BriMel unterwegs
Mit Pauken und Trompeten am Badehaisel
- Spielfreude pur bei den Wandermusikanten
- Foto: Brigitte Melder
- hochgeladen von Brigitte Melder
Wachenheim. Am 9. August gab es bereits am Nachmittag um 16 Uhr ein Open-Air-Konzert an der kultigen Kulturkneipe Badehaisel. Die „Wandermusikanten“ hatten einen Zwischenstopp bei ihrer „Wanderung“ eingelegt, um hier für das begeisterte Publikum im vollbesetzten Areal aufzuspielen. Heute gab es Musik aus den goldenen 20er Jahren.
Pressetext: Im Jahre 2004 fand sich eine kleine Gruppe unerschrockener Musikanten mitten im Pfälzer Wald zusammen, die ihre Instrumente erhoben und die Idee des freien Musizierens auf der Wanderschaft wieder aufleben ließen. Die Neuen Wandermusikanten waren geboren – eine Band, die einfach gute Stimmung macht!
Ausgerechnet heute war die Sonne verdeckt und man war gespannt, ob etwas herunterkam. Alle Tische waren besetzt und es galt Selbstbedienung, die durch die ehrenamtlichen Badehaisel-Vereinsmitglieder und dem Pächterpärchen Petra und Klaus Mayer nebst Mitarbeitern erfolgte. Auch der zweite Vorsitzende des Vereins Felix Hammann war vor Ort. Neben allerlei Getränkesorten gab es Grillgut zum Essen, dessen Zubereitung bei 35 Grad Celsius bestimmt kein Vergnügen war.
Sieben Bandmitglieder der „Wandermusikanten“ betraten die Stage: Bernhard Vanecek (Posaune), Thomas Hammer (große Trommel), Mouloud Marmari (Gitarre), Frederik Punstein (Sousaphon), Arne Moos (Snare Drum), Ralph Mosch Himmler (Trompete) und Florian J. Wehse (Trompete). Fanfarengleich eröffneten die Musiker mit dem weltberühmten Stück von Richard Strauss "Also sprach Zarathustra", das insbesondere durch ihre Verwendung in Stanley Kubricks Film "2001: Odyssee im Weltraum" bekannt ist. Diese Einleitung beginnt mit einem starken, hymnischen Thema, das oft als "Sonnenaufgang" interpretiert wird, und hörte sich einfach grandios an in dieser Formation. Bernhard Vanecek war Bandleader und gleichzeitig Moderator des Abends. Mit der Begrüßung gab er einen kleinen Einblick in den Konzertabend. „Wir werden die Wolken wegblasen, falls es doch regnen sollte, kommt zu uns unter den Schirm!“ meinte Bernhard Vanecek. Er hat die „Pfälzische Prärie“ komponiert und hier konnte der Trompeter Ralph Mosch Himmler aus Lambrecht seine ganze Bandbreite beim Solopart unter Beweis stellten. Der Publikumsapplaus war ihm gewiss. Aus Düsseldorf kam Mouloud Marmari und glänzte mit seinem Gitarrenspiel. Mister Thomas Hammer aus Hauenstein war Meister an der Trommel, konnte aber auch top singen. „Immer wieder Jazz, immer wieder Jazz!“ darauf freute er sich mit dem Song „Uptown up“, einem Rapp mit Megafon performt. In Hauenstein wird nicht nur viel „geschlagen“, sondern auch gesungen. Kennt jemand The Cry’n Strings? Bei der Band hatte sein Papa mitgespielt. Auch Bernhard Vanecek rappte eine Strophe mit, vielseitig wie er ist, kann er eigentlich überall einspringen, aber dann nahm er seine Zugposaune zur Hand. Auf der Bühne sprühten die Funken und die Band versprühte einfach nur gute Laune. Am Sousaphon glänzte heute anstelle Roland Vanecek der junge Musiker Frederik Punstein. Und dann fing es tatsächlich um 1630 Uhr an zu regnen, naja, so 10 Tropfen kamen herunter. Das war dann der Zeitpunkt, wo Bernhard Vanecek die eigentlich als Sonnenschutz gedachten „Aluhüte“, nein, sie waren aus Papier, als Regenschutz an ein paar Zuschauer verteilte. Bernhard Vanecek bedankte sich bei Kate im Publikum für die tolle Unterstützung, die die Hüte gebastelt hatte.
