Buchbesprechung
Ein bewegtes Leben auf zwei Rädern
- Foto: Rudi Birkmeyer
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Vom Rennrad, vom Leben und von den kleinen Schandtaten
Rudi Birkmeyer blickt in seiner Biografie „Ein bewegtes Leben auf zwei Rädern“ auf Jahrzehnte voller Radsport, Freundschaften und außergewöhnlicher Geschichten zurück
LANDau. Manche Menschen schreiben ihre Erinnerungen auf, weil sie Angst haben, etwas zu vergessen. Andere tun es, weil sie wissen, dass ihre Geschichten auch für andere interessant sein könnten. Bei Rudi Birkmeyer dürfte beides eine Rolle gespielt haben.
Seine Biografie „Ein bewegtes Leben auf zwei Rädern“ ist jedenfalls weit mehr als eine chronologische Aufzählung von Radrennen und Trainingseinheiten. Das Buch erzählt vom Radsport, wie er früher einmal war – von Leidenschaft, Ehrgeiz, Freundschaft und Kameradschaft, aber auch von den kleinen Abenteuern und „Schandtaten“, die zu einem bewegten Sportlerleben offenbar einfach dazugehören.
Wer heute mit einem modernen Rennrad unterwegs ist, mit Carbonrahmen, elektronischer Schaltung und Leistungsmesser, kann sich nur schwer vorstellen, unter welchen Bedingungen früher trainiert und Rennen gefahren wurden. Für Birkmeyer gehörten lange Trainingsfahrten, Wind und Wetter und nicht selten auch schmerzende Beine ganz selbstverständlich zum Alltag.
Doch gerade die Geschichten abseits der Rennstrecke machen das Buch besonders lesenswert.
Birkmeyer erinnert sich an Begegnungen mit bekannten Größen des deutschen Radsports, aber ebenso an die vielen Sportler und Freunde, die den Radsport in der Region geprägt haben. Eine besondere Rolle spielt dabei die Geschichte des RSV Landau-Mörlheim. Damit wird die Biografie gleichzeitig zu einem Stück regionaler Sportgeschichte.
Auch große Vorbilder kommen vor. Rudi Altig etwa war für Birkmeyer schon in jungen Jahren eine herausragende Persönlichkeit und ein absolutes Vorbild. Solche persönlichen Erinnerungen machen deutlich, was der Radsport für die damalige Generation bedeutete: Die großen Fahrer waren nicht einfach Sportstars – sie waren Vorbilder, über deren Rennen man sprach und deren Namen man nicht so schnell vergaß.
Aber Birkmeyer kann auch über sich selbst lachen. Und das ist eine der sympathischsten Seiten des Buches. Neben Trainingsfahrten und Wettkämpfen erzählt er von Erlebnissen, bei denen der sportliche Ehrgeiz offenbar gelegentlich von jugendlichem Übermut überholt wurde.
Man darf es ruhig so sagen: Nicht jede Geschichte aus der Rennfahrerzeit würde heute Eingang in einen offiziellen Trainingsplan finden.
Gerade diese selbstironische Erzählweise verhindert, dass das Buch zu einer trockenen Sportchronik wird. Birkmeyer schildert seine Erinnerungen nicht aus der Perspektive des perfekten Sportlers, sondern als Mensch, der vieles erlebt, manches ausprobiert und dabei auch einmal über die eigenen Grenzen hinausgeschaut hat.
So entsteht ein sehr persönliches Zeitdokument.
Ein Stück Südpfalz auf zwei Rädern
Besonders für Leserinnen und Leser aus der Südpfalz dürfte das Buch interessant sein. Viele Orte, Straßen und Rennstrecken sind nicht einfach Kulisse, sondern Teil von Birkmeyers Lebensgeschichte.
Was heute eine ganz normale Straße sein mag, war damals vielleicht Trainingsstrecke. Ein kleiner Ort wurde zum Schauplatz eines Rennens, ein Vereinsheim zum Treffpunkt der Radsportler und eine gemeinsame Ausfahrt zur Erinnerung, die Jahrzehnte später noch immer präsent ist.
Genau darin liegt der besondere Wert solcher persönlichen Erinnerungen: Sie bewahren eine Welt, die sonst langsam verschwinden würde.
Birkmeyers Biografie erzählt deshalb nicht nur seine eigene Geschichte. Sie erinnert auch an eine Generation von Radsportlern, die ihren Sport mit vergleichsweise einfachen Mitteln, aber umso größerer Begeisterung betrieben.
Erinnerungen für die Alten – Geschichte für die Jungen
Für ehemalige Radsportler dürfte die Lektüre vielfach Erinnerungen an die eigene aktive Zeit wecken. Namen, Rennstrecken und Erlebnisse können plötzlich wieder lebendig werden.
Für jüngere Leser ist das Buch dagegen eine interessante Reise in eine andere Zeit des Sports.
Eine Zeit, in der man sich nicht per Smartphone zum Training verabredete, sondern einfach wusste, wo und wann die anderen auftauchten. Eine Zeit, in der ein Rennrad nicht selbstverständlich ein Hightech-Produkt war und in der man sich seine sportlichen Erfolge noch mit vielen Trainingskilometern und manchem schmerzenden Muskel erarbeiten musste.
„Ein bewegtes Leben auf zwei Rädern“ ist deshalb eine Mischung aus Biografie, Radsportgeschichte und persönlichem Erinnerungsalbum.
Und vielleicht ist es genau diese Mischung, die den besonderen Reiz des Buches ausmacht.
Denn am Ende geht es gar nicht nur um die Frage, wie schnell jemand gefahren ist oder welches Rennen gewonnen wurde.
Es geht um Freundschaften. Um Vorbilder. Um gemeinsame Erlebnisse. Um eine Leidenschaft, die ein ganzes Leben begleiten kann.
Und natürlich um die Geschichten, die man seinen Kindern und Enkeln irgendwann erzählt – wobei man die eine oder andere „Schandtat“ vielleicht besser erst dann erwähnt, wenn die Enkel alt genug sind.
Rudi Birkmeyer hat seine Erinnerungen aufgeschrieben. Und damit ein Stück persönlicher und regionaler Radsportgeschichte bewahrt, das sonst mit seiner Generation langsam verschwinden würde.
Ein Buch für alle, die selbst einmal auf dem Rennrad gesessen haben. Für diejenigen, die sich für die Geschichte des Radsports in der Südpfalz interessieren. Und für alle, die gerne Geschichten von Menschen lesen, die etwas erlebt haben – und darüber auch heute noch schmunzeln können.
Das Buch gibte es im Buchhandel und direkt beim Verlag: Verlag: BOD
Autor:Rudi Birkmeyer aus Offenbach |
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