10 Jahre Forum arabisch-deutscher Songs
Es begann mit einer Gitarre…
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Was im Sommer 2016 mit einer Gitarre und einer offenen Idee begann, ist heute ein Stück Forster Musik- und Integrationsgeschichte. Das Forum arabisch-deutscher Songs feiert 2026 sein zehnjähriges Bestehen. Zum Jubiläum erscheint am 28. August die Veröffentlichung „Klangbrücken“.
Alles begann mit einer Gitarre
Die Geschichte des Forums beginnt mit einer einfachen Idee: Musik sollte geflüchteten Kindern und ihren Eltern helfen, in Deutschland anzukommen und Menschen miteinander in Kontakt zu bringen. Klaus Heinrich, Musiker, Chorleiter und Musikpädagoge aus Forst, begann im Sommer 2016 mit einer Gitarre um den Hals, gemeinsam mit geflüchteten Kindern und Eltern sowie deutschen Kindern und Musikern zu musizieren. Über mehrere Wochen wurde regelmäßig samstags geprobt. Aus der zunächst offenen Initiative entwickelte sich eine besondere musikalische Zusammenarbeit. Der syrische Musiker und Oud-Spieler Alaa Kolaghasy brachte seine arabische musikalische Tradition ein. Zusammen mit Klaus Heinrich entstand eine Verbindung von arabischer und deutscher Musik, die für die weitere Arbeit des Forums prägend werden sollte.
Der 27. Oktober 2016 – der erste große Schritt
Am Donnerstag, 27. Oktober 2016, wurde die Idee erstmals öffentlich sichtbar: Im Hubertussaal des Jägerhauses Forst fand das erste Begegnungskonzert statt. Auf der Bühne standen die Schola sowie deutsche und syrische Musiker und Kinder. Der Eintritt war frei – der Hubertussaal war voll. Damit wurde aus einer zunächst kleinen Initiative ein öffentlich wahrgenommenes Projekt. Menschen, die sich wenige Monate zuvor noch nicht kannten und teilweise erst seit kurzer Zeit in Deutschland lebten, standen gemeinsam auf einer Bühne. Die besonderen Lebensbedingungen vieler Geflüchteter stellten das Projekt immer wieder vor Herausforderungen. Wohnorte wechselten, Menschen kamen hinzu oder mussten die Gruppe verlassen. Mit musikalischer Flexibilität und Improvisation gelang es, das gemeinsame Projekt weiterzuführen.
Aus Begegnungen wird ein Forum
Nach dem ersten Konzert folgten weitere Auftritte, unter anderem bei Weihnachtsveranstaltungen und beim Jubiläum des Flüchtlingscafés Café Paul in Bruchsal. Im Februar 2017 wurde das gemeinsam entwickelte Liedgut erstmals in einem Tonstudio aufgenommen. Im September folgte das zweite Begegnungskonzert „Nine Eleven“, das unter dem Gedanken des Friedens und des gelebten Miteinanders stand. Das Projekt entwickelte sich weiter und wurde bald über Forst hinaus bekannt. Auftritte führten nach Bruchsal, Bretten, Östringen, Malsch und Karlsruhe.
2017 erhielt das Forum den 1. Preis des Kreisintegrationspreises des Landkreises Karlsruhe. 2018 folgte die Nominierung für den Deutschen Engagementpreis und die Teilnahme an der bundesweiten Auftaktveranstaltung der Woche des bürgerschaftlichen Engagements in Berlin.
Musik als Zeichen gegen Rassismus
Besonders deutlich wurde die gesellschaftliche Bedeutung des Forums 2019 in Karlsruhe.
Am 15. März 2019 gestaltete das Forum die Eröffnung der 6. Karlsruher Wochen gegen Rassismus im Bürgersaal des Karlsruher Rathauses mit zwei Musikbeiträgen. Am 31. März 2019 folgte die Beteiligung an der Abschlussveranstaltung, dem „Fest der Vielfalt“ im Tollhaus Karlsruhe. Das Ensemble, das wenige Jahre zuvor im Jägerhaus Forst begonnen hatte, war damit Teil großer Veranstaltungen für Vielfalt, Begegnung und ein friedliches Miteinander.
