Stefan von Bothmers „Metropolis“ begeistert Publikum
Das Drama beflügelt den Mann am Flügel

Roboterfrau in „Metropolis“.  Foto: ps
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von andrea kling

Pirmasens. „Industriekultur“ anno 1927 auf der Leinwand, erdacht von einer Frau, umgesetzt von einem Mann und musikalisch untermalt von einem „Genie“: Die „Euroclassic“-Veranstaltung „Metropolis“ in der Alten Post jagte den Besuchern Gänsehaut über den Rücken um sie im nächsten Moment so zu fesseln, dass so manchem der Atem stockte. Trotz über zweistündiger Dauer war abgesehen von den Tönen, die Stefan Graf von Bothmer seinem Flügel entlockte kein Laut zu hören – bis ein Krachen, gefolgt von einem Flammenspiel das Filmgeschehen hautnah in den Saal übertrug.

Noch ganz im Bann des Geschehens zeigte sich das Publikum in seltener Einmütigkeit. Eine solche Veranstaltung hatte es noch nicht in den „Heiligen Hallen“ der Alten Post gegeben. Das lag sicher am Stoff des alten Stummfilms, der von dramatischen Geschehnissen in einer Zweiklassengesellschaft handelt, die von Thea von Harbou geschaffen und von ihrem Mann Fritz Lang in Szene gesetzt wurde. Der Streifen, der bei seiner Premiere im Januar 1927 sowohl bei Kritikern, als auch Kinobesuchern durchgefallen war, gehört heute zum Weltkulturerbe der UNESCO.
Musikalisch unterlegt war das Monumentalwerk in seiner Urfassung nicht, jedes Kino hatte in der Beziehung freie Hand. Stefan Graf von Bothmer, der mit seiner Vertonung eines „Dick und Doof“-Klassikers bereits viele Fans in Pirmasens gefunden hatte, stellte in der Alten Post nun seine Interpretation des Dramas mit vielen Explosionen, einer Roboterfrau, einer Liebesgeschichte und einem Happy-End vor. Eine Meisterleistung, die der adlige Herr im roten Samtjackett solo auf der Bühne absolvierte, lediglich unterbrochen von einer kurzen Pause.
Ohne Noten, nur mit einem Bildschirm „bewaffnet“, auf dem der Film ablief, ließ sich der Pianist von den Ereignissen beflügeln. Mit seinen Tönen ließ er sein Publikum in höchste Sphären steigen, um im nächsten Moment emotional abzustürzen. Mal laut, mal leise, mal ergreifend, mal abgehackt, um Spannung zu erzeugen, greift Graf Stefan auch mitten hinein in den Flügel und „malträtiert“ das Innenleben. Die erschreckenden Visionen der schwarz-weißen Bilder werden durch ein gekonnt eingesetztes Bühnenfeuerwerk zur selbst empfundenen Realität. Durch die Hand eines Erfinders geborene Roboterfrau verwandelt sich äußerlich in eine elfenhafte Erscheinung, die als kinderliebe und sozial eingestellte „Maria“ die Männer zu besseren Menschen bekehren möchte. Ihr „Mittler“, den sie den geknechteten Arbeitern versprach, entpuppt sich als Sohn des „Tyrannen“. Dieser Vater, der sein „Kind“ verloren glaubt, reicht nach vielen Irrungen und Wirrungen seinen Untergebenen die Hand zur Versöhnung. Die „Hexe“ aber, die für Zwietracht sorgen soll und im sündigen Transparent-Look den Herren der Gesellschaft den Kopf verdreht, hat nur Böses im Sinn hat. Sieg der Gerechtigkeit: Sie wird auf dem „Scheiterhaufen verbrannt“. Ihr liebreizendes Abbild aus Fleisch und Blut darf sich in die Arme des „Mittlers“ zwischen „Hand und Hirn“ schmiegen.
Am Schluss lässt „Metropolis“ eine leere Leinwand zurück, aber einen unauslöschlichen Eindruck bei all den Menschen, die in der Alten Post einen Abend der besonderen Art von „Industriekultur“ erlebt haben. Doch der eigentliche Beifall galt dem Mann am Flügel, einem „Grafen, der Pirmasens die Ehre gab“ mit seiner Kunst, die in vielen noch lange nachhallen wird. ak

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