Von Raubrittern bis Hogwarts: Was wir über Burgen falsch gelernt haben
- Phantasievolle Darstellung der schottischen Inselburg Loch Leven des romantischen Malers Carl Friedrich Lessing aus dem Jahr 1828, fernab jeglicher Realität.
- Foto: Verbandsgemeinde Annweiler/Frei
- hochgeladen von Museum unterm Trifels Annweiler
Annweiler. Raubritter, düstere Verliese und ständig umkämpfte Festungen: Unser Bild mittelalterlicher Burgen ist bis heute von Vorstellungen geprägt, die mit der historischen Wirklichkeit oft wenig zu tun haben. Wie diese Mythen entstanden sind und was die moderne Forschung inzwischen über Burgen weiß, zeigt Dr. Joachim Zeune am Mittwoch, 26. August, um 18.30 Uhr im Ratssaal der Verbandsgemeinde Annweiler am Trifels.
Der Vortrag „Burgen – Mythos und Wahrheit“ ist Teil der Reihe „Junge Mittelalterforschung“ des Museums unterm Trifels. Zeune vom Büro für Burgenforschung in Eisenberg-Zell und der Deutschen Burgenvereinigung zeichnet darin die Geschichte unseres Burgenbildes vom ausgehenden Mittelalter bis hin zu Hogwarts nach.
Wie das Bild von der düsteren Burg entstand
Die wissenschaftliche Beschäftigung mit Burgen entwickelte sich vor allem zwischen 1850 und 1910. Sie war jedoch stark von Vorstellungen geprägt, die bereits im 18. Jahrhundert entstanden waren. Das Mittelalter galt als finstere und kriegerische Epoche, Burgen wurden entsprechend als ständig umkämpfte Raubnester und Zwingburgen wahrgenommen. Während antike Bauwerke sowie die großen Dome und Kathedralen des Mittelalters in der Kunstgeschichte hohe Wertschätzung erfuhren, galten Burgen lange als plump, klobig und wuchtig. Wissenschaftlich fanden sie deshalb zunächst vergleichsweise wenig Beachtung.
Gleichzeitig entwickelten sich die alten Gemäuer zu Projektionsflächen für Sehnsüchte, Abenteuer und Fantasien. Im Mittelpunkt stand dabei immer wieder das Bild von Kampf und Krieg. Problematisch war auch, dass die frühe Burgenforschung häufig nicht von Archäologen oder Bausachverständigen betrieben wurde. Stattdessen beschäftigten sich unter anderem Offiziere und Philologen mit den Anlagen und stellten dabei Thesen auf, die aus heutiger Sicht vielfach nicht haltbar sind.
Was moderne Burgenforschung heute weiß
Zeune zeigt in seinem Vortrag, wie sich die Wahrnehmung von Burgen über Jahrhunderte verändert hat und welche Mythen bis heute nachwirken. Gleichzeitig führt er in die Methoden und den aktuellen Forschungsstand der modernen Burgenforschung ein. Die Reihe „Junge Mittelalterforschung“ dient der Präsentation aktueller archäologischer, historischer sowie restauratorischer und konservatorischer Forschungen und Forschungsergebnisse. Veranstaltet wird sie gemeinsam mit zahlreichen wissenschaftlichen und regionalen Kooperationspartnern.
Termin und Info: Der Vortrag beginnt am Mittwoch, 26. August, um 18.30 Uhr im Ratssaal der Verbandsgemeinde Annweiler am Trifels, Meßplatz 1. Der Eintritt ist frei, der Zugang barrierefrei. red
Autor:Erik Stegner aus Landstuhl |
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