Reiner Flörsch dokumentierte Ruder- und Sportgeschichte
- Reiner Flörsch mit Exponaten aus dem Rudersport.
- Foto: Kaufmann
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Böhl-Iggelheim. Reiner Flörsch ist der „Hüter der LRV-Tradition“. So bezeichnete ihn der Ehrenvorsitzende des Rudervereins (LRV), Winfried Ringwald. Nun feiert Flörsch seinen 80. Geburtstag.
Flörsch war als Vereinsarchivar besonders engagiert, empathisch in der Kommunikation und brachte viel Expertise ein. Reiner Flörsch lebt in Böhl-Iggelheim und ist seit 1959 Mitglied des Rudervereins.
Reiner Flörsch trat 1959 im Alter von 14 Jahren in den Ruderverein ein. Schon kurz nach seinem Eintritt wurde er von Cheftrainer Willi Schäfer als Steuermann in den aktiven Trainings- und Regattabetrieb integriert. Bereits in seinem ersten Regattajahr feierte er zahlreiche Erfolge und sammelte prägende Erfahrungen, die ihn bis heute begleiten.
Zu seinen eindrucksvollsten Erinnerungen zählt eine Regatta im Jahr 1960 in Ratzeburg. Während einer Trainingspause wurde der junge Flörsch von einem älteren Herrn gebeten, kurzfristig als Steuermann für dessen Achter einzuspringen. Erst später erfuhr er, dass es sich bei dem Mann um den legendären Rudertrainer Karl Adam handelte, der den amtierenden Europameister betreute. „Es war erstaunlich, mit welcher Selbstverständlichkeit das Team meinen Anweisungen folgte. So viel Verantwortung – und alles ging gut“, erinnert sich Flörsch heute an dieses außergewöhnliche Erlebnis. „Und nachdem ich das Boot steuern durfte, wurde die Mannschaft wenige Wochen später in Rom auch Olympiasieger. Ich saß mit meinen Eltern damals am Ufer des Albaner Sees und wusste warum“, sagt Flörsch und lacht.
Nach vielen Jahrzehnten im Rudersport legte Flörsch 1985 aus beruflichen Gründen eine Pause ein. Erst 2007 kehrte er aktiv in den Verein zurück und übernahm ein Jahr später das Amt des Vereinsarchivars. Mit großer Expertise sichtete, ordnete und sicherte er über Jahre hinweg Dokumente, Schriftstücke, Vereinszeitungen, Pokale und Trophäen des Rudervereins. Damit bewahrte er zahlreiche Zeugnisse der Vereinsgeschichte vor dem Vergessen. Es entstand ein umfangreiches Vereinsarchiv.
Die Dauerausstellung im Bootshaus zeigt viele Exponate, darunter die Olympia-Urkunde von 1912 aus Stockholm, wo der Vierer mit Steuermann des Rudervereins die Goldmedaille gewann. Auch über die Vereinsgrenzen hinaus machte sich Reiner Flörsch als Sporthistoriker einen Namen. Einige Exponate wanderten zur Olympia-Ausstellung 2012 ins Pfälzische Sportmuseum in Hauenstein. Im Rahmen dieser Ausstellung rückte erstmals auch der Ludwigshafener Olympiateilnehmer Hans Gelbert in den Fokus der sporthistorischen Forschung. Daraus entstand ein 110-seitiges Buch über dessen Teilnahme an den Olympischen Spielen 1932. Flörsch wurde Co-Autor.
Sein Fachwissen brachte er außerdem in die Publikation „Mit Zuckerbrot und Peitsche – Erinnerungen an den Rudertrainer Fritz Gwinner“ ein. Dieser forcierte die Zusammenarbeit zwischen dem Ludwigshafener Ruderverein und dem Mannheimer Ruderverein Amicitia. Höhepunkt dieser Kooperation war der Olympiasieg des Vierers mit Steuermann bei den Spielen 1936, zu dem auch der Schlagmann Paul Söllner entscheidend beitrug.
Flörsch pflegte enge Kontakte zu Sportverbänden, Archiven sowie zum Sportbund und dem Sportmuseum. 2015 wurde ihm für seine Verdienste um die Sportgeschichte die Christian-Löffler-Urkunde des Vereins Pfälzische Sportgeschichte verliehen. Das Amt des Vereinsarchivars hat Flörsch inzwischen in jüngere Hände übergeben. Sein Vermächtnis bleibt jedoch bestehen. jg/red
Autor:Julia Glöckner aus Ludwigshafen |
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