Lehrermangel im Saarland: Bericht sieht Handlungsbedarf
- Nicht nur für das Fach Mathematik werden neue Lehrerinnen und Lehrer gebraucht. Der Rechnungshof schätzt, das im Saarland knapp 4.000 neue Lehrkräfte bis 2035 erforderlich sind. (Symbolbild)
- Foto: Julian Stratenschulte/dpa
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Saarbrücken. Für Familien und Schulen im Saarland dürfte die Suche nach neuen Lehrkräften in den kommenden Jahren noch wichtiger werden. Ein Sonderbericht des Landesrechnungshofs sieht angesichts steigender Schülerzahlen und vieler bevorstehender Pensionierungen weiteren Handlungsbedarf bei der Lehrergewinnung.
Der Rechnungshof hat in einem 155 Seiten starken Bericht untersucht, warum es zu wenige Bewerberinnen und Bewerber auf Lehramtsstellen gibt und wie das Land gegensteuert. Rechnungshof-Präsidentin Annette Groh erklärte, eine sinkende Zahl von Bewerbungen könne zu einem echten Problem für das Bildungssystem im Saarland werden. Ziel der Prüfung sei gewesen, Ursachen zu klären und der Landesregierung konkrete Ansatzpunkte aufzuzeigen.
Mehr Schüler, mehr Personalbedarf
Nach den Prognosen steigen die Schülerzahlen an den allgemeinbildenden Schulen vom Schuljahr 2020/2021 bis 2035/2036 um knapp 16 Prozent. Das entspreche rund 14.442 zusätzlichen Schülerinnen und Schülern. Im aktuellen Schuljahr lernen laut Bericht rund 128.000 junge Menschen an saarländischen Schulen, darunter knapp 26.700 an beruflichen Schulen.
Von 2023 bis 2035 werden demnach insgesamt 3.995 neu einzustellende Lehrkräfte für alle Lehrämter benötigt. Der Rechnungshof warnt, dass das Saarland damit vor einer beachtlichen Herausforderung steht. Hinzu komme, dass bundesweit bereits ein Mangel an Lehrkräften herrsche und die Länder miteinander um ausgebildete Kräfte konkurrierten.
Was das Saarland bereits unternimmt
Nach Angaben des Bildungsministeriums haben zum Freitag, 1. August, 13 pädagogische Fachkräfte und 132 neue Lehrerinnen und Lehrer ihren Dienst an saarländischen Schulen begonnen. Dazu zählen auch die ersten acht Quereinsteiger, die Anfang 2025 ihren Vorbereitungsdienst aufgenommen hatten. Sie sollen künftig in der Sonderpädagogik sowie in Bildender Kunst und Musik eingesetzt werden.
Vier weitere Lehrkräfte wechseln über den bereits etablierten Quereinstieg an Berufsschulen in den saarländischen Schuldienst. Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot wertete die zusätzlichen Zugangswege als richtige und wichtige Entscheidung. Quereinsteiger brächten fachliche Qualifikation und Erfahrungen aus anderen Berufen mit.
Wo der Rechnungshof Nachbesserungen sieht
Eine Gesamtnote für die bisherigen Bemühungen wollte Rechnungshof-Präsidentin Groh nicht vergeben. Der Bericht nennt aber mehrere Bereiche, in denen aus Sicht der Prüfer Verbesserungen möglich sind.
- den Lehrberuf attraktiver machen, etwa durch Schulverwaltungsassistenzen
- die Besoldung im Vergleich zu anderen Ländern im Blick behalten
- Sprachförderung personell ausreichend ausstatten
- Werbemaßnahmen intensivieren und verbessern
- Auswahlverfahren transparenter und schneller machen
- Digitalisierung und technische Verfahren stärker nutzen
- die Lehrerausbildung mit mehr Praxisanteilen verbessern
- Studienabbrüche besser dokumentieren und Ursachen auswerten
- den Vorbereitungsdienst auch in Teilzeit ermöglichen
- Quereinstieg weiter auswerten und zusätzliche Wege prüfen
Wie es nun weitergeht
Nach Darstellung des Rechnungshofs hat das Bildungsministerium bereits während der Prüfung erste Anregungen aufgegriffen. Dazu gehört die Möglichkeit, den Vorbereitungsdienst zu verlängern. Weitere Maßnahmen sollen noch folgen. Aus Sicht des Rechnungshofs ist diese Entwicklung positiv. dpa/red
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
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