Überspannungsschäden im Kreis Kusel: Formfehler wirft Verfahren zurück – Betroffene bangen um ihr Geld
- Überspannungsschäden im Kreis Kusel: Formfehler wirft Verfahren zurück – Betroffene bangen um ihr Geld
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- hochgeladen von Lea Franziska Römer
VG Lauterecken-Wolfstein. Am 3. Oktober 2023 kam es im Stromnetz von 21 Ortsgemeinden im Landkreis Kusel zu einer massiven Störung. Was genau zu den Überspannungen führte, ist zwischen den Beteiligten umstritten. Nach Darstellung der Pfalzwerke Netz AG kamen eine Überlast im Umspannwerk Reckweilerhof und eine nicht rechtzeitig abgeschaltete Windkraftanlage in Einöllen zusammen.
Die Auswirkungen reichten von defekten Durchlauferhitzern in Privathaushalten bis hin zu Totalschäden an teuren Großgeräten bei lokalen Unternehmen. Auf eine Regulierung ihrer Schäden warten die betroffenen Haushalte bis heute.
Die Pfalzwerke Netz AG als Netzbetreiber hatte zwar Schäden abgefragt, aber auch zügig mitgeteilt, nach ihrer Auffassung sei sie nicht für die Schäden verantwortlich. Auch der Versicherer des Netzbetreibers sieht sich nicht in der Pflicht. Vielmehr sei bei der Abschaltung der Windkraftanlage in Einöllen ein Fehler aufgetreten.
Streit um die Ursache der Überspannung
Deren Betreiber, die Windpark Einöllen GmbH & Co. KG, ließ über Anwälte ausrichten, man sehe sich nicht in der Verantwortung. Die Pfalzwerke Netz AG schaltete die Regulierungskammer Rheinland-Pfalz ein. Eine Klärung der Verantwortungsfrage blieb jedoch aus.
Zwischenzeitlich hatten rund 100 Geschädigte eine Interessengemeinschaft gegründet, um ihre Schadensersatzansprüche durchzusetzen. Eine Kuseler Anwaltskanzlei reichte im März 2024 im Auftrag von Jürgen Maino, der mit seiner Metzgerei in Lauterecken ebenfalls zu den Geschädigten gehört und für die Interessengemeinschaft spricht, Klage ein. Inzwischen ist auch die Windpark Einöllen GmbH & Co. KG dem Verfahren beigetreten.
Schneckentempo und Formfehler
Nach einer ersten Verhandlung im Sommer 2024 zog sich das Verfahren zäh in das Jahr 2025. Im August 2025 kam es schließlich zur Beweisaufnahme. Ein gerichtlich geladener Gutachter nahm das beschädigte Gerät von Jürgen Maino direkt im Saal unter die Lupe. Doch danach passierte: nichts.
Monatelang warteten die Anwälte vergeblich auf das schriftliche Gutachten. Erst nach massivem Drängen im Juni 2026 – fast neun Monate nach dem Verhandlungstermin – flog bei erneuter Aktenprüfung des Gerichts ein entscheidender Formfehler auf. Das Gericht hatte die Klageschrift zu Beginn des Verfahrens falsch adressiert: an die Pfalzwerke AG statt an die Pfalzwerke Netze AG.
Die Verjährung droht
Obwohl die Rechtsvertreter der Pfalzwerke Netz AG längst am Verfahren teilgenommen und verhandelt haben, muss das Verfahren nach Einschätzung von Rechtsanwalt Stephan Meisinger wegen der mangelhaften gerichtlichen Zustellung von vorne durchgeführt werden.
Für die Betroffenen ist dies ein Schlag ins Gesicht. „Das Verfahren wurde über Monate hinweg nicht weiterbetrieben, Sachstandsfragen wurden ignoriert“, kritisiert Meisinger scharf. Besonders brisant sei nach Einschätzung des Anwalts, dass entsprechende Schadensersatzansprüche grundsätzlich nach drei Jahren verjähren.
Für die Geschädigten läuft jetzt die Zeit davon
Stichtag für die Opfer der Überspannung ist der 31. Dezember 2026. Da die Gegenseite sich bislang weigert, auf die Einrede der Verjährung zu verzichten, läuft den Betroffenen nun die Zeit davon. Mit einem rechtskräftigen Abschluss oder einer Entschädigung sei in diesem Jahr keinesfalls mehr zu rechnen, so der Anwalt.
Während sich die Beteiligten weiter darüber streiten, wer für die Schäden verantwortlich ist, verlieren die Betroffenen vor allem eines: Zeit. Das jahrelange Hin und Her um die Schuldfrage und der nun notwendig gewordene Neustart des Verfahrens sorgen dafür, dass die geschädigten Haushalte und Betriebe weiterhin auf ihren Kosten sitzen. Für sie ist bislang nicht absehbar, wann und von wem ihre Schäden ersetzt werden.
Die Interessengemeinschaft um Jürgen Maino wird nun wohl einen noch längeren Atem beweisen müssen. anjs
Autor:Anja Stemler aus Kusel-Altenglan |
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