„Wir sind Friedensstifter“
Aus der Arbeit des Forums entwickelte sich das weiterführende Projekt „Wir sind Friedensstifter“. Die Initiative kulturelle Integration bezeichnet das 2016 gegründete Forum ausdrücklich als Ausgangspunkt dieses Projekts. Durch gemeinsames Singen und Musizieren von Geflüchteten und Einheimischen sei ein Raum entstanden, der gegenseitiges Kennenlernen und gemeinsames Handeln ermögliche. Als Initiatoren werden Klaus Heinrich, Ute Huber und Alaa Kolaghasy genannt. Das Projekt wurde 2020 im Rahmen von „Demokratie leben!“ gefördert; wegen der Corona-Pandemie wurde das geplante Friedenssingen digital umgesetzt.
Der Grundgedanke blieb dabei immer derselbe: Menschen verschiedener Herkunft sollen nicht nur miteinander ins Gespräch kommen, sondern gemeinsam etwas schaffen.
Das Forum findet über Forst hinaus Gehör
Die musikalische und gesellschaftliche Arbeit des Forums blieb nicht auf Forst und die Region beschränkt.
Auch das SWR-Fernsehen berichtete über das Projekt. Besonders eindrucksvoll war die Geschichte von Sedra Allawi und Nelli Trinkl, die sich durch das gemeinsame Singen im Forum kennenlernten. Aus der musikalischen Begegnung entstand eine persönliche Freundschaft.
Eine besondere bundesweite Aufmerksamkeit erhielt das Forum 2021: Deutschlandfunk Kultur nahm es in die Reihe „Chor der Woche“ auf. Am 5. Mai 2021 wurde der Beitrag von Nicolas Hansen unter dem Titel „Forum arabisch-deutscher Songs – Musik verbindet Menschen und Kulturen“ ausgestrahlt. Der Radiobeitrag ist mit einer Länge von 4:53 Minuten im Programmarchiv dokumentiert.
Damit erreichte eine Initiative, die in Forst mit einer Gitarre begonnen hatte, auch die Aufmerksamkeit eines bundesweiten Kultur- und Radiosenders.
Von der Begegnung zur großen Bühne
In den folgenden Jahren flossen die Erfahrungen des Forums auch in größere musikalische Produktionen ein. Ein Höhepunkt war „Tartufo“, eine musikalisch-theatralische Produktion, die gemeinsam mit dem Gospelchor Forst entwickelt und aufgeführt wurde.
Aus dem ursprünglichen Begegnungskonzert war inzwischen ein gewachsenes musikalisches Netzwerk entstanden.
„Klangbrücken“ – zehn Jahre später
Nun schließt sich ein Kreis. Am 28. August 2026, im zehnten Jahr nach den ersten Proben, erscheint „Klangbrücken“ auf den gängigen Streamingplattformen. Die Veröffentlichung enthält die beiden Titel:
„Wie schön, dass wir zusammenfinden“ und „Helwa ya baladi“. Ausführende sind das Forum arabisch-deutscher Songs feat. Kinderchor Qassioun.
Der Titel „Klangbrücken“ bringt den Grundgedanken des Projekts auf den Punkt: Musik baut Brücken zwischen Menschen, Kulturen, Sprachen und Generationen.
Aus einem zunächst lokalen Engagement wurde ein Projekt, das im Landkreis Karlsruhe ausgezeichnet, bundesweit für den Deutschen Engagementpreis nominiert, in Karlsruhe bei den Wochen gegen Rassismus sichtbar und schließlich von SWR und Deutschlandfunk Kultur aufgegriffen wurde.
Seinen Ausgangspunkt aber hat dieses inzwischen überregional wahrgenommene Projekt dort, wo alles begann: in Forst – mit einer Gitarre, gemeinsamen Liedern und der einfachen Idee, dass Musik Menschen zusammenbringen kann.
Autor:Klaus Heinrich aus Forst |
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