie es sich so richtig bequem machen und gut sehen konnten. Das Wetter hielt und das war schon einmal etwas Besonderes momentan. Florian Kaiser switchte hin und her zwischen Kasse und Publikum, es hatte ja noch nicht richtig angefangen. „Achtung, Achtung!“ Wegen großen Andrangs verspätet sich die Vorstellung, meinte er dann zwischendurch. Ja, damit hatte er nicht gerechnet und war glücklich über den Umstand. Nochmals Unterbrechung wegen akustischer Probleme, denn ganz hinten hörte man ihn schlecht. Kurzerhand rückte man die Bank nach vorne und schon war das Problemchen behoben. Ungefähr 35 Personen applaudierten zum tatsächlichen Beginn, Bühne frei, Ruhe!
Florian Kaiser hat das Theaterstück „Das Eselein“ von den Brüdern Grimm als Vorlage genommen und für ein Erzähltheater umgeschrieben nach einer verloren gegangenen Handschrift aus dem Mittelalter. Pressetext: „Wenn wir in den Spiegel schauen, dann staunen wir oft darüber, wie wir von außen aussehen. So geht es auch einem Königskind. Doch was es im Spiegel sieht, ist doch außerordentlich erstaunlich: Graues Fell und lange Ohren. Und auch die Eltern schauen es so komisch an! Zum aus der Haut fahren! Doch bevor es so weit kommt, können wir staunen, was alles in ihm steckt. Ein Märchen darüber, wie wir damit zurechtkommen, anders zu sein als wir wollen.“
Es war vor langer langer Zeit als ein König und eine Königin über ein großes Reich herrschten. Bereits bei diesem ersten Satz war man fasziniert von der Mimik und Gestik von Florian Kaiser. (Sie können sich bei den vielen geschossenen Fotos davon überzeugen.) Wortakrobatik vom Feinsten. Da das Ehepaar keine Kinder bekam und sie gerne einen Thronfolger gehabt hätten versuchten sie es mit den Tricks Salz über die Schulter zu werfen und sich dreimal im Kreis zu drehen. Na, ob er damit die kleinen Zuschauer überzeugen konnte? Tatsächlich kam Nachwuchs kam zur Welt, jedoch mit vier Hufen und langen grauen Ohren und rief sogleich „IA“. Der kleine Esel lernte bei einem vorbeikommenden Spielmann die Laute schlagen und das so gut, dass jedermann begeistert und zu Tränen gerührt war. Er reiste bis ans Ende der Welt zu einer großen Mauer in ein großes Königreich als der wunderlichste Troubadour, der vor der Prinzessin spielte. Alle waren begeistert und der König bot ihm Ländereien an, aber nein, das Eselein wollte die Prinzessin zur Frau. In der Hochzeitsnacht wollte man wissen, was in dem Zimmer geschah und schlich sich in die Kammer, zuerst der Diener und dann der König. Ein fescher Jüngling ward gesehen! War es nun die Sonnen- oder die Mondfinsternis, die dazu beitrug und alle Vögel sangen? Ende gut alles gut und wenn sie nicht gestorben sind ………
Für diese fantastische Verkörperung des „Eseleins“ erhielt Florian Kaiser einen ganz kräftigen Applaus von Klein und Groß. Ich persönlich hätte noch eine ganze weitere Stunde zuschauen können. Besonders angetan war der kleine Jonas, der für sein Leben gerne Geschichten hört und während des Stückes bei den lustigen Szenen so herzhaft mitlachen musste. Und sollten Sie, verehrte Leserinnen und Leser, einmal ein schönes Schauspiel erleben wollen, können Sie das krankheitsbedingt ausgefallene Stück „Die Kartoffeln des Großvaters“ von Florian Kaiser am 5. September im Kreativhaus h6 um 20 Uhr (Einlass 19 Uhr) live erleben. 10 Jahre Theater Carnivore sollten noch viele Jahre folgen! (Weitere Programme unter wanderbuehne.com/kontakt) (mel)
Autor:Brigitte Melder aus Böhl-Iggelheim |
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