Interview mit dem scheidenden Schlossfestspiele-Intendant Udo Schürmer in Ettlingen
„Dankbar für Wertschätzung des Publikums“

Udo Schürmer
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Ettlingen. Auf eine erfolgreiche Bilanz können die Schlossfestspiele Ettlingen verweisen. Rund 84 Prozent Auslastung bei den jüngsten Inszenierungen, dennoch verabschiedet sich Intendant Udo Schürmer aus freien Stücken. Zwölf Jahre war er in der Albstadt aktiv. „Wochenblatt“-Mitarbeiter Volker Knopf unterhielt sich mit Udo Schürmer.

???: Herr Schürmer, was überwiegt bei Ihrem Abschied: eine Träne im Knopfloch oder Enttäuschung über mangelnde Wertschätzung?
Udo Schürmer: Eher letzteres. Ich bin im Grunde erleichtert, zu gehen. Von politischer Seite kam wenig Unterstützung. Das war schon mehr als merkwürdig. Dankbar bin ich jedoch für die Wertschätzung des Publikums. Das war schon einzigartig.

???: Was bemängeln Sie dabei konkret?
Schürmer: Eigentlich sollte der Gemeinderat ja hinter den Ettlinger Schlossfestspielen stehen. Zuweilen hatte ich aber eher den Eindruck, der Festivalsommer werde als das Privatvergnügen von Intendant und Ensemble gesehen. Auch wurde da schon manch unnötiges Machtspielchen gespielt.

???: Ist es das Grundproblem der Schlossfestspiele: Man mag sie schon ganz gerne haben, aber sie sollen bitteschön nichts kosten?
Schürmer: So in etwa könnte man es auch formulieren. Die Schlossfestspiele sollen immer größer, besser, schöner werden – aber das Budget gleichbleiben oder gar kleiner werden bei steigenden Kosten. Ich stehe da auch in Verantwortung gegenüber den Darstellern, der Technik und allen, die hier mitarbeiten. Sie erhalten sehr geringe Gagen und liefern eine hohe Qualität. Das kann nicht sein.

???: Was waren für Sie die Highlights Ihrer zwölfjährigen Ära?
Schürmer: „Chicago“, „Rent“ oder „Sweeney Todd“ waren unter anderem große Erfolge. Kurioserweise waren die beiden letzten Titel, jene, die von der Rathausspitze am wenigsten gewünscht wurden. Man ist offensichtlich eher an flachen Mainstream-Veranstaltungen interessiert und weniger an Kunst. Gerade die Musicals aber haben das internationale Renommee der Festspiele deutlich gesteigert.

???: Wie geht es jetzt für Sie persönlich weiter. Sie brechen Ihre Zelte in der Region ab.
Schürmer: Ja, ich gehe nach Berlin. Für die nächste Spielzeit stehen drei Inszenierungen an. Langweilig wird es mir also nicht. Ich werde wieder freiberuflich arbeiten – aber nach zwölf Jahren Schlossfestspielen kann auch eine kleine Pause nicht schaden.

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