Seifert Logistics Group ist der „Joker“ der Dietz AG
Beim Bauantrag für Logistikzentrum bleibt es bei konträren Positionen

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Philippsburg (ber). Das bis zuletzt gehütete Geheimnis ist gelüftet: Seifert Logistics Group mit dem Hauptsitz in Ulm will sich auf dem geplanten und von der Dietz AG, dem größten Immobilieninvestor und Projektentwickler, gebauten Logistikzentrum auf dem ehemaligen Kasernengelände niederlassen. Die andauernden Spekulationen um Daimler haben sich als falsch erwiesen.
In der öffentlichen, mit rund 100 Zuhörern gutbesuchten Gemeinderatssitzung präsentierte Dietz-Vertreter Markus Engelmann den, wie es in der Eigenbeschreibung heißt, „international operierenden Speditions- und Logistikdienstleister“ als Art Joker - und als seinen künftigen Mieter. Unternehmenschef Harald Seifert verwies auf 45 Standorte, neuerdings auch im Ausland, und auf den Jahresumsatz von 185 Millionen Euro.
Mit dem Bauantrag, der dem Landratsamt zur Genehmigung vorliegt und den laut Verwaltungsvorlage der Gemeinderat lediglich „zur Kenntnis nehmen“ sollte, kann dem alten Bundeswehrgelände ein Logistikzentrum entstehen. Vorgesehen dafür ist das bisherige 14,3 Hektar große Areal der Firma Stefan Gredler, die es seinerzeit erworben hat und es jetzt an die Dietz AG abgibt.
Insgesamt sollen es drei 14 Meter hohe Multifunktionshallen mit Zwischengeschossen plus Büro- und Sozialräumen – alles in allem 72.000 Quadratmeter - geben. Für das Großprojekt will die Dietz AG aus Bensheim, im Bau von Logistikzentren federführend, 65 Millionen Euro investieren. Als Mieter hat sie jetzt die Seifert Logistics Group gefunden und mit ihr bereits einen Mietvertrag abgeschlossen.
In der Sitzung stellten Markus Engelmann und Harald Seifert unter dem Tagesordnungspunkt „Antrag auf Baugenehmigung zum Neubau eines Distributionsparks Hallen 1-3 mit Büro- und Sozialbereichen und Sprinkler- und Pförtnergebäude am Oberfeldweg in Philippsburg“ ihr Projekt vor. Die Gebäude sind bis zu 14 Meter hoch. Noch in diesem Jahr soll mit den Erdarbeiten begonnen werden. „Wir erwarten demnächst vom Landratsamt die Baugenehmigung“, ließ der Dietz-Repräsentant wissen.
Wichtige Rollen spielten für die gemeinderätlichen Befürworter und Gegner des Logistikzentrums die Fragen nach dem Verkehr, nach Arbeitsplätzen, Ausbildungsplätzen und Gewerbesteuereinnahmen, die die Fraktionen aus ganz unterschiedlichen Sichtweisen bewerteten. Manches blieb vage, mehrfach formulierte Seifert: „Es kommt darauf an, was reinkommt.“ „Derzeit“ rechne er mit 160 bis 240 Arbeitsplätzen und „momentan“ mit so 150 LKW pro Tag, also 300 Fahrten. „Wir zahlen überall dort Gewerbesteuer, wo wir sind“, versicherte er. Geplant sei ein Zweischichtbetrieb, eventuell ein Dreischichtbetrieb, hieß es auf Anfrage von Jochen Pöschel (SPD).
Nach den Verdienstmöglichkeiten erkundigte sich Peter Steinel (Uli). „Ich sage Ihnen, dass unsere Leute topp verdienen. Denn ich habe Wertekultur“, hob Seifert hervor. Im Gegensatz zu den drei Fraktionen der FW, SPD und Uli herrschte bei der CDU weitgehend Skepsis: Die Bandbreite aller vorgelegten Zahlen sei sehr groß, vieles ungewiss, schwammig, spekulativ, meinte Hans-Gerd Coenen. Wird Philippsburg ein überregionaler Logistikstandort entlang der L 602 mit entsprechend viel Verkehr, befürchtet Ortvorsteher Markus Heil (CDU).
Geländekäufer Gredler habe seinerzeit ein umweltfreundliches thermisches Blockheizkraftwerk in Aussicht gestellt - und jetzt alles verkauft. „Ich fühle mich verarscht“, so Heil. Für Peter Kremer (FW) eröffne das Logistikzentrum eine „gigantische Chance“. Auf Anfrage von Coenen räumte Seifert ein, dass bei einer Arbeitslosenquote in und um Philippsburg von drei Prozent „quasi Vollbeschäftigung“ bestehe.

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