Prot. Kita Alsenz
Langj. Leiterin Hiltrud Wickertsheim verabschiedet
- Hiltrud Wickertsheim wird verabschiedet
v.l. Karin Wänke, Ortsbürgermeisterin Alsenz, Hiltrud Wickertsheim, die neue Chefin Simone Paul-Bernhard und Madleine Maurer (Stellvertreterin)
hinten: Pfarrer Andreas Echternkamp - Foto: Kita Alsenz
- hochgeladen von Arno Mohr
Alsenz. Nach sage und schreibe 46 Jahren Arbeitsjahren als Erzieherin, davon zuletzt 25 Jahre als Leiterin der Protestantischen Kita "Arche Noah" in Alsenz tritt die Niedermoschelerin Hiltrud Wickertsheim in den verdienten Ruhestand. "Langeweile ist bei einem so langen Arbeitsleben mit momentan rund 90 Kindern eigentlich nie aufgekommen", erwähnt sie schmunzelnd im Gespräch.
Vier Jahrzehnte in Alsenz aktiv
Über vier Jahrzehnte hat sie hauptsächlich die Kinder der Gemeinden Alsenz, Kalkofen und Oberndorf auf dem Weg ins Leben begleitet und dies an einer entscheidenden Stelle: In der Protestantischen Kindertagesstätte "Arche Noah" in der Alsenzer Schulstraße gegenüber der dortigen Nordpfalzhalle. In einer fröhlichen, aber doch bewegenden Feierstunde wurde Wickertsheim in der voll besetzten Protestantischen Kirche Alsenz Ende April von "ihren Kindern", den Eltern und Honoratioren der Gemeinden und Kirche in den Ruhestand verabschiedet. "Ich habe mich schon immer bei "meiner Kirche" sehr wohl gefühlt. Habe dort die Ausbildung begonnen und bin der Kirche immer treu geblieben und plötzlich waren mehr als vier Jahrzehnte einfach rum", sagt die scheidende Kindergartenleiterin. Während jährlich neue Kinder kamen, andere wiederum in die Grundschule wechselten und damit auch engagierte Elternteile für die Kita "verloren" gingen: Wickertsheim blieb immer, für mehr als vier Jahrzehnte. Sie bezeichnete dies als gutes Fundament für die kindliche Einrichtung und lobt das komplette Team mit ganz wenig Fluktuation lachend "als Anker in turbulenten, sich schnell verändernden Zeiten wie auch als "Fels in der Brandung".
Zweigeteilte Trägerschaft: Gemeinden-Prot. Kirche
In Alsenz ist die Trägerschaft zweigeteilt: Die Betriebsträgerschaft mit Personalverantwortung und die Organisation des laufenden Betriebs obliegt der Protestantischen Kirchengemeinde. Die Bauträgerschaft obliegt unter Federführung der größten Gemeinde Alsenz den drei Kommunen Alsenz, Oberndorf und Kalkofen. "Dieses Konstrukt hat sich wirklich schon Jahre richtig gut bewährt", so Wickertsheim.
1980: Beginn mit der Ausbildung in Obermoschel
Sie begann ihre Ausbildung 1980 im Protestantischen Kindergarten Obermoschel. Anschließend wurde die Fachschule für Sozialpädagogik, Bildungsgang Erzieher, in Speyer besucht. 1984 erfolgte das Anerkennungsjahr mit der erfolgreichen Abschlußprüfung als staatlich anerkannte Erzieherin. "Im Sommer 1984 waren viele Erzieherinnen - die heute händeringend überall gesucht werden- nach der Prüfung erstmals arbeitslos" erinnert sich Wickertsheim. Auch sie bekam zunächst nur eine Halbtagsstelle in der Obermoscheler Kita. Aufgrund einer Schwangerschaft einer Kollegin übernahm sie in jungen Jahren für ein Jahr dort Verantwortung mit der kommissarischen Leitung, obwohl ihr damals die dafür eigentlich notwendigen drei Jahre Berufserfahrung fehlten
Ab 1986 im Kindergarten Alsenz
Als 1986 in Alsenz eine Ganztagsstelle frei wurde, bewarb sie sich und wurde auch eingestellt. "Da war man schon froh und dankbar", so Wickertsheim. Ab August 2001 wurde ihr die Leitung der Kita Alsenz anvertraut. Kaum ein Berufsstand hat sich in den vergangenen Jahrzehnten so stark verändert wie die der Erzieherinnen im Kindergarten. Die Einrichtung, wo die Kleinsten der Gesellschaft auf das Leben und die schulischen Herausforderungen individuell und intensiv vorbereitet werden sollen. Vorbei sind die Zeiten, wo mindestens Dreijährige morgens und nach einer Pause nachmittags jeweils zwei oder bis zu drei Stunden betreut wurden. Die Anforderungen an das Personal stieg immens und wurde immer höher. Es kamen Wickelkinder, Kinder mit allen möglichen Beeinträchtigungen und auch hungrige Kinder, denen irgendwann ein Mittagessen serviert werden musste. Kinder und deren Eltern oder Erziehungsberechtigten erhielten einen staatlichen geregelten Rechtsanspruch auf einen Platz im Kindergarten und eine durchgehend siebenstündige Betreuung. Wickertsheim hat diese Veränderungen als jeweilige Chance gesehen und aktiv an der Spitze gestaltet: Als erste Kita in der RLP wurde der Zugang für die Aufnahme und Betreuung ab dem ersten Lebensjahr ermöglicht. 2011 schloss sie und ihr Team erfolgreich die Qualitätsoffensive "Kita Plus QM" der Pfälzischen Landeskirche mit dem Kita-Konzept "offene Arbeit im Situationseinsatz" ab. 2014 erhielt die Alsenzer Einrichtung zum ersten Mal und 2025 zum dritten Mal in Folge das Qualitätssiegel "Die Carusos" des Deutschen Chorverbandes. Eine Auszeichnung, die die Kita zur "singenden und musikalischen Einrichtung" machte. Von 2019 bis 2021 stand die Einrichtung im Fokus der landeskirchlichen Qualitätsoffensive "Religion-Werte-Bildung. Seit September 2024 wird den Kindern täglich ein reichhaltiges Frühstücksbuffett angeboten und seit Januar 2025 wird auch in der neu errichteten Küche das Mittagessen vor Ort frisch zubereitet und gekocht.
Immer wieder Um- und Anbauten sowie Renovierungen
In den vier Jahrzehnten Kita Alsenz standen Um- und Anbauten und immer wieder Renovierungsarbeiten an. Auch dies haben wir gemeinsam irgendwie immer im laufenden Betrieb (auch mit kurzfristigen Auslagerungen) hingekriegt, weil es ja letztlich den Kindern, wie aber auch unserem Team die Arbeitsbedingungen verbesserte. Wickertsheim verstand es prächtig, das Kita-Team jeweils in die neuen Themen mit einzubinden und mitzunehmen. "Ohne diesen gemeinsamen Einsatz, den Zusammenhalt und die gute Zusammenarbeit wäre vieles nicht möglich gewesen", ist sie im Rückblick äußerst dankbar. Auch mit den jeweiligen kommunalen Trägervertretern - in der langen Zeit hat sie viele Pfarrer wie auch Ortsbürgermeister kommen und gehen gesehen- wie auch mit den jeweiligen Elternvertretern -auch sie wechselten ja oft- seien eigentlich immer gute Ergebnisse im Interesse der Jüngsten in den Gemeinden erzielt worden. "Manchmal war es ab und an schwieriger, aber das vergißt man dann doch schnell", so der gute Rückblick. Der Förderverein "Goldesel" sei ebenfalls ein starker Unterstützer der Einrichtung gewesen. Am wichtigsten waren aber die Kinder: Deren Neugierde, Freude, Unbekümmertheit und Mut habe erst den Kita-Alltag so richtig "schön lebendig gemacht". "Mir hat das wirklich Freude bereitet, es war mir nie ein Last", so die Kita-Chefin. Eine Zeitlang kamen auch viele Migrantenkinder nach Alsenz zur Kita, auch dies konnten wir als weltoffene Einrichtung mit Hilfe von eingestellten Erzieherinnen aus anderen Nationen ganz gut bewältigen, ist ihr Fazit. Gibt es eigentlich im Berufsleben gar nix Negatives ist die letzte Frage: Doch genervt hat Wickertsheim die ständig wachsende Bürokratie, die dazu führt, dass Zeit für die eigentliche Arbeit mit den Kindern fehlt. 21 Seiten umfasst der neue Betreuungsvertrag, schriftlich muss die Zustimmung der Eltern eingeholt werden, ob Fieber gemessen oder eine Zecke gezogen werden darf oder bei Festen und Veranstaltungen Bildveröffentlichungen in der Presse oder für den Gemeindebrief erfolgen dürfen und und und..... Jetzt wird zunächst einmal etwas abgeschaltet und dann wird die "neue Freiheit" nach langer Berufstätigkeit genossen mit Radfahren, Motorradfahren wie auch ein wenig Reisen. Ihre Nachfolgerin in Alsenz wird Simone Paul-Bernhard, die Stellvertretung übernimmt Madeleine Maurer.
Autor:Arno Mohr aus Alsenz-Obermoschel |
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