Gemeinschaftsschule Waghäusel
Ehemaliger Neo-Nazi packt aus

Der ehemalige Neo-Nazi Christian Ernst Weißgerber berichtete in der Waghäuseler Gemeinschaftsschule über seinen bisherigen Lebensweg und den Ausstieg aus der rechten Szene.
  • Der ehemalige Neo-Nazi Christian Ernst Weißgerber berichtete in der Waghäuseler Gemeinschaftsschule über seinen bisherigen Lebensweg und den Ausstieg aus der rechten Szene.
  • Foto: Klumpp
  • hochgeladen von Cornelia Bauer

Waghäusel. Auf Antrag des Fördervereins der Gemeinschaftsschule Waghäusel wurde die diesjährige „Fühl-dich-Woche“ der Bildungseinrichtung in der Großen Kreisstadt erneut durch das Bundesprogramm „Demokratie leben“ gefördert. Dadurch konnten Rektorin Christiane Naas sowie die beiden Schulsozialarbeiterinnen Sonja Weber-Graf und Alexandra Walter für einen besonderen Höhepunkt sorgen.

Der in der DDR aufgewachsene ehemalige Neo-Nazi und Chefideologe der „Autonomen Nationalisten“, Christian Ernst Weißgeber, berichtete über seinen Ausstieg aus der rechten Szene. Der studierte Kulturwissenschaftler und Philosoph ist freiberuflicher Bildungsreferent in Berlin und arbeitet an seiner Doktorarbeit.

Vor den Siebt- bis Zehntklässlern der Gemeinschaftsschule beleuchtete der 1989 in Eisenach geborene Ex-Nazi vor allem seinen persönlichen Lebensweg. Seine Mutter verließ früh das Elternhaus und der Gymnasiast litt unter der diktatorischen Strenge seines Vaters. Anerkennung fand er in der Heavy-Metal-Szene, zumal er selbst Musik machte. Bereits als Jugendlicher beteiligte er sich an den Montag-Demos in Eisenach und demonstrierte gegen den "Sozialabbau in Deutschland".

Ein deutlich älterer Freund führte ihn im Alter von 15 Jahren in die Nazi-Szene ein. „Dort fühlte ich mich zum ersten Mal ernstgenommen“, sagte Weißgerber. Mit 18 Jahren gründete er die Jugendorganisation „Pakt volkstreuer Jugend“. Nach dem Abitur ging er zur Bundeswehr, aus der er später unehrenhaft entlassen wurde. Der lange Weg seines Ausstiegs begann 2009 mit dem Philosophie-Studium in Jena.

„Aufgrund meiner Gesinnung war ich dort weitestgehend isoliert“, sagte der bald 30-Jährige. Zudem wuchs in ihm die Erkenntnis, „dass eine Gesellschaft nur dann verändert werden kann, wenn alle davon einen Nutzen haben“. Unterstützung fand der ausgebildete Kampfsportler bei einer Aussteiger-Organisation. klu

Autor:

Cornelia Bauer aus Speyer

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