Alsenz
Hochwasserschutzmauern werden künstlerisch gestaltet

- Graffiti-Künstler bei der Arbeit, links Stefan Mohr
- Foto: Arno Mohr
- hochgeladen von Arno Mohr
Alsenz. Nachdem im Jahr 2023 die künstlerische Gestaltung von einigen grauen Pfalwerke-Stromverteilerkästen in Alsenz mit entsprechendem Themenbezug durch die Schülerinnen und Schüler der Grundschule -Nordpfalzschule- unter Anleitung des Jugendsozialarbeiters Reinhold Ruoff- auf viel Zustimmung stieß, ist es bei einem neuen Projekt in Alsenz nicht anders: Mitte August wurde die künstlerische Gestaltung der betongrauen Hochwasserschutzmauer in der Uferstraße begonnen. Sehr viele positive Rückmeldungen sind bei der Vorsitzenden des Historischen Vereins der Nordpfalz Alsenz, Sonja Müller, bislang eingegangen. Ihre Idee, diesen Bereich künstlerisch auszugestalten und damit aufzuwerten, fand im Vorstand des Vereins einhellige Zustimmung.
Und mit dem Sozialpädagogen Stefan Mohr, der bei der Stadt Frankfurt arbeitet und seit über 20 Jahren das von ihm aufgebaute Naxosatelier leitet, fand sie den genau richtigen Ansprechpartner. In dem Atelier mit ungefähr 300 Quadratmeter Platz für diverse Sitzecken, Kicker, Billardtisch, Schreib- und Arbeitstischen auch für Künstlerbedarfe werden Jugendliche und junge Erwachsene bis 27 Jahre aus Frankfurt und der Region in der aufregendsten Zeit ihres Lebens von Sozialarbeitern und Künstlern unterstützt, wie es Stefan Mohr umschreibt. "Sozialarbeit mit Kunst und vor allem Graffitikunst ist hier ein erfolgreiches Konzept geworden. Aggression, Selbstzweifel und Trauer, aber auch Lebenslust und Freude wird hier in Kunst verwandelt und es gelingt und ermöglicht uns, dass Jugendliche mit sich reden lassen und Hilfe zulassen. Über das Erlernen des künstlerischen Denkens eröffnen sich für junge Menschen neue Perspektiven für den Alltag", so Mohr. Der 57jährige lebte ab 1970 mit seinen Geschwistern und seinen aus Alsenz stammenden Eltern in Alsenz und ist auch hier in den Kindergarten und zur Grundschule gegangen. Er erinnerte sich noch gut an das "Rauchen der ersten Zigarette unter dem Steg über die Alsenz, wobei er "erwischt wurde", wie er lachend zugibt. Auch der große historische Umzug anläßlich der1200-Jahrfeier in Alsenz im Jahr 1976, bei dem er als Siebenjähriger mitlaufen durfte, hat er noch sehr gut in Erinnerung. " Und mein Onkel Adolf Mohr hat desöftern schon als Hobbymaler in Alsenz ausgestellt, vielleicht habe ich von ihm meine künstlerische Ader geerbt", so schmunzelnd Stefan Mohr.
Bezug zum Ort
Die künstlerische Gestaltung der Hochwassermauer sollte auch Bezug zu Alsenz haben. In Erinnerung an die große Sandsteinvergangenheit der Gemeinde, den Deutschen Sandsteinpark und den Steinhauerrundweg sowie das pfälzische Steinhauermuseum am Marktplatz wurde deshalb die sandsteingraue Grundfarbe für die Gestaltung der Mauer ausgewählt, erzählt Stefan Mohr. Dazu kommen Weinranken für den im Ort verbundenen Weinbau oder auch Blumen für das Grün in der Gemeinde und Tierformen mit einem Bezug zum Wasserlauf der Alsenz. Gerade in früheren Zeiten noch ohne die Schutzmauern trat das Gewässer doch etliche Male über die Ufer und hat viele Schäden verursacht. Mitte August waren Stefan Mohr und sein in Offenbach wohnender Künstlerkollege, Bala'zs Vesszösi, studierter Kunstpädagoge mit Schwerpunkt Grafik wie auch Kunsthistoriker, mehrfach ausgezeichnet für seine vielfachen künstlerischen Arbeiten, vor Ort in Alsenz und gestalteten bei brütender Hitze die Hochwasserschutzmauer künstlerisch mit einer Vielzahl von Sprühdosen. "Die Arbeit hat mir in meiner früheren Heimatgemeinde so richtig Spaß gemacht", so Stefan Mohr, der dabei von einigen Alsenzern aus "alten Zeiten" erkannt, mehrfach angesprochen und seine künstlerische Tätigkeit deshalb immer wieder gerne unterbrechen musste. Auch Vater Horst schaute sich die Arbeit des Juniors vor Ort einmal genau an. Ortsbürgermeisterin Karin Wänke zeigte sich förmlich begeistert von dem Projekt und dankte vor allem dem Historischen Verein für diese Initiative und auch die Kostenübernahme. "Es habe sich durch die Arbeiten auch gezeigt, dass die Schutzmauer an manchen Stellen sanierungsbedürftig ist", so Wänke. Dies wird nur seitens der Gemeinde kurzfristig erledigt und danach die künstlerischen Arbeiten komplett abgeschlossen, so Wänke. "Ich hoffe, es gefällt vor allen den Alsenzern", so Stefan Mohr. Ein Wunsch hatte er am Schluß dennoch für seine frühere Heimatgemeinde: Dass es dem Gewässer der Alsenz nie wieder gelingt, die Schutzmauern zu überwinden.


Autor:Arno Mohr aus Alsenz-Obermoschel |
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