Ältestes Fachwerkhaus geöffnet
„Tag des offenen Denkmals“ kommt zum 25. Mal zustande

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Waghäusel-Wiesental (ber). Abwechslungsreich geht es beim Jubiläum – 25 Mal „Tag des offenen Denkmals - zu, wenn die Heimatstube in der Wagbachstraße 48 am Sonntag, 9. September, von 14 bis 17 Uhr die Türen öffnet.
Das kleine unter Denkmalschutz stehende Fachwerkhaus ist 1795 erbaut worden: in einer unruhigen, kriegerischen Zeit. Damals erhob sich noch die Philippsburger Reichsfestung als mächtigstes Bollwerk am Rhein. Frankreich hatte den größten Teil des linksrheinischen deutschen Gebietes besetzt. Nach der 1792 erfolgten Kriegserklärung Frankreichs lagerten im sogenannten „Wiesentaler Feld“ österreichische Truppen mit 7.000 Mann. Die Bevölkerung litt extrem unter den Soldatenaufmärschen. Vor diesem Hintergrund ist es nachvollziehbar, dass die verarmten Einwohner nur bescheidene Häuschen errichten konnten.
Das Haus in der Wagbachstraße wurde 1965 von der noch selbstständigen Gemeinde Wiesental erworben. Von der alten Bausubstanz ist noch viel vorhanden. Das Gelände des Hofes, des Schweinestalls und der Scheune diente seinerzeit als Durchgang für die neu angelegte Lerchenstraße. Im Haus entstand bereits 1970 das erste Museum von Wiesental. Viele der damals dort ausgestellten Exponate sind heute im Museum im Alten Rathaus zu bewundern.
Bald nach seiner Gründung 1981 übernahm der Heimatverein die Verwaltung des Häuschens und stattete es mit Einrichtungsgegenständen im Stil um 1900 aus. Auf 50 Quadratmeter zusammengepfercht lebten zeitweise sieben Personen.
Direkt neben der Staffel ist ein uralter Pumpbrunnen zu bewundern. Hochgewachsene Besucher müssen sich schon mächtig ducken, wenn sie in die „gute Stube“ eintreten. Über dem Ofen hängt die wenig reizende Unterwäsche der Großfamilie zum Trocknen. Das Kinderbettchen und die Wiege machen die Enge des Raums vollkommen. Heute würde der Kinderschutzbund Sturm laufen. Doch vor 120 Jahren waren die fünf Kinder im zugigen Speicher unter den nackten Ziegeln untergebracht: auch im eiskalten Winter.
2018 hat sich der Heimatverein einige Besonderheiten einfallen lassen: So zeigt Malermeister Mayer alte Wandmuster, wie mit Walzen und Schablonen gearbeitet wird, womit früher die Wände verschönert wurden, als Tapeten für gewöhnliche Wohnungen noch nicht erschwinglich waren.
Das einst in allen Häusern befindliche Spinnrad wird sich wieder drehen. Dabei können sich die Besucher die Entstehung eines Fadens beobachten. Zudem gibt es Informationen über die wechselvolle Geschichte des Hauses. Am „Tag des offenen Denkmals“ erwartet der Heimatverein auch den 10.000 Besucher seit Eröffnung der Heimatstube.

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