Schick Essen auf omanisch
In Arabien unterwegs

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Der Oman ist ein absolut lohnenswertes Reiseziel. Bereits zweimal durften wir (mein Frau und ich) dort zu Gast sein. Wir haben hier ein Stück echtes Arabien kennengelernt, welches so weit weg ist von dem "Hochhaus-Glitzer-Quatsch" in Dubai und dem ultrakonservativen Leben in so manch anderem Land dieser Region. Hier lebt man einen ursprünglichen, lebensbejahenden und (gast)freundlichen Islam, hier weiß man um seine Traditionen und um die Notwendigkeit von angemessener Modernität. Das ist eine angenehme und passende Mischung.

In Salalah waren wir mit einem Omani unterwegs, der uns seine Heimat näherbrachte und der uns - ungeplant, aber von Herzen kommend - zu einem traditionellen Essen einlud. Jedes Mal, wenn ich an diesen Tag denke, komme ich ins Schmunzeln und Schwärmen. Warum? Darum:

Gasthaus und Fleischerei

Ganz nach dem Motto „Du bist, was du isst“, ging es am frühen Nachmittag in ein omanisches Lokal zum Kamelessen. Dies ist für Omani ein ganz spezielles Mahl, ein echtes Festtagsessen, gerade so, wie wenn wir Gans mit Knödel und Rotkraut kredenzen.
Das Etablissement - in der Pfalz nennt man so eine Lokalität "e derbi Wertschaft" - war nicht nur Gasthaus, sondern auch so eine Art Fleischerei-Fachbetrieb. Schon vom Parkplatz aus sah man Reihen von Kamelfleischstreifen in der Sonne hängen und vom Wind romantisch hin und her geweht werden. Die omanische Variante von „dry aged“ sozusagen, geduldig wartend auf hungrige Kundschaft.

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Das machte doch gleich Lust auf mehr und so betraten wir erwartungsvoll das Lokal. Das Ambiente war … sagen wir mal sehr rustikal und von sehr "ländlicher Prägung". Meine Frau merkte jedoch an, es wäre eher dreckig als rustikal und hätte sie vor dem Essen gesehen, in welcher "ländlicher Prägung" sich die Küche präsentierte, so hätte sie wohl spontan eine Fastenstunde eingelegt ;-). Aber von solchen Kleinigkeiten lassen wir uns bestimmt nicht den Hunger und die Neugier vermiesen.

Rustikale Gastlichkeit

Wir wuschen uns die Hände, nahmen auf metallenen Campingstühlen Platz und sofort wurde festlich eingedeckt. Ein aufgeschnittener, blassblauer Plastiksack legte man als Tischdecke auf. Kurz danach kamen mehrere Blechschüsseln, Blechteller und ein paar Plastiklöffel. Das Mittagessen bestand aus einem gutgewürzten, safrangelb-gefärbten Reis, dazu eine hellgrüne, sehr scharfe Chilisauce, ein süßes, braunes Gelee und natürlich Kamelfleisch. In Würfel geschnitten lagen die Stücke in einer hellen, grau-braunen Tunke. Das sah jetzt nicht übermäßig prickelnd aus, roch aber nicht unangenehm, ganz im Gegenteil.

Der Vegetarier am Tisch konnte sich natürlich nicht so recht mit dem Fleisch anfreunden und fragte bereits im Vorfeld, ob man denn ein bisschen Gemüse zum Reis servieren könne. Doch da dieses Lokal wirklich nur ein einziges Gericht kocht, nämlich Kamelfleisch mit Reis, konnte man dies leider nicht anbieten, doch könne man stattdessen einen Salat machen. Naja, besser als nichts, dachte sich meine Frau. Das Ergebnis der Salatbestellung war dann allerdings doch überraschend. Da kam also ein Blechdeckel und darauf lag sattgrüner, gut zwanzig Zentimeter langer, Löwenzahn. Frisch abgewaschene Blätter mit Stängel, gerade eben gezupft aus dem Vorgarten oder vom Parkplatz. Na dann: Mahlzeit!

Essen wie ein Kamel

Unser Reiseführer Mussalem mühte sich redlich mit dem gereichten Plastiklöffel zu essen, doch lieber aß er den Reis und das Fleisch mit den Fingern. So ist´s halt Tradition hier. Schmatzen und kleine Rülpser beim Essen sind ebenfalls üblich, da kann man sich ja fast wie zu Hause benehmen ;-). Nur was macht man mit dem gereichten Hasenfutter?
„Entschuldigung Mr. Mussalem, wie wird bei Ihnen der Salat gegessen?"
Höflich fragen ist ja keine Schande. Die höfliche Antwort natürlich auch nicht.
„Nehmen Sie die Blätter und essen sie wie ein Kamel!"
So sprach er, nahm sich zwei Stängel Löwenzahn, knickte und faltete sie zu einem mundgerechten Päckchen, biss die Hälfte von dem Grünzeugpaket ab und kaute genüsslich auf dem Stück abgemähter Wiese herum. Ok, ich glaube, nach Essig und Öl brauchen wir hier definitiv nicht fragen.

Wie sind "Kamelstaubsauger"

Also mümmelten wir an dem Karnickelfutter rum, aßen den Reis und genossen - zumindest die Herren am Tisch - das Kamelgulasch. Das Gericht schmeckte vorzüglich. Der Reis und die Soße waren wunderbar orientalisch gewürzt, das Kamel überraschend fest im Biss (aber keineswegs zäh) und ohne erkennbaren Eigen- oder Vorgeschmack. Ein wenig hatte ich ja die Sorge, dass man dem Fleisch seine Herkunft anmerkt und es einen strengen Geruch oder Beigeschmack hätte. Eine unbegründete Sorge.

Die Fleischstücker waren wirklich gut und die Schüsseln lehrten sich schnell. Das freute unseren Mr. Mussalem, der am Ende des Mahls fingerschleckend in die Runde blickte, mich wohlwollend am Arm drückte und fröhlich bemerkte: „Wir beide sind Kamelstaubsauger - Rülps“.

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Autor:

Gernot Haida aus Rheinauen

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