Waldgrehweiler : Ära geht zu Ende
Gasthaus Schlemmer zu
- Auch die Verwandtschaft und Freunde ließ sich kurz vor dem Ende nochmals sehen: von links Edgar Schlemmer, Sohn des am 15.4.verstorbenen Wirts und Vaters Helmut Schlemmer, Robin Huber, Katzenbach, Robin Schlemmer, Waldgrehweiler, Dominik Schappert und Lukas Hautz, beide Ransweiler, Jana Schlemmer, Waldgrehweiler
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Waldgrehweiler. Die Nachricht schlug in und um Waldgrehweiler förmlich wie eine "Bombe" ein, einige Stammgäste und treue Gasthausbesucher wollten es zunächst gar nicht glauben: Die Gaststätte Schlemmer schloß am 31. Mai 2026 nach dem Tod von Inhaber Helmut Schlemmer, der am 15. April 2026 im Alter von 89 Jahren verstarb, für immer seine Pforten. Eine Ära geht zu Ende, das Moscheltal verliert eine wichtige Institution, selbst wenn die Gaststätte in den letzten Jahrzehnten unter der Woche nur ab 16.30 Uhr geöffnet hatte. Sohn Edgar, früher bei Keiper und Adient in Rockenhausen im Controlling beschäftigt und selbst auch schon Rentner, wird die Gaststätte nicht weiterführen. Er hatte in den letzten Jahren seinen Vater schon immer dabei unterstützt. Im Familienbesitz befindet sich das Gasthaus seit dem 15. Juni 1931, also rund 95 Jahre. Schon vor Schlemmers gab es im Anwesen in der Hohlstraße 9 in Waldgrehweiler schon einen Ausschankbetrieb, denn 2005 wurde das Gasthaus von der Meisenheimer Brauerei Bonnet & Cie für 125jährige Kundentreue geehrt und ausgezeichnet. Nach dieser Urkunde, die in Gaststube aufgehängt ist, müsste es schon 146 Jahre einen Gaststättenbetrieb in diesem Haus gegeben haben. In der Ortschronik von Waldgrehweiler lässt sich darüber nichts finden.
1931 Anwesen gekauft
1931 kaufte Hugo Schlemmer das Anwesen mit Gastbetrieb, Lebensmittelgeschäft und Landwirtschaftsbetrieb. Nach seinem Tod im Krieg 1944 übernahm seine Frau Paula die Betriebsführung mit drei kleinen Kindern. Ab Sommer 1960 übernahm dann Helmut Schlemmer den Gastbetrieb mit Landwirtschaft. Das Lebensmitttellädchen wurde geschlossen, die Gaststätte vergrößert. Wegen der landwirtschaftlichen Arbeiten war die Gaststätte unter der Woche immer erst ab 16.30 Uhr geöffnet. Früher war das Gasthaus Schlemmer auch Zentrum bei den Kerwefeierlichkeiten in der Gemeinde am dritten Septemberwochenende. Tanzmusik im ehemaligen Saal, Essen in der Gaststube, die Kerwerede wurde vom Fenster des Saales verlesen und der Kerweumzug endete auch hier. In den letzten Jahren war vor allem das frische gezapfte Bier in den Stammtischrunden gefragt. "Es gab Gruppen, die zusammen wöchentlich karteten, einen FCK-Stammtisch, einen Gesangvereins-Stammtisch und auch allgemeine Stammtische mit Gästen, die sich regelmäßig wöchentlich hier bei uns trafen", so Sohn Edgar Schlemmer. Getrocknete Würstchen, Brezeln, Chio-Chips und Erdnüsse war das Essensangebot. "Jeder wusste das und und alle Gäste waren damit zufrieden", berichtet Schlemmer. Wichtig war seiner Meinung nach, "dass man hier auch einen Ort zum gemeinsamen Gespräch, und zum Austausch. Auch alle Neuigkeiten -Freud und Leid- wurden gegenseitig erzählt". Besucher kamen nicht nur aus der Gemeinde, sondern der ganzen Region: Edgar Schlemmer hatte eine Aufstellung seines Vaters parat, in der dieser alle Gemeinden in der näheren und weiteren Region aufgelistet hatte, aus denen Gäste regelmäßig nach Waldgrehweiler zu Schlemmers kamen. Insgesamt hatte der "Senior-Chef" 30 Gemeindenamen aufgeführt. Nun müssen neue Orte für Stammtische und Treffen gefunden werden - und das ist beileibe gar nicht so einfach mehr heutzutage.
Bild: Ehrenurkunde für 125jährige Kundenbeziehung
Bild: Gehörten mit zu den letzten Besuchern in der Gaststätte Schlemmer: v.l. Edgar Schlemmer (Sohn von Inhaber/Betreiber Helmut), Kevin Huber, Katzenbach, Robin Schlemmer, Waldgrehweiler, Dominik Schappert und Lukas Hautz, beide Ransweiler, Jana Schlemmer, Waldgrehweiler
Autor:Arno Mohr aus Alsenz-Obermoschel |
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