„Draußen ist unser Drinnen“ – Jutta Messing-Jörg prägte Generationen von Kindern und geht in Ruhestand

Nach rund 25 Jahren Waldkindergarten „Elfetrippelsche“ ging Leiterin Jutta Messing-Jörg, hier mit ihren beiden Eseln, in den Ruhestand | Foto: Jutta Messing-Jörg/gratis
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  • Nach rund 25 Jahren Waldkindergarten „Elfetrippelsche“ ging Leiterin Jutta Messing-Jörg, hier mit ihren beiden Eseln, in den Ruhestand
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Münchweiler an der Alsenz. Vor rund 25 Jahren startete die Erzieherin Jutta Messing-Jörg bei Münchweiler an der Alsenz ein Experiment – den Waldkindergarten „Elfetrippelsche“. Nun ging sie in den Ruhestand, der besondere Kindergarten mit dem Konzept „Draußen ist unser Drinnen“ hat sich etabliert und ist weithin beliebt.

von Markus Fuhser

Am 6. Dezember wurde Messing-Jörg mit einem großen Fest im Freien im Waldkindergarten, im WaKiGa, verabschiedet. „Es waren über 190 Menschen gekommen“, erzählt die Erzieherin noch ganz gerührt. Dabei auch junge Erwachsene, die früher hier im Waldkindergarten waren. Wie blickt sie nun zurück auf ihre Zeit im Waldkindergarten, den sie auch als ihr Lebenswerk ansieht? „Vor allem mit großer Dankbarkeit“, sagt die 64-jährige, auch für die viele Unterstützung durch Eltern, Kolleginnen und Kollegen.

Messing-Jörg war und ist mit Leib und Seele Erzieherin, eine Arbeit, die sie eher als Berufung sieht. „Das war immer so, alles andere, leider auch manchmal die Familie, kam dann erst danach“, meint sie selbstkritisch. In ihrer Familie in Gonbach sind eine Tochter und ein Sohn groß geworden. Den Sohn, jetzt 27 Jahre alt, hat sie jedenfalls mit ihrer Leidenschaft für eine freie Kindererziehung nicht verschreckt: „Er ist Erzieher geworden und arbeitet im Waldkindergarten.“ Auch ihre Tochter (35) arbeitete während ihres Lehramtsstudiums fünf Jahre regelmäßig nebenbei im WaKiGa, bot Kindern Englisch und Französisch an.

Noch keine Zeit für Müßiggang

Ganz aufs Altenteil zurückziehen will sich die Waldkindergarten-Erzieherin mit ihren Zusatzqualifikationen als Natur-, Wildnis- und Erlebnispädagogin keinesfalls. Zwar habe sie Hobbys, sagt sie, ihre Hunde, Fahrradfahren oder auch Filzen und Töpfern, doch von ihrem Beruf will sie nicht ganz lassen. Eine ihrer Ideen: Erzieher und Erzieherinnen ausbilden, ihre vielfältigen Erfahrungen weitergeben. Eine grundsätzliche Empfehlung der Erzieherin aus Berufung? „Ganz einfach, mehr raus in die Natur!“

„Einfach war es ganz und gar nicht mit dem Start des Waldkindergartens“, erinnert sich Messing-Jörg, die die Jahre zuvor in einem Kinder- und Jugendheim gearbeitet hatte. In einem Regelkindergarten zu arbeiten, sei nie ihr Ziel gewesen, sagt sie. Zu viele Regeln und Einschränkungen für die Kinder sieht sie hier wohl, das zeigt sich im Gespräch mit der sehr engagierten Erzieherin. Als sie dann einen Bericht über einen Waldkindergarten las, bei dem sich die Kinder konsequent im Freien aufhielten, war der Weg für sie klar, erzählt sie.

Vom Exoten zum Erfolgsmodell

„Damals galten wir noch als Exoten“, sagt sie. Große Widerstände waren zu überwinden, doch habe es auch viel Unterstützung gegeben. Ein gemeinnütziger Verein musste gegründet werden, der die notwendige Trägerschaft sicherstellte. Denn im Landratsamt war man in dieser Zeit gar nicht überzeugt von einem Kindergarten in freier Natur. Ein Platz dafür im Staatswald zwischen Münchweiler an der Alsenz, Gonbach und Neuhemsbach zu finden, stellte sich schon rein rechtlich gesehen als schwierig heraus.

Der zuständige Förster, der die Idee gut fand, vermittelte dann einen Platz in der Nähe der Lehr- und Versuchsanstalt für Viehhaltung, Hofgut Neumühle der Bezirksregierung, die im Alsenztal bei Münchweiler liegt und über eine große Forstfläche verfügt. Nach einem Jahr Vorbereitung und auch Kampf mit Behörden konnte es am 11. August 2001 losgehen. Mit großer Unterstützung von Eltern, die von der Idee überzeugt waren, dass ihre Kinder in einem WaKiGa mit besonderem Konzept am besten aufgehoben seien.

Nach acht Jahren harter Arbeit in der Vereinsträgerschaft, so Messing-Jörg, übernahm 2009 die Verbandsgemeinde Winnweiler die Trägerschaft für den Waldkindergarten. Den Verein gibt es immer noch, in dem vor allem Eltern als zahlende Mitglieder den Waldkindergarten bei seinen vielfältigen Projekten unterstützen.

Der WaKiGa in der VG Winnweiler orientiert sich am ursprünglichen Konzept dieser speziellen Kindergärten, das auch Messing-Jörg bevorzugt: Von Montag bis Freitag ab 7.30 bis 14.30 Uhr halten sich die Kinder mit ihren Erzieherinnen und Erziehern konsequent draußen auf. „Die Kinder spielen zusammen, wir machen Touren im Wald und viele Projekte, und es wird gemeinsam gekocht.“

Die beiden Esel sind auch manchmal dabei

Manchmal, wenn genügend Begleitende mitgehen, sind auch die beiden Esel Arendt und Klaus von Messing-Jörg dabei, die in der Nähe ihre Heimat haben und von den Kindern sehr geliebt und gut verpflegt werden. Gekocht wird am Holzfeuer, gleich von Beginn an vegetarisch und vegan und auch mal mit Kräutern und Pflanzen, die in Wald und Feld wachsen. Holunder beispielsweise oder Gänseblümchen.

Mittlerweile ist der Waldkindergarten der „Elfetrippelsche“ auf zwei Gruppen mit je 20 Kindern gewachsen, die aus der ganzen Region hierher kommen. Auf jedem der beiden Plätze steht ein Bauwagen, der mit einem Holzofen beheizt werden kann. „Hier können sich die Kinder, wenn es sehr kalt ist, auch aufwärmen und die Kleinsten im Warmen gewickelt werden“, sagt Messing-Jörg. Auf dem Ursprungsplatz bei der Neumühle steht neben dem offenen Pavillon auch eine Lehmhütte mit Ofen. Eine große Gemeinschaftsarbeit zusammen mit Eltern und Großeltern der Kinder, auf die die Erzieherin heute noch stolz ist.

Eine weitere Herausforderung, die zu meistern war: „Es gab Bedenken, dass die 'wilden Waldkinder' Probleme bei der Einschulung hätten“, berichtet Messing-Jörg. Doch bei regelmäßigen Treffen mit Schulleitungen der regionalen Grundschulen zeigte sich, dass Lehrkräfte eher begeistert waren über die gute Vorbereitung der „Waldkinder“. Das liege auch an dem ausgefeilten Vorschulkonzept, in das die Erzieherinnen und Erzieher des WaKiGa „Elfetrippelsche“ zusammen mit einigen Grundschullehrerinnen und -lehrern viel Arbeit investiert hätten, sagt die ehemalige Leiterein des Waldkindergartens.

Das Konzept des Waldkindergartens, am besten in seiner puristischen Form, findet Jutta Messing-Jörg für Kinder immer noch sehr gut. „Natürlich müssen auch die Eltern dahinterstehen“, betont sie. Informationen zum Waldkindergarten „Elfetrippelsche“ gibt es unter www.winnweiler-vg.de/waldkindergarten. Hier findet sich auch die Konzeption des Waldkindergartens und ein Elternleitfaden.

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Autor:

Ralf Vester aus Kaiserslautern

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