Adelige Geschichte im Schloss - Einblick in die Welt der Grafen von Oberndorff
- Mit diesem tollen Puppenhaus haben noch die Grafenkinder gespielt.
- Foto: Hannelore Schäfer
- hochgeladen von Charlotte Basaric-Steinhübl
Neckarhausen. Noblesse oblige. Adel verpflichtet. Das gilt auch für die Dauerausstellung der Grafen von Oberndorff im Neckarhäuser Schloss. Sie ermöglicht zum internationalen Museumstag am Sonntag, 17. Mai, einen Einblick in die Lebenswelt der ehemaligen Schlossherren und ihrer weit verzweigten Verwandtschaft. Deren Vertreter haben nicht nur lokal und regional ihre Spuren hinterlassen, sie waren auch europaweit unterwegs, wie sich im Kontext der Ausstellung zeigt. Aktive der Interessengemeinschaft Gemeindemuseum (IGM) lassen das geschichtliche Erbe vergangener Zeiten wieder lebendig werden.
Als jüngstes „Fundstück“ wird ein bislang als verschollen geglaubter Messkelch aus vergoldetem Silber im Rahmen der Ausstellung gezeigt. Der reich ornamentierte Kelch wurde einstmals von den Grafen von Oberndorff der katholischen Kirchengemeinde Neckarhausen gestiftet. Anlass war die erste heilige Kommunion von Antonia, Gräfin von Oberndorff (1863 -1951) am 4. April 1875. Sie ist übrigens die Tochter von Graf Friedrich von Oberndorff und seiner Gattin Irene, die am 8. August 1911 ihre goldene Hochzeit im Schloss zu Neckarhausen feierten. Die illustere Gästeschar steuerte dazu jeweils einen Teller zu einer wertvollen Porzellan-Sammlung bei, die das jeweilige Herrschaftshaus der adligen Gesellschaft als Bildmotiv zeigt.
Die Porzellansammlung zählt ebenso wie Gemälde von Kobell zum Interieur des ehemaligen großen Speisesaals der Grafenfamilie der - umbenannt in Franz Mazura-Saal - für Veranstaltungen genutzt wird und den Besuchern am Museumstag ebenfalls offensteht. Der andere Teil des Porzellans ist in den Räumlichkeiten der Dauerausstellung zu sehen.
Das sach- und fachkundige Team der IG Gemeindemuseum wird am Museumstag die Besucher durch das Schloss lotsen. Bereits im Treppenhaus begegnet man dem großformatigen Staatsporträt des Kurfürsten Carl Theodor und damit dem Dienstherrn des bedeutendsten Vertreters der Adelsfamilie, Franz Albert von Oberndorff (1720 - 1799). Er war zunächst Page von Carl Theodor, mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verband und erreichte später höchste Positionen in politischen Ämtern. Er war kurpfälzischer Minister und Statthalter Carl Theodors. 1777 erwarb Franz Albert in Neckarhausen das Susmann’sche Gut, ein Herrenhaus, das von seine Nachfahren bis zum heutigen Erscheinungsbild des Schlosses weiter aus- und umgebaut wurde. Das mit viel Liebe zum Detail eingerichtete Museum mit der Dauerausstellung der Grafen von Oberdorff im Dachgeschoss des Schlosses bewahrt so manche Pretiose aus vergangenen Adelszeiten. Ein Hingucker aus der Zeit der letzten Schlossbewohner ist ein originales Spielhaus mit reichlich Inventar. Das frühere Schulpult des Grafen Fritz sowie der Schreibtisch der bereits erwähnten Gräfin Antonia samt einer Kredenz mit einem Teil der Teller-Sammlung zählen ebenfalls zur Ausstattung. Hinzu kommen Mobiliar, Gemälde sowie diverse Accessoires, die dem damaligen Zeitgeist entsprachen. Auch der ehemalige Hausaltar der Grafen von Oberndorff, den man von der Orangerie wieder zurück ins Schloss transportiert hat, kann besichtig werden.
„Die von Oberndorff waren nicht irgendwer, sie spielten in der adligen Gesellschaft eine bedeutende Rolle“, weiß IGM-Aktive Margot Friedrich. So war beispielsweise die Großmutter des Widerstandskämpfers Graf von Stauffenberg eine Oberndorff. Es gab den Diplomaten Alfred von Oberndorff, der den Waffenstillstand von Compiègne mit unterzeichnet hat, wodurch der erste Weltkrieg endete. Und bei einer der Hofdamen von Kaiserin Sissi, Gräfin Erdödy, die mit einem ungarischen Adligen verheiratet war, floss ebenfalls oberndorff’sches Blut in den Adern.
Nach dem Verkauf des Schlosses samt Schlosspark im Jahr 1960 an die damals noch selbständige Gemeinde Neckarhausen zog sich der letzte Schlossherr, Graf Friedrich (1891-1970), auf den ebenfalls auf Neckarhäuser Gemarkung gelegenen Weiherhof zurück. ha
Infos kompakt:
Internationaler Museumstag, 17. Mai, im Schloss Neckarhausen. Geöffnet ist von 11 bis 17 Uhr. Führung durch die Dauerausstellung der Grafen von Oberndorff um 15 Uhr. Eintritt und Führung kostenlos.
Autor:Charlotte Basaric-Steinhübl aus Ludwigshafen |
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