Belastung durch Außenstände – Kooperation im Blick
Krankenhaus: „Rote Zahl“ statt „schwarzer Null“

von andrea katharina kling-kimmle

Pirmasens. Die Lage ist zwar nicht „lebensbedrohlich“ wie vor 15 Jahren, dennoch machen Oberbürgermeister Markus Zwick und Geschäftsführer Martin Forster keinen Hehl daraus, dass das Krankenhaus finanziell schwere Zeiten durchmacht. „Wir stehen wirtschaftlich auf festen Füßen, trotzdem schreiben wir erstmals seit Jahren rote Zahlen, da noch Beträge für 2019 ausstehen“, so Zwick, der Aufsichtsratsvorsitzender ist. Derweil sei man bestrebt, die Möglichkeiten einer Kooperation mit dem St. Elisabeth-Krankenhaus Rodalben auszuloten. Beide Einrichtungen haben gemeinsam eine externe Unternehmensberatung mit dieser Aufgabe betraut. Mit ersten Ergebnissen wird Anfang 2020 gerechnet.

In Deutschland gebe es einerseits zu viele Krankenhäuser, die sich zudem bereichern. So laute nach den Worten von Martin Forster der Tenor in der Öffentlichkeit. Deshalb finde eine Strukturbereinigung statt mit dem Ziel, „dass von 2.000 Einrichtungen 400 vom Netz gehen sollen“. Insbesondere die Krankenkassen, die laut Forster „im Geld schwimmen“, machen enorm Druck durch die hohen Beanstandungsquoten bei der Abrechnung der Patientenbehandlung. Dadurch komme es zu verzögerten Auszahlungen. Für kleinere Kliniken bedeute das oftmals das „Aus“, weil sie keine Mittel haben diese „Durststrecke“ zu überwinden. Derzeit gibt es in Pirmasens Außenstände in Höhe von 7 Millionen Euro, „die in der Kasse fehlen und eine rote Zahl verursachen“. Deshalb müssen auch größere Häuser immer öfter ums Überleben kämpfen, denn „die Kassen haben Macht über uns“, klagt der Geschäftsführer, der gleichzeitig aber von „Entwarnung“ spricht. Denn bei einem Umsatz von 75 Millionen Euro im Jahr rechnet er für 2020 wieder mit einer „schwarzen Null“.
Martin Forster, der seit 15 Jahren das Pirmasenser Krankenhaus führt, hat schon frühzeitig in Sachen „Fachkräftemangel“ seine Fühler ausgestreckt. Tatsache ist, dass ausreichendes Pflegepersonal nötig ist, sonst drohen Strafzahlungen. „Wir sind knapp, aber strategisch gut besetzt“, so sein Tenor. Eigene Kräfte heranziehen etwa durch die angegliederte Pflegeschule über verstärkte Angebote an Praktika bis zur Kooperation mit einer Schule in Tiflis (Georgien), „die nur für unseren Bedarf Personal ausbildet“, seien richtige Schritte in die Zukunft. Keine durchgreifende Verbesserung sieht er dagegen in dem Pflegepersonal-Stärkungsgesetz.
Auch die Budgetvereinbarungen im Vorfeld einer Jahresplanung seien sehr unbefriedigend. Denn jeder zusätzliche Patient, „der nicht verhandelt wurde, bringt den Häuser lediglich 60 Prozent der aufgewendeten Leistungen“.
Um mit der modernen medizinischen Versorgung Schritt zu halten, stehe die Digitalisierung an vorderster Stelle in Deutschland. In Pirmasens sei man dank Investitionen in Hard- und Software sowie der Schulung der Mitarbeiter „bestens gerüstet für die Zukunft“.
Eine wesentliche Rolle bei der weiteren Entwicklung nehmen auch Überlegungen ein, mit dem St. Elisabeth-Krankenhaus in Rodalben zu kooperieren. Diese Möglichkeit stehe derzeit auf dem Prüfstand, so Zwick und Forster. Fakt sei: „Man ist auf uns zugekommen mit dem Wunsch zu kooperieren“, macht der OB die Ausgangslage deutlich und verweist damit Spekulationen Pirmasens wolle Rodalben niedermachen entschieden zurück. Unstreitig sei die Tatsache, dass die Anzahl der Betten in Rodalben unverzichtbar sei um die medizinische Versorgung in der Südwestpfalz aufrecht erhalten zu können. Einer Zusammenarbeit stehe er offen gegenüber, „aber nicht auf Kosten unseres Krankenhauses. Wir lassen uns auf kein Abenteuer ein“, sagt Zwick und verweist auf die vergebliche „Rettungsaktion“ der Dahner Einrichtung, die Pirmasens vor über 15 Jahren fast in den Ruin trieb.
Um eine gemeinsame Lösung zu finden habe man eine externe Unternehmensberatung eingeschaltet, die in einem ersten Schritt die Situation beider Häuser analysiere und wirtschaftliche Möglichkeiten erarbeite. Das Land, das die Verhandlungen moderiere, habe signifikante Fördermittel in Aussicht gestellt, da ein Neubau der Rodalber Einrichtung unumgänglich ist. Auch Gelder aus dem Krankenhaussturkturfonds können nach Gewährung eines Antrages eingeplant werden. OB Zwick, der sich als „ergebnisoffen“ bezeichnet, ist davon überzeugt, dass von allen Partnern wie Träger, Stadt Rodalben, Kreis, Land und Kirche Anstrengungen unternommen werden, „die Bettenkapazität zu erhalten, um den Bedarf in der Region zu decken“. In Pirmasens stehen derzeit 399 und in Rodalben 155 Planbetten zur Verfügung. ak

Autor:

Andrea Kling aus Pirmasens

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