Mit „Too Good To Go“ können Unternehmen Geld verdienen und Müll einsparen
Stadtverwaltung sucht Lebensmittelretter

Äpfel mit Dellen oder eingeschweißter Saumagen, der einen Tag über dem Mindesthaltbarkeitsdatum liegt – zu gut für die Tonne oder eben „Too Good To Go“ findet der Schifferstadter Stadtrat. Ende Oktober entschieden sich die Mitglieder einstimmig für den Antrag der CDU-Fraktion: Zukünftig sollen so viele Geschäfte wie möglich ihre scheinbar unverkäuflichen, aber eben noch genießbaren Produkte mithilfe der „Too Good To Go“-App an die Bürgerinnen und Bürger bringen. Daher sucht die Verwaltung jetzt nach Unternehmern, die zu Lebensmittelrettern werden wollen. Für Fragen und Unterstützung gibt´s eine Ansprechpartnerin im Rathaus.

„Vom Acker bis zur Gabel – überall entlang der Wertschöpfungskette wird Essen verschwendet“, heißt es auf der „Too Good To Go“-Website. Jedes Jahr werden 18 Millionen Tonnen Essen alleine in Deutschland weggeworfen – 10 Millionen Tonnen davon wären vermeidbar. Zum Vergleich: Das entspricht einer landwirtschaftlichen Anbaufläche von der zehnfachen Größe des Saarlands, auf der nur Essen angebaut wird, das am Ende in der Tonne landet. Damit das in Schifferstadt nicht (mehr) passiert, hofft die Stadtverwaltung, dass sich Restaurants, Bäckereien, Cafés, Supermärkte und Hotels an „Too Good To Go“ beteiligen.

Wie das Ganze funktioniert und weshalb es sich lohnt, mitzumachen, weiß Katharina Trauth, Juniorchefin von Tanjas Marktlädl. Seit Juli nutzt das Verkaufsteam als bisher einziges Geschäft in Schifferstadt „To Good To Go“. Täglich wandern mithilfe der App zwei Kisten voller Lebensmittel, die zuvor in der Tonne gelandet wären, über die Ladentheke und sorgen neben der zusätzlichen Einnahme und den Neukunden – die „Wundertüten“ sind täglich ausverkauft – für ein gutes Gefühl.

Seit Juli 2019 sind Sie bei der „Too Good To Go“-App registriert – was hat sich dadurch verändert?
Wir werfen weniger weg – das ist eigentlich die größte Veränderung. Was noch essbar ist, kommt statt in die Tonne in eine der Kisten, in denen wir auch unsere Waren bekommen – so gibt es auch keinen zusätzlichen Müll.

Klingt ganz einfach – wie aufwendig ist es denn für Sie die Kisten täglich bereitzustellen?
Unter der Woche bieten wir standardmäßig zwei Kisten pro Tag an. Das haben wir so bei der App eingestellt. Die User bekommen das dann angezeigt und können sich jeden Abend die Kisten reservieren und am nächsten Tag zur angegeben Zeit – das ist bei uns immer zwischen 16 und 18 Uhr – im Laden abholen. Was in die Kisten kommt, hängt davon ab, was nach Ladenschluss übrigbleibt – meistens ist es Obst und Gemüse, das nicht mehr ganz so ansprechend aussieht, aber auch verarbeitete Lebensmittel, zum Beispiel von unserem Mittagstisch. Es sind also tatsächlich wahre Überraschungspakete. Ob wir die Lebensmittel in den Mülleimer werfen oder in die Kiste packen, macht vom Aufwand her keinen Unterschied. Bezahlt wird über die App mit Paypal oder Kreditkarte. Alle drei Monate erhalten wir dann den erwirtschafteten Betrag direkt aufs Konto.

Wie kommen die „Wundertüten“ bei den Kunden an?
500 Personen haben uns in der App als Favorit abgespeichert. Um 18:15 Uhr öffnet sich das „Verkaufsfenster“ – dann können die Kunden sich ihre Kiste reservieren. Wir sind jeden Tag ausverkauft.

Wie viel verdienen Sie durch „Too Good To Go“?
Unsere Kisten stehen für vier Euro online. Die Idee ist, dass pro Portion der dreifache Warenwert enthalten ist. In unseren Kisten sind also Produkte, die, wenn Sie noch „perfekt“ wären, für zwölf Euro in den Verkauf gehen könnten. „Too Good To Go“ behält pro Transaktion 1,09 Euro als Provision. Dazu kommt eine Verwaltungsgebühr von 39 Euro im Jahr. Ganz ehrlich: Reich werden wir durch den Verkauf der Resteboxen nicht, aber das Gefühl wertvolle Lebensmittel vor der Tonne bewahrt und damit sogar noch jemanden glücklich – und satt – gemacht zu haben ist unbezahlbar.

Was tun Sie, wenn Sie die zwei Kisten mal nicht voll bekommen?
Das ist gar kein Problem: Wenn an einem Tag nur Sachen für eine Kiste übrigbleiben, stornieren wir die andere. Derjenige, der sie sich vielleicht schon reserviert hat, wird darüber informiert und muss selbstverständlich nicht zahlen.

Sie haben ein Unternehmen in Schifferstadt und möchten auch zum Lebensmittelretter werden? Tatjana Rau vom Stadtmarketing unterstützt Sie gerne. Sie erreichen Sie telefonisch unter 06235 / 44151 oder per E-Mail an tatjana.rau@schifferstadt.de.

Autor:

Fabienne Ketterer aus Schifferstadt

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