Zeitzeugenbegegnung im Kloster Jakobsberg – Schüler des Paul-Schneider-Gymnasiums nehmen teil
- Henriette Kretz berichtete auf berührende Weise aus ihrer Kindheit in der Zeit des Nationalsozialismus
- Foto: Paul-Schneider-Gymnasium Meisenheim/gratis
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Meisenheim. Am 15. April nahmen die 9. Klassen des Paul-Schneider-Gymnasiums Meisenheim in Begleitung der Lehrkräfte Frau Kaffenberger, Herr Emrich und Herr Ohliger an einem Zeitzeugengespräch teil. Auch andere Schulen waren eingeladen worden, um mit verschiedenen Menschen ins Gespräch zu kommen. Allen gemeinsam war die Verfolgung durch die Nationalsozialisten.
Den 9. Klassen des PSG wurde als Zeitzeugin Henriette Kretz zugeteilt. Sie wurde am 26. Oktober 1934 in eine jüdische Familie in der damals polnischen Stadt Stanislawów geboren. 1941 musste die Familie ins Ghetto umsiedeln, mehrmals entkamen sie glücklicherweise der Deportation. Schließlich wurden sie für ein halbes Jahr im Kohlekeller einer polnisch-ukrainischen Familie versteckt und kurz vor Ende des Krieges doch noch von Wehrmachtsoldaten entdeckt. Die Eltern wurden erschossen, Henriette konnte fliehen und überlebte in einem von Nonnen geführten Waisenhaus.
In einem fast zweistündigen Vortrag schilderte die 92-Jährige ihre Kindheitserinnerungen. Dabei schaffte sie es, aufgrund ihrer Erzählungen die Schülerinnen und Schüler so zu fesseln, dass es mucksmäuschenstill im großen Sitzungssaal des Klosters Jakobsberg war. Ihre Biografie und ihre Schicksalsschläge sorgten für ein hohes Maß an Mitgefühl und Betroffenheit, und die Opfer des Nationalsozialismus bekamen durch ihre Geschichte ein Gesicht.
Dabei war es Henriette Kretz aber wichtig, nicht irgendwelche Schuldgefühle bei den Schülerinnen und Schülern zu wecken, sondern ihnen mitzuteilen, dass die Demokratie nichts Selbstverständliches ist und man diese aktiv schützen müsse. Sie selbst lasse nicht zu, dass der Hass sie im Leben lenke. So gab sie am Ende des Gesprächs und nach interessierten Nachfragen den Schülerinnen, Schülern und Lehrkräften wichtige Botschaften für ihr Leben mit auf den Weg. Alle waren dankbar für diese lohnenswerte Veranstaltung und die damit verbundenen Erfahrungen, die mehr Bewusstsein schufen und noch lange nachhaltig wirken werden. red
Autor:Ralf Vester aus Kaiserslautern |
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