Als Erstes die Fastnacht kennengelernt:
Geschichte der Gastarbeiter in Waghäusel

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Waghäusel. Die Geschichte der „Gastarbeiter“ in der Bundesrepublik ist fast so alt wie der Staat selbst.
Wie kam es dazu? In den 1950er Jahren fehlten in Deutschland viele Arbeitskräfte, deshalb warb die Regierung im Ausland Arbeitnehmer an.
Mit dem aufsteigenden Wirtschaftswunder wurden immer mehr Arbeitnehmer gesucht, die auf dem inländischen Markt nicht mehr zu finden waren. Und so schloss die Bundesrepublik 1955 mit Italien das erste „Anwerbeabkommen“ ab. Es folgten weitere Abkommen, etwa mit Spanien (1960) und der Türkei (1961). Die ausländischen Mitbürger waren also bewusst ins Land geholt worden, Jahr für Jahr.
Sie kamen nicht von selbst, sondern auf Ersuchen der Deutschen, um hier – zusammen mit den Einheimischen - das Wirtschaftswunder zu vollbringen, was schließlich auch gelang.
Seit 54 Jahren wohnt Serap Arabaci geborene Uca, inzwischen 67 Jahre alt, in Deutschland, jetzt im Waghäuseler Stadtteil Kirrlach.
Im Februar 1966 kam Serap als 12-Jährige mit ihren Eltern und ihren zwei jüngeren Geschwistern in einem VW-Käfer aus der Türkei nach Deutschland und landete in Wiesental. Die Familie war damals die zweite türkische Gastarbeiterfamilie im noch selbstständigen Dorf Wiesental.
Auf der langen Fahrt in die neue Heimat fand der erste Sprachschnellkurs statt. Der erste deutsche Satz, den das Mädchen gelernt hatte, lautete: „Ein Kilo Brot bitte.“
Am Tag nach ihrer Ankunft, als Wiesental ganz im Zeichen der (noch unbekannten) ortsüblichen Fastnacht stand, verkleidete ihre Vermieterin die ganzen Geschwister und warf sich mit ihnen in die Straßenfastnacht. "Ein bleibendes Erlebnis."
Von Integration sprach man damals nicht, das Wort kannte kaum jemand. Integration wurde einfach in die Tat umgesetzt. Gelebte und erlebte Integration zog sich wie ein roter Faden durchs ganze Leben von Serap.
Die Kinder und die ganze Familie wurden sehr herzlich und freundlich in Wiesental aufgenommen. Von rassistischen Äußerungen oder gar von persönlichen Anfeindungen fehlt bis heute jede Spur, betont Serap Arabaci mit Nachdruck.
Kurze Zeit später besuchte die junge Dame die Bolandenschule in Wiesental und absolvierte nach ihrem Abschluss eine Friseurlehre bei Liesl Heißler in Wiesental.
Während ihrer Lehre arbeitete sie nebenbei als Dolmetscherin für die Polizei und das Gericht, was seinerzeit noch sehr unbürokratisch vonstatten ging.
Einige Jahre später wurde die junge Frau vom Gericht offiziell vereidigt. Dadurch konnte sie sich selbstständig machen und eröffnete ein türkisches Übersetzungsbüro in Wiesental.
1981 machte sie eine Weiterbildung und Umschulung zur Buchhalterin. Von 1987 bis 2000 leitete die vielseitig ausgerichtete Frau sehr erfolgreich die Damen-Boutique „Aylin“ in der Bruchsaler Innenstadt.
Seit 2003 arbeitet sie als Finanzbuchhalterin bei der Firma Esogetics GmbH in Bruchsal. Doch mittlerweile ist die heute 67-Jährige zur Rentnerin geworden, allerdings mit Nebenbeschäftigung bei der gleichen Firma.

Neben ihrem Beruf mit allen Stationen hat sie zwei Töchter großgezogen.
Die Ältere der beiden ist selbst Mutter von zwei Kindern und Grundschullehrerin, während die jüngere Tochter jetzt Projektmanagerin in einem bekannten Softwareunternehmen ist.
Seit Jahren engagiert sich Serap Arabaci im „Verein für Dialog, Integration und Freundschaft (DIF), bekannt auch als Integrationsverein. Ihre Die Mitgliedschaft beim DIF erklärt sie so:
„Anfang der 1990er Jahre war ich Vorstand des türkischen Arbeitnehmervereins in Bruchsal, der kulturell und ehrenamtlich sehr aktiv war.
Aufgrund der unzähligen Veranstaltungen und ganz besonders der alljährlichen Teilnahme am Bruchsaler Schlossfest konnten wir unsere damaligen gewonnenen Erfahrungen und Ideen auch später beim jährlichen Waghäuseler DIF-Benefizhoffest der Kulturen einbringen.
Meine beiden Töchter Aylin und Yasemin sind offiziell Gründungsmitglieder des DIF seit 2009. Dies hat mich sehr stolz gemacht, da meine Kinder von unserem Vereinsleben geprägt und inspiriert worden sind. Da war es eine Selbstverständlichkeit auch für mich, den Verein zu unterstützen.
Das Schöne am DIF ist, dass der Verein von den Kindern der zweiten Generation gegründet wurde und hoffentlich später auch durch die vierte Generation weitergeführt werden kann.
Noch ein sehr positiver Effekt ist, dass ich gleich drei meiner Jahrgangsfreunde im Verein habe."

Autor:

Werner Schmidhuber aus Waghäusel

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