Passend zur Jahreszeit kam „Ice Cream“ von der Chris Barber’s Jazz Band, welches als Dixie-Hymne weltberühmt wurde. Ralph Mosch Himmler ging ab wie’s Zäpfchen, ein wahrer Entertainer, der mit seiner Trompete glänzte. Nach „Blues for Ben“ ging’s weiter auf der „Wanderung“ nach Tunesien. „Wir müssen trinken, wir haben Durst, der nur mit einer wunderbaren Schorle gestillt werden kann!“ Florian J. Wehse kann nicht nur gut Trompete spielen, sondern auch gut singen, also sang er „Caravan Durst“. Und der Durst stellte sich bei den Musikern auch bald ein und die Pause nahte.
Auch der ehemalige Bundestagsabgeordnete Christian Schreider war mit seiner Lebensgefährtin Lena und Zwergpudel Jali zum Konzert gekommen. Die Ehepaare Auer und Seitz aus Mannheim sind Fans vom Badehaisel mit all seinen Konzerten und bezeichneten es als ihren Geheimtipp. Herr Auer war Kavalier der „alten Schule“ und hatte seinen Regenhut seiner Frau als Sitzunterlage zur Verfügung gestellt. Im Gespräch mit der Sonnenhut-Bastlerin Kate Schuster aus Wachenheim erfuhr man, dass sie die Hüte aus alten Plakaten der Wandermusikanten gebastelt hat und mit viel Liebe für ihre Lieblingskapelle. Sie ist sogar Gründungsmitglied vom Badehaisel-Verein.
Nach der erlabenden Pause sprach die 1. Vorsitzende vom Badehaisel-Verein Petra Herriger noch ein paar Worte zu diesem Kultursommer und den goldenen 20er Jahren. Sie bedankte sich bei allen Helfern, den Wirtsleuten, die das Badehaisel Ende des Jahres verlassen werden, und den Musikern. Am 6. Dezember kommen die beiden Vanecek-Brüder mit dem „Backblech“ mit einem Nikolauskonzert ins Badehaisel. Alle Veranstaltungen sind unter www.badehaisel.info.de zu finden. Danke nochmals an das Pächterehepaar, das 6 Jahre lang unterstützt hat und man nun auf der Suche nach neuen Pächtern ist. Es gebe schon Interessenten, die Kultur weiterzubringen und mit dem Verein zusammenzuarbeiten, bitte bewerben und ansprechen.
Mit dem zweiten Set ging es dann weiter und die Musiker marschierten zu ihrer Stage mit dem Volkslied „Horch, was kommt von draußen rein“, aber auf vollkommen andere Weise, jazzig und modern. Man wolle die Tradition der Wandermusikanten fortsetzen, meinte Bernhard Vanecek. Die Westpfälzer Wandermusikanten bildeten sich in der Zeit von 1815-1914, die mit 15.000 Wandermusikanten durch die Welt gezogen sind. Der Kaiser von China war begeistert davon und man musste den Chinesen die Blasinstrumente beibringen. „Watermelon Man“ wurde gespielt und Bernhard Vanecek erzählte, dass man als Straßenmusikant mit Notenpapier und Stift bewaffnet Arien mitgeschrieben hat, um damit zu seinen Musikanten zu gehen und es zu harmonisieren. So gelangten die Hits aus der Oper auf die Straße. Über Rotterdam ging es in die Welt. „Bei mir bist Du schön“ lockte dann etliche Tänzerinnen und Tänzer auf die Tanzfläche zu diesem außergewöhnlichen Takt. Es wurde ein rundum gelungener Konzertabend wieder einmal am Badehaisel. (mel)
Autor:Brigitte Melder aus Böhl-Iggelheim |
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.