Alfons Braun wäre dieser Tage 100 Jahre alt geworden
Heimat- und Familienkundler

Heimatkundler Alfons Braun – er wäre heute 100 Jahre alt geworden. Hier als junger Mann in den 30 er Jahren, als er sich aktiv gegen den Nationalsozialismus stellte.
  • Heimatkundler Alfons Braun – er wäre heute 100 Jahre alt geworden. Hier als junger Mann in den 30 er Jahren, als er sich aktiv gegen den Nationalsozialismus stellte.
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Hauenstein/Dernbach. Er war eher einer der Stillen in der passionierten Gilde der von Heimatliebe und historischem Wissensdurst geprägten Protagonisten des letzten Jahrhunderts. Am vergangenen 3. Januar 2020 wäre der Hauensteiner Alfons Braun, mit väterlicherseits Dernbacher Wurzeln, 100 Jahre alt geworden. Seinem nimmermüden Eifer, seiner akribischen Sammelleidenschaft und seinem außergewöhnlichen Gedächtnis verdanken wir heute die Kenntnis von wichtigen Ereignissen und Geschehnissen, die insbesondere in den dreißiger Jahren begannen, als Alfons Braun als junger Sankt-Georgs-Pfadfinder die Unterdrückung der Hauensteiner katholischen Jugendverbände durch die Nazis in geheimen Aufzeichnungen niederschrieb. Aus seiner jugendlichen Feder sind uns wesentliche Informationen auch über die Untergrundarbeit der Pfadfinder, die ihre clandestinen Zusammenkünfte in Felsenhöhlen der Hauensteiner Wälder unerschrocken weiterführten, erhalten geblieben.
Aus dem Krieg beim Afrika-Corps und anschließender Gefangenschaft zurückgekehrt – sein weiteres Leben war bis zu seinem Tod immer wieder durch Kriegsfolgen aus seiner Afrika-Zeit gesundheitlich nicht einfach – widmete sich Alfons Braun intensiv zusammen mit anderen Kameraden um die Aufklärung von Vermisstenschicksalen zahlreicher Kameraden. Er war nach dem Krieg als Sohn des aus Dernbach stammenden Metzgermeisters Heinrich Braun (1875-1931) mit seinem Freund Philipp Seibel („de Frieriche Philp“) und anderen jungen Männern auch einer der ersten, die sich um den Wiederaufbau der katholischen Jugendverbände bemühten. Seine katholische Gesinnung und seine Einbettung in die Ziele der christlichen Soziallehre ließen ihn auch zu den ganz jungen aktiven Mitgliedern der kurz zuvor gegründeten CDU werden.
Als junger Mann, der in der Schuhindustrie großgeworden war, waren ihm die sozialen Anliegen der Arbeiterschaft bis zu seinem Tode ein Herzensanliegen. Alfons Braun war einer der aktivsten Mitglieder des früheren „Werkvolks“ und bis zu seinem Tod auch der in Hauenstein sehr starken Kolpingfamilie, über deren Geschichte er reichlich auch schriftliche Beiträge hinterlassen hat.
Zeit seines Lebens war Alfons Braun auch geprägt von den Leitgedanken des legendären Pfarrers und Prälaten Georg Sommer (1881-1968), dessen Grundideen vom politischen Katholizismus ihn vor allem in den schweren Nazizeiten überzeugt haben. Pfarrer Sommer soll auch einmal über den hochbegabten jungen Alfons Braun gesagt haben, er wisse mehr als mancher „Studierte“. Aber auch sein aus Dernbach stammender Onkel Martin Braun, der später im Dritten Reich als unerschrockener Kapuziner Pater Casimir Domprediger in Passau wurde- Pater Casimir ist auch Ehrenbürger von Dernbach - hatten seine Kindheit und Jugend geprägt
Vor allem die Geschichte und deren lebendige Einbettung in die Heimatgeschichte haben den jungen Alfons Braun so beeindruckt, dass er auch dem Beispiel seines Verwandten und Hauensteins Ehrenbürgers Karl Kreuter in der Hingabe zur Heimatkunde und zur Erforschung der heimatlichen Familien mit großem Eifer gefolgt ist: Ein wahrer Schatz aus dem Nähkästchen seiner Heimat, die in Hauenstein, dem Dernbacher und Dahner Tal ihre lebendige Mitte hatte, verdanken wir Alfons Braun.
Aus der engen heimatlichen Verbundenheit ist auch eines seiner geschichtlichen Hauptverdienste zu sehen: Wie kein anderer hat sich Alfons Braun in die Recherche um das grausame Schicksal der jüdisch-christlichen Familie Barbara Jarochshowski, geborene Haus – sie stammte aus Völkersweiler - hineinvertieft. Es ist die zutiefst tragische Geschichte von Hauensteiner Mitbürgern, deren 10 Kinder im Alter von vier bis 27 Jahren am 6.2.1941 nachts um zwei Uhr im polnischen Bromberg abgeholt wurden. Nur eines der Kinder, Rosa Loboda, überlebte das Massaker. Rosa war im gleichen Jahr wie Alfons Braun in Hauenstein geboren, und mit ihr fand Alfons Braun und der verstorbene Hauensteiner Alfred Klemm in der Nachkriegszeit Kontakt. Sie konnten dabei eines der erschütterndsten Zeitdokumente erstellen, das auch noch nach vielen Jahrzehnten die unbeschreiblich barbarische Vernichtungspogrome der Nazis lebendig werden lassen . Die meisten Hauensteiner wissen heute nicht, dass die kinderreiche polnisch-deutsche Familie vor den Gräueln der Verfolgung in Hauenstein und dem nahen Völkersweiler ihren friedlichen Lebensmittelpunkt hatte. Es liegen aus den Recherchen von Alfons Braun und Alfred Klemm Zeitzeugen-Dokumente vor, von denen der von Mutter Barbara Jarechewski im Jahre 1983 verfasste Lebenslauf ein erschütterndes Beispiel ist, wozu Menschen in tiefster Niedertracht fähig waren.
Alfons Braun galt aber auch als ein Familienkundler von hohem Format. Seine Recherchen zu Hauensteiner und Dernbacher Familien, vor allem den Großfamilien Kreuter- Seibel („Lousedick“) –Braun und Naab sind Beispiele wissenschaftsnaher Untersuchungen, die heute sehr wertvoll sind.
Bleibt vielleicht noch zu erwähnen, dass der nimmermüde Alfons Braun, der jetzt vor 100 Jahren geboren wurde, mit dem nach Kanada ausgewanderten Hubert Graf das größte jemals in Hauenstein ausgerichtete Familientreffen organisiert hat. Auf der „Jubo-Ranch“ trafen sich die weitverzweigten Mitglieder dieser Sippen in den 90er Jahren an zwei Tagen zu einem großen Fest, es sollen an die 1 000 Mitgliedern dieser Großfamilien aus nah und fern und sogar aus Übersee zusammengekommen sein.    Willy Schächter

Autor:

Jürgen Bender aus Annweiler

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