Historisches von Volker Schläfer
Kriegerdenkmal 1870/71 wird saniert

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  • Foto: Gemeindeverwaltung Mutterstadt / Gemeindearchiv
  • hochgeladen von Michael Hemberger

Für die Errichtung kreative und ungewöhnliche Finanzierung: Ausgabe von Gutschein-Losen und Standgeld für das „Jahrmarkt-Carroussel“ vor dem Gemeindehaus.

In der Denkmaltopographie des Bundes, Band 7 (Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz) ist auch das auf dem alten Friedhof in Mutterstadt stehende Kriegerdenkmal aufgeführt: Denkmal für den deutsch-französischen Krieg 1870/71: errichtet 1882 nach den Plänen des Architekten J. Brunner aus Neustadt. Aufwendiger, hoher Aufbau in Form eines Tempiettos, unten ein Treppenpodest, obenauf die Kaiserkrone. Der Historiker Bernhard Kukatzki schreibt 1996 in einer Broschüre über die Geschichte dieses Denkmals: „Eines der prächtigsten Kriegerdenkmäler der Pfalz steht in Mutterstadt. Das im historischen Stil erbaute Denkmal vereint klassizistische und Biedermeierelemente“. Für Leo Sebastian ist es in seinem Beitrag in der Ortschronik über den Alten Friedhof „eher ein Siegesdenkmal“.

An dem Denkmal mit seiner qualitätsvollen Steinmertzarbeit werden derzeit vom Gemeindebauhof und dem Steinmetzbetrieb Weisbrodt aus Niederkirchen notwendige Renovierungsarbeiten durchgeführt. Neben einer Grundreinigung werden Schadstellen beseitigt, Graffitifarbe entfernt, bröckelndes Fugenmaterial auf der Treppe beseitigt und neues Fugenmaterial aufgebracht sowie nicht mehr lesbare Schrift wieder hergestellt. Zusammen mit der Gerüststellung fallen dafür nach einer ersten Kostenzusammenstellung der Bauverwaltung 7.700 Euro an. Für Steinmetzmeisterin Janet Weisbrodt-Barth ist die Arbeit nach eigener Aussage an dem auf einem Treppenpodest von sechs auf sechs Meter stehenden acht Meter hohen Denkmal nicht alltäglich und deshalb interessant, auch im Hinblick auf Größe, Material und Gestaltung. Das Kriegerdenkmal zeigt reichlich symbolischen Schmuck, trägt die Namen der Mutterstadter Veteranen sowie der eroberten französischen Festungen und der Schlachtenorte.

Wie kam es seinerzeit zur Errichtung und Finanzierung dieses Denkmals? Die Mutterstadter Kriegsteilnehmer von 1870/71, es waren 111 Männer, von denen 8 gefallen sind, schlossen sich zu einem Kriegerverein zusammen und entschieden sich alsbald zum Bau einer Kriegsverehrung in Form eines Kriegerdenkmals. Als Standort wählten sie einen Platz auf dem Friedhof gegenüber der Friedhofskapelle aus. Die Inschrift lautet auf der einen Seite: Errichtet von dem Kriegerverein Mutterstadt unter freundlicher Mitwirkung der Gemeindeverwaltung und der patriotisch gesinnten Gemeindeglieder und auf der anderen Seite: Zur Erinnerung an den ruhmreichen Feldzug 1870/71.

Nach den Unterlagen im Gemeindearchiv und den Recherchen von Kukatzki dazu, hatte der Kriegerverein nach der glanzvollen Einweihung im September 1882, an der etwa 50 Krieger- und Gesangvereine und eine Artillerie-Musikkapelle teilnahmen, mit Schwierigkeiten bei der Aufbringung der Baukosten und somit mit der Fertigstellung des Projekts zu kämpfen. Wie der Vorstand Jakob Renner XIV der Gemeinde mehrmals mitteilte, erhöhten sich die geschätzten Kosten von ursprünglich 1.500 Mark erheblich und konnten vom Verein, auch nicht durch einen ersten Zuschuss der Gemeinde von 500 Mark, aufgebracht werden. Lehrer Heinrich Lützel bezifferte die Ausgaben letztendlich auf 5.100 Mark.

In jedem Falle kreativ die Anfangsfinanzierung, ungewöhnlich die Restfinanzierung über die Gemeinde: Kreativ, weil der Kriegerverein, neben den Mitgliedsbeiträgen, Gutscheine ausgab á 5 Mark, die teilweise wieder an die Spender ausgelost wurden und insgesamt eine Summe von 1.027 Mark erbrachten. Ungewöhnlich, weil nach mehrmaligen Anträgen des Vereins auf weitere Zuwendungen der Gemeinderat 1883 beschloss, dem Kriegerverein zur Deckung der Schuldenlast und für die Vollendung des Denkmals erneut zu helfen. Dafür wurde für den Früh- und Spätjahresmarkt (Ostermarkt und Kerwe) nur noch ein Karussell (Reitschule) und eine Schießbude vor dem Gemeindehaus (altes Rathaus) zugelassen und der Erlös des Standgeldes dem Verein für drei Jahre überlassen; 1886 wurde diese Vereinbarung um weitere drei Jahre verlängert.

Text: Volker Schläfer

Autor:

Michael Hemberger aus Mutterstadt

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