Ambulanter Hospizdienst feiert Jubiläum:
Theatersolo nach dem Roman „Morgen und Abend“
- Wirmer beim Theatersolo
- Foto: Werner Schmidhuber
- hochgeladen von Werner Schmidhuber
Waghäusel/Bruchsal. Zum kleinen Jubiläum hat sich die Ambulante Hospizgruppe Bruchsal und Umgebung etwas Großes einfallen lassen, etwas ganz Besonderes: Im Kuppelsaal der Eremitage feierte die Einrichtung ihr zehnjähriges Bestehen. Zum Veranstaltungsreigen 2025 gehörte als Höhepunkt ein Theatersolo nach dem bekannten Roman „Morgen und Abend“ des Literaturnobelpreisträgers Jon Fosse mit dem überragenden Schauspieler Christian Wirmer.
Die Vorsitzende Anette Föllmer erinnerte bei der Begrüßung der Gäste an die Entstehung ihres Teams: Im Januar 2015 nahmen 30 Ehrenamtliche, unterstützt von vier Mitarbeiterinnen, ihren Dienst als Hospizbegleiter in dem Verein auf.
Die Besucher stimmten überein: Der Hospizdienst hat sich im vergangenen Jahrzehnt als fester, verlässlicher und unverzichtbarer Ansprechpartner im Bereich der ambulanten Hospizarbeit etabliert. Viele Menschen haben Hilfe und Trost gefunden. Und finden Hilfe und Trost nach wie vor.
In einem Grußwort würdigte Oberbürgermeister Thomas Deuschle das vorbildliche ehrenamtliche Engagement. Hier werde eine wichtige Arbeit in der und für die Region geleistet. Die motivierten Hospizbegleiter unterstützen und entlasten auf vielfältige Weise die Bedürftigen und deren Angehörige.
Im Mittelpunkt des gut eineinhalbstündigen Auftritts von Wirmer stand sein Theatersolo mit der Umsetzung von Jon Fosses bewegende Erzählung über Geburt und Tod. Sichtbar zog er das Publikum in den Bann, berührte es emotional außerordentlich stark. Was er bot, war eine echte Meisterleistung, die zum Schluss zu Recht mit Standing Ovations honoriert wurde.
Wirklichkeitsnah erzählt er die Lebensgeschichte des Fischers Johannes. Seine Mimik und Gestik zeigen, dass er - und wie er - in dieser Rolle aufgeht. Auffällig sind auch seine Sprechpausen. Der Interpret überlegt, denkt nach, lässt wirken. Seine Stimme hebt sich, senkt sich, wie es die jeweilige Situation erfordert. Dabei macht er Schritte nach vorn, auf die Seite, Bewegungen mit den Armen und Händen. Wirmer wirkt so, als wäre er selbst der spontane Erzähler, als stamme die Geschichte von ihm selber. Kein einziges Mal in der langen Zeit verspricht er sich, trägt Satz für Satz druckreif vor.
In „Morgen und Abend“ nimmt sich der Autor Jon Fosse ein großes Thema vor: der Tod. Die Schilderung, in deren Mittelpunkt ein einfacher norwegischer Fischer steht, dessen Leben hart aber erfüllt ist, öffnet den Blick auf das, was bei vielen ein Tabuthema ist.
Aus dieser Erzählung hat Christian Wirmer einen berührenden Theatermonolog geschaffen, in dem er Jon Fosses musikalische, kunstvoll rhythmisierte und zugleich schlichte Sprache bewahrt. Der norwegische Dramatiker hat eine Reihe verschiedener Romane, darunter „Morgen und Abend“, veröffentlicht. International bekannt wurde er durch seine mehr als 30 Theaterstücke, die weltweit aufgeführt werden und ihm wichtige Preise einbrachten.
2023 erhielt er den Nobelpreis für Literatur. „Jon Fosse vermag es, dem Unsagbaren eine Stimme zu geben“, so urteilte das Nobelpreiskomitee.
Autor:Werner Schmidhuber aus Waghäusel |
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.