Inklusion, die keine Grenzen kennt - Kath. Jugend für den Deutschen Engagementpreis 2026 nominiert
- Inge Lütz mit Ministerpräsident Alexander Schweitzer bei der Übergabe des Brückenpreises
- Foto: Staatskanzlei RLP/Alexander Sell
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Lauterecken. Ein Ferienlager ist für viele Kinder und Jugendliche selbstverständlich: Freunde treffen, Abenteuer erleben, neue Orte entdecken und einfach einmal unbeschwert Ferien machen. Doch längst nicht alle jungen Menschen haben die gleichen Möglichkeiten, an solchen Freizeiten teilzunehmen. Genau hier setzt die Katholische Jugend Lauterecken an.Mit ihrem Projekt „Inklusive Ferienfreizeiten“ schafft sie seit mehr als zwei Jahrzehnten Räume, in denen Kinder und Jugendliche mit und ohne Behinderung gemeinsam ihre Ferien verbringen können.
Von Anja Stemler
Dabei geht es um weit mehr als ein gemeinsames Freizeitprogramm. Es geht um Teilhabe, Begegnung und die Erfahrung, selbstverständlich dazuzugehören. Für dieses langjährige Engagement ist das Projekt 2026 für den Deutschen Engagementpreis nominiert.
Ein Ferienlager für alle„Ein Kind ist ein Kind. Es gibt keine Norm für das Menschsein. Es ist normal, verschieden zu sein“, lautet das Leitmotiv von Inge Lütz, die das Projekt maßgeblich prägt.
Der Ansatz der Lauterecker Initiative geht dabei bewusst über die klassische Vorstellung von Inklusion hinaus.
Angesprochen sind nicht nur Kinder und Jugendliche mit körperlichen, geistigen oder psychischen Beeinträchtigungen. Auch junge Menschen, die aufgrund ihrer familiären oder sozialen Situation benachteiligt sind, sollen die Möglichkeit bekommen, an einer Ferienfreizeit teilzunehmen.
Teilhabe statt Sonderrolle
Besonders Menschen mit Behinderungen stoßen bei herkömmlichen Ferienangeboten häufig auf Grenzen.
Ihr individueller Betreuungs- und Unterstützungsbedarf lässt sich nicht immer mit den Strukturen einer normalen Jugendfreizeit vereinbaren.
Bei den „Inklusiven Ferienfreizeiten“ soll deshalb nicht die Frage im Mittelpunkt stehen, wer welche Einschränkung hat. Entscheidend ist vielmehr, was Kinder und Jugendliche gemeinsam erleben können.
Die Ferien werden zum Ort, an dem Unterschiede ihren trennenden Charakter verlieren. Gemeinsam spielen, unterwegs sein, Sport treiben, lachen und neue Erfahrungen sammeln – all das schafft Begegnungen auf Augenhöhe.
Ehrenamt als tragende Säule
Hinter dem Projekt steht ein Team von Ehrenamtlichen. Sie organisieren die Freizeiten, kümmern sich um die Betreuung und sorgen dafür, dass auch Kinder mit besonderen Bedürfnissen selbstverständlich dazugehören können. Dass dieses Engagement nachhaltig wirkt, zeigt sich auch daran, dass aus den Ferienfreizeiten inzwischen eine inklusive Freizeitgruppe entstanden ist. Die jungen Menschen treffen sich auch außerhalb der Ferien zu gemeinsamen Unternehmungen.
Anerkennung für ein außergewöhnliches Engagement
Die Arbeit der Katholischen Jugend Lauterecken ist inzwischen mehrfach ausgezeichnet worden. Bereits 2023 erhielt das Projekt den mit 1.000 Euro dotierten Nardini-Preis. Ende 2025 folgte eine weitere wichtige Anerkennung: Bei der Verleihung des Brückenpreises des Landes Rheinland-Pfalz wurde die Initiative in der Kategorie „Bürgerschaftliches Engagement von Menschen mit und ohne Behinderung“ ausgezeichnet.
Am 6. Dezember 2025 nahm Inge Lütz die Auszeichnung stellvertretend für das Team in der Staatskanzlei in Mainz entgegen. Der Brückenpreis war mit einem Preisgeld von 1.000 Euro verbunden.
Ministerpräsident Alexander Schweitzer würdigte bei der Preisverleihung das Engagement der ausgezeichneten Initiativen als wichtigen Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Nun steht die Katholische Jugend Lauterecken mit ihrem Projekt erneut im Rampenlicht: Für den Deutschen Engagementpreis 2026 ist die Initiative nominiert. Auf der Plattform des Deutschen Engagementpreises wird das Projekt den Bereichen Inklusion, Soziales, Bildung, Integration und Teilhabe zugeordnet. Ansprechpartnerin ist Inge Lütz.
Die Nominierung ist damit nicht nur eine Anerkennung für ein einzelnes Ferienangebot. Sie lenkt den Blick auf eine grundsätzliche Frage: Wie können Kinder und Jugendliche unabhängig von Behinderung, Herkunft oder finanziellen Möglichkeiten selbstverständlich am gesellschaftlichen Leben teilnehmen?
Die Antwort der Katholischen Jugend Lauterecken ist bemerkenswert einfach – und zugleich anspruchsvoll: Man schafft Angebote, bei denen niemand von vornherein ausgeschlossen wird.
Was bei anderen Ferienfreizeiten aufgrund von Betreuungsbedarf, sozialen Schwierigkeiten oder finanziellen Grenzen möglicherweise nicht möglich ist, soll hier möglich werden. Nicht als Sonderlösung, sondern als gelebte Normalität.
„Nicht nur reden, sondern anpacken“
Inge Lütz engagiert sich seit ihrer Jugend ehrenamtlich. Schon als Schülerin habe sie sich gerne eingebracht und ihre Meinung vertreten, erzählt sie. Ihre persönliche Devise sei dabei schon früh gewesen: „Nicht meckern und kritisieren, sondern anpacken und tun.“ Es gehe ihr darum, nicht nur über Probleme und Veränderungen zu sprechen, sondern selbst aktiv zu werden.
Ihr Weg in die kirchliche Jugendarbeit begann bereits in jungen Jahren bei der Katholischen Jungen Gemeinde. Über die kirchliche Jugendarbeit kam sie zu den Ferienfreizeiten – zunächst als Teilnehmerin, später als Teamerin und schließlich als Freizeitleitung. Aus diesen Erfahrungen heraus entwickelte sich auch ihr Wunsch, die bestehenden Freizeitangebote weiterzuentwickeln und für Kinder und Jugendliche mit unterschiedlichen Voraussetzungen zu öffnen. Seit vielen Jahren sei es selbstverständlich, dass Kinder mit Beeinträchtigungen Kindergärten und inklusive Regelschulen besuchen können. Auch im Landkreis Kusel gebe es entsprechende Möglichkeiten. Für Lütz ist deshalb klar: „Was in Kindergarten und Schule möglich ist, darf im Freizeitbereich nicht ausgeschlossen sein.“ Genau aus diesem Gedanken heraus sei das inklusive Freizeitprojekt entstanden.
Umso kritischer sieht sie die aktuelle Entscheidung der Pfarrei, die als Trägerin der Inklusiven Ferienfreizeiten mit Beschluss der Räte künftig nur noch eine Freizeit im Jahr zulassen will. Einen nachvollziehbaren Grund für diese Entscheidung könne sie nicht erkennen. Für das Projekt und die betroffenen Kinder und Jugendlichen habe diese Begrenzung erhebliche Konsequenzen.
Bereits der Bedarf könne mit zwei Freizeiten im Jahr kaum gedeckt werden; in der Vergangenheit habe es sogar drei Freizeiten gegeben. „Dadurch können künftig noch weniger Kinder und Jugendliche an dem Projekt teilhaben“, so Lütz. Sie empfinde es als besonders bedauerlich, dass sich ausgerechnet die Kirche einem solchen gewachsenen inklusiven Angebot verschließe.
Die Entscheidung berührt für sie dabei nicht nur die konkrete Zahl der Freizeiten.
Lütz sieht darin auch eine Einschränkung ehrenamtlichen Engagements. Viele Menschen seien bereit, ihre Zeit, ihre Ideen und ihre Fähigkeiten einzubringen. Dieses Engagement brauche jedoch auch die entsprechenden Möglichkeiten und Räume.
Ehrenamt bedeutet Verantwortung und Gemeinschaft
Für Lütz hat Ehrenamt deshalb viele Gesichter. Es gehe um Zeit, Ideen, Talente und die unterschiedlichen Charismen von Menschen, die an vielen Stellen in der Gesellschaft gebraucht würden. Ehrenamt bedeute nicht nur, etwas Sinnvolles zu tun. Es könne auch persönlich erfüllend sein und Gemeinschaft schaffen.
„Für andere da zu sein und Menschen zu stützen, denen es in unserer Gesellschaft nicht so gut geht, stützt unsere Gesellschaft, baut Barrieren ab und stärkt unsere Demokratie“, beschreibt Lütz ihre Motivation. Sie selbst habe im Laufe ihres Lebens viele Ehrenämter übernommen und bringe sich bis heute mit ihren Kompetenzen gerne und engagiert ein. Ihr Anliegen sei dabei immer gewesen, nicht bei guten Absichten stehen zu bleiben, sondern konkrete Möglichkeiten zu schaffen, damit Menschen teilhaben können.
Gerade die Inklusiven Ferienfreizeiten seien dafür aus ihrer Sicht ein Beispiel: Kinder und Jugendliche mit und ohne Beeinträchtigungen verbringen gemeinsam ihre Freizeit, erleben Gemeinschaft und erfahren, dass Unterschiede kein Grund für Ausgrenzung sein müssen. Für Lütz ist deshalb klar: Inklusion darf nicht nur in Kindergarten und Schule stattfinden, sondern muss auch in der Freizeit selbstverständlich möglich sein.
Engagement macht stark
„Das geht uns alle an!“ ist eine Initiative des Bundesverbandes kostenloser Wochenzeitungen. Das Ehrenamt ist eine wichtige Stütze unserer Gesellschaft. Deshalb präsentiert der Bundesverband kostenloser Wochenzeitungen (BVDA) seit Jahren bundesweit die „Woche des bürgerschaftlichen Engagements“ - in diesem Jahr von 11. bis 20. September. Die Wochenblätter, die Stadtanzeiger und der Trifelskurier der SÜWE sind jährlich mit Artikeln aus den Lokalredaktionen beteiligt, um das Ehrenamt an der Basis zu unterstützen.
Autor:Anja Stemler aus Kusel-Altenglan |
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