Kabarett im Rahmen des Kultursommer Rheinland-Pfalz
Hoffnungslos heimatlich

Okko Herlyn und Heike Kehl.

Frankenthal. Im Rahmen der Beiträge des Protestantischen Dekanats Frankenthal zum Kultursommer Rheinland-Pfalz widmeten sich die Kabarettisten Heike Kehl und Okko Herlyn am 28. Juni 2019 dem Thema „Heimat(en)“. Ihr Programm „Hoffnungslos heimatlich“ zeigten sie im Dathenushaus zum ersten Mal. Heimat, so ihr Fazit, muss so hoffnungslos nicht sein. Das Gespräch am Gartentor, Kindheitserinnerungen, in einer Sprache zuhause sein, da gibt es viel, an dem sich Heimat festmacht. In Texten und Liedern, von Kästner bis Herlyn, von Freddy Quinn bis Bert Brecht, vom Lukasevangelium bis zu Tucholsky, gehen sie dem nach. Da dürfen sie gerne fragen: „Darf´s noch etwas Heimat sein?“ Als Kabarettisten richten sie ihr Augenmerk auch darauf, wo es kippt, wo „America first“ oder „Deutschland, Deutschland über alles“ dazu führen, dass Grenzen gezogen werden. In ihren musikalischen Zitaten machen sie deutlich, wie Nationenstolz und „Tümelei“ sich einschleichen, bis dahin, dass Zugehörigkeit aberkannt wird wie bei den Vernichtungslagern und der Judenverfolgung. Diese Heimat hat nicht nur Okko Herlyn satt. Das Paradoxe an den Nationalismen: „Wenn der Morgen uns als Fremde vorfindet, gerade dann spüre ich, hier bin ich zuhaus'“, sagt er in seinem Deutschlandliedlein.
Auch bei den Flüchtlingen sehen die Kabarettisten nicht weg und zitieren Gedichte Betroffener. Deutlich werden die Heimatlosigkeit und die Hoffnung, dass es einmal wieder gut wird. Mit dem Spiritual „Sometimes I feel like a motherless child“ drücken sie die Doppelbödigkeit aus, die „Heimat“ auch hat. Viel Anregendes und viel Stoff zum Nachdenken bleiben am Ende für das Publikum. Schließlich gibt es auch Heimat nicht umsonst. ps

Autor:

Charlotte Basaric-Steinhübl aus Ludwigshafen